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Köln: Kölner Versager müssen Spießruten laufen

Köln : Kölner Versager müssen Spießruten laufen

Als die Proteste der rund 600 Fans am Marathontor des Kölner RheinEergieStadions zu eskalieren und größere Gegenstände als Feuerzeuge und Münzen Richtung Mannschaftsbus zu fliegen drohten, beorderte die Vereinsführung des 1. FC Köln am Samstag um 18.30 Uhr die komplette Mannschaft hinaus zur brüllenden Meute.

Sie sollte sich den aufgebrachten Fans nach dem 1:4-Debakel gegen Werder Bremen stellen. Die Versager mussten Spießruten laufen, derweil Friedhelm Funkel (noch) Trainer des Tabellenletzten bleibt.

Aus Köln berichtet AZ-Sportredakteur Wilhelm Peters.

Der Unmut, die gellenden Pfiffe, die verbalen Angriffe richteten sich - ganz nach den Gesetzmäßigkeiten des Geschäfts - gegen Trainer Friedhelm Funkel. Schon im Verlaufe des Spiels, in dem alleine die Bremer eine professionelle Berufsauffassung zeigten, hallte es aus tausenden Kehlen durchs Stadion: „Funkel raus”.

Das war nach 70 Minuten einer 90-minütigen Veranstaltung, während der sich die hoch dotierten Angestellten des Ersten Fußball Clubs Köln mächtig ins Zeug gelegt hatten. Ins Zeug gelegt dahingehend, alles kaputtzumachen, was bis dahin trotz der Niederlagenserie noch einigermaßen zusammenhielt.

Paul Stalteri, Berufsfußballer des SV Werder Bremen, schraubte in jener 70. Minute das Ergebnis auf 3:0 für seinen Arbeitgeber.

Ein gewisser Johan Micoud, der seine völlige Freiheit sichtlich genoss, da von ihm bis dato offenbar kein Kölner Spieler jemals etwas gehört hatte, traf nach zehn Minuten - bereits seine dritte Chance - völlig unbedrängt zur Bremer Führung, Stürmer Mladen Klasnic erhöhte (40.).

Als Matthias Scherz per Kopf das einzige „Geißbock”-Tor erzielte (79.), hatten tausende der 33.000 Fans im zunächst ausverkauften Stadion längst die Stätte des Grauens verlassen. Sie verpassten auch Angelos Charisteas 4:1-Treffer für die Gäste, deren Trainer Thomas Schaaf begeistert feststellte: „Es war toll, was meine Mannschaft hier geboten hat.”

Schaafs Blick schwenkte hinüber zum Kollegen Funkel: „Ich hoffe, dass man Friedhelm die Zeit gibt, die Dinge hier in Köln zum Positiven zu wenden.”

Neben den Trainer, dem seine Mannschaft mit einer völlig desolaten Vorstellung die Zusammenarbeit verweigert hatte, platzierte sich demonstrativ Manager Andreas Rettig.

Als Funkel sein Unverständnis über die „indiskutable Leistung” formuliert und mitgeteilt hatte, „dass von den Namen her in Stuttgart eine andere Mannschaft auflaufen wird als heute”; und als er dann von seiner „festen Überzeugung” berichtet hatte, auch in Stuttgart noch Trainer des 1. FC Köln zu sein, sprach Andreas Rettig Tacheles.

„Auch wenn das Volk den Kopf des Trainers rollen sehen will, kann ich definitiv ausschließen, dass wir uns von Friedhelm Funkel trennen. Diese Leistungen der Mannschaft lassen wir uns nicht gefallen. Im Innenverhältnis werden ab sofort ganz andere Töne angeschlagen als noch nach dem Wolfsburg-Spiel.” Rumms.

Noch ein bisschen drastischer stellte der Manager in kleiner Runde fest: „Wenn das Volk ruft, köpft ihn, legen wir nicht das Fallbeil an.” Er schränkte aber dann - auch ganz nach den Gesetzmäßigkeiten des Geschäfts - ein: „Das heißt aber nicht, dass wir dem Trainer einen Freifahrtschein ausstellen. Wir konzentrieren uns jetzt auf das, was unmittelbar vor uns liegt - auf Stuttgart.”

Im Falle einer neuerlichen Niederlage dürfte es schwer sein, den Trainer noch zu halten. Schon Minuten vor dem Abpfiff diskutierte auf der Ehrentribüne die FC-Führung über ihre Vorgehens- und Verhaltensweise: der Präsident, der Manager und der Geschäftsführer.

Das Ergebnis (siehe oben) verkündete Rettig. Präsident Albert Caspers stellte mit versteinertem Blick fest: „Die Abspielfehler, katastrophal. In meiner ersten Wut werde ich aber keine Stellungnahme zum Trainer abgeben.”

Noch am Samstagabend strich die Vereinsführung den freien Tag der Spieler als eine erste Konsequenz aus der Arbeitsverweigerung. Zapfenstreich 22 Uhr ist eine weitere.

Schon am Donnerstag reisen Mannschaft und Coach ins Trainingslager. Dienstagabend müssen sich die Versager, die gegen Bremen keine Minute ihre Erstklassigkeit belegen konnten, den Fanklubs zur Diskussion stellen.

Wenigstens dies klappte Samstagabend reibungslos. Nach Schimpfkanonaden, aber auch sorgenvollen Nachfragen vieler Fans gaben sich die Profis geläutert.

Christian Springer: „Die Leute haben ein Recht auf Erklärungen nach dieser Vorstellung von uns. Wir haben uns blamiert bis auf die Knochen. Wir hatten während der Woche alle Ruhe der Welt. Trotz unserer fünf Niederlagen. Diesen uns gewährten Kredit haben wir nicht eingelöst.”

Torschütze Matthias Scherz nach dem demoralisierenden Auftritt: „Es liegt nicht am Trainer, wir haben Mist gebaut, ganz, ganz schlecht gespielt, müssen uns da rausziehen.”

Schonfrist für den Trainer also, der aber schwer angeschlagen und angezählt ist. Ob er es noch schafft, die Blockade aus den Köpfen und Beinen seiner Spieler zu lösen...?