Köln: Kölner sind „fokussiert auf diese Herkules-Aufgabe”

Köln: Kölner sind „fokussiert auf diese Herkules-Aufgabe”

Über den VfB Stuttgart verliert Frank Schaefer nur wenige Worte. „Wir können uns in unserer momentanen Situation nicht mehr mit dem Gegner beschäftigen”, sagt der Interimstrainer des akut abstiegsgefährdeten Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln.

„Unser Ziel ist es, dem VfB Stuttgart einen großen Kampf zu liefern und zu punkten.” Zudem setzt Schaefer auf ein Phänomen, das den Beobachter oftmals staunen lässt. „Die letzten drei Spieltage haben immer ihren eigenen Charakter, ihre eigene Dynamik”, betont der FC-Trainer. „Wir müssen alles dafür tun, das zu nutzen.”

Schaefer nutzte die Trainingswoche vor allem, um die Psyche seiner Spieler aufzubauen. Alles andere blendete der 48-Jährige aus. „Für mich ist es jetzt wichtig, dass ich in diesem Tunnel bin, total fokussiert auf diese Herkules-Aufgabe”, betont der Trainer. Das fordert er auch von seinen Profis. Schaefer akzeptiert keine Alibis mehr. „In unserer Situation ist die Mannschaft gefordert, nicht ein einzelner Spieler.”

Der bekennende Christ weiß aber auch, dass er erwartet, was seit langem allenfalls punktuell gelungen ist. Kölns Wortführer auf dem Platz ist Michael Rensing, und der steht nun einmal im Tor. Deshalb fehlt beim FC oft der Chef auf dem Platz. „Der Schlüssel zu einer funktionierenden Mannschaft ist die Kommunikation”, sagt Schaefer und hat in den vergangenen Tagen viele Gespräche geführt, um diesen grundlegenden Mangel im Mannschaftsgefüge zu beheben.

Der Coach hat allerdings offenbar die Befürchtung, dass sein Team das gegen den VfB nicht allein schaffen kann. Also beschwört er den Schulterschluss mit den Fans. „Wir alle wollen nächstes Jahr Bundesliga spielen. Bilanzen ziehen und Emotionen zeigen ist auch nach dem letzten Spieltag möglich”, sagt Schaefer.

„Jetzt braucht die Mannschaft die bedingungslose Unterstützung. Gerade auch in den Phasen des Spiels, in denen es nicht so gut läuft.” Und dass es diese Situationen gegen den VfB geben wird, ist höchst wahrscheinlich. Immerhin haben die Stuttgarter aus den letzten fünf Spielen 13 Punkte geholt und sind auf einem guten Weg Richtung Europa League.

Am Freitag stand nur noch ein „ganz kurzes Abschlusstraining” auf dem Programm. Anschließend ging es ins Hotel. Das hatte es unter Stale Solbakken nicht mehr gegeben. „Das ist meine Vorstellung von einer guten Vorbereitung”, begründet der Nachfolger des beurlaubten Norwegers.

Der Verlauf der Trainingswoche erzeugte bei Schaefer eine gewisse Zuversicht, dass sich seine Mannschaft an diesem „ganz, ganz dicken Brocken” nicht verschlucken wird. „Es war eine Woche, in der viel über den FC berichtet wurde”, merkt der Trainer an. „Nicht so sehr über den aktuellen Spieltag.

Dadurch hatten wir etwas mehr Ruhe.” Und diese Ruhe hat er genutzt, um mit dem Kader intensiv und engagiert zu trainieren. „Wir haben ein positives Feedback als Trainerteam bekommen”, berichtet Schaefer. „Jetzt müssen wir hoffen, dass die Mannschaft das auf dem Platz umsetzt.”

Erfreut ist der oberste Übungsleiter auch, weil sich die Stimmung verbessert hat. Das macht seine Arbeit, glaubt er, einfacher. „Mein Hauptziel ist es, die Mannschaft besser zu machen”, betont Schaefer. „Das ist einfacher, wenn die Stimmung besser ist.”

Also gut gelaunt Richtung Zweite Liga? „Wenn noch neun Punkte zu vergeben sind, ist es eine Tatsache, dass für uns auch Platz 15 noch erreichbar ist”, gibt sich der 48-Jährige kämpferisch und räumt im Nachsatz ein: „Realistisch ist es unser erstes Ziel, den Relegationsplatz zu sichern.”

Die Formation, die zuletzt mit 0:3 geschlagen den Borussia Park verließ, wird Schaefer wohl nur auf einer Position ändern. Henrique Sereno fällt mit Adduktorenproblemen aus. In den zurückliegenden Trainingseinheiten bildete Kevin McKenna mit Pedro Geromel das Innenverteidiger-Paar. Doch Ammar Jemal ist auch wieder fit und könnte diese Position ebenso bekleiden. Am Freitag wollte sich der Trainer noch nicht festlegen, wer in der Startelf stehen wird.