Köln/Düsseldorf: Köln vor den Scherben einer Saison

Köln/Düsseldorf: Köln vor den Scherben einer Saison

Der 1. FC Köln steht bereits vor dem Abstiegs-Endspiel gegen Bayern München vor den Scherben einer Saison. Das Experiment mit dem Trainer-Manager-Duo Stale Solbakken/Volker Finke ist gescheitert, die Fußballer des Bundesliga-Premierenmeisters erwiesen sich mit den Ausnahmen des künftigen Arsenal-Profis Lukas Podolski und von Torhüter Michael Rensing nur bedingt erstligatauglich.

David Alaba, Nachwuchsstar des kommenden Gegners, brachte die Situation auf den Punkt: „Für Köln geht es ums Überleben.”

Es droht der fünfte Abstieg nach 1998, 2002, 2004 und 2006. Sollte Hertha BSC im Fernduell gegen 1899 Hoffenheim gewinnen, reicht dem FC gegen den Rekord-Titelträger aus München wegen der schlimmen Tordifferenz von minus 33 - Hertha weist minus 28 auf - nicht einmal ein Remis.

Ergo hofft Köln auf Hoffenheimer Beistand und die eigenen Stärken. Doch die sind kaum vorhanden: Aus den zurückliegenden acht Partien holten Podolski und Co. zwei Pünktchen - bei einer Trefferbilanz von 6:25. Selbst der Wechsel von Solbakken auf Interimscoach Frank Schaefer brachte keinen Umschwung.

Der 48-Jährige bemühte zuletzt Durchhalteparolen und versuchte, das Team stark zu reden. „Absolute Gier zeigen und nicht rumjammern” - das sind Schaefers Empfehlungen an seine Spieler. Und: „Da müssen Adrenalin und positive Anspannung aufgeladen werden.” Die Bayern indes sind nicht gewillt, vor dem Pokalfinale gegen Meister Dortmund und dem Champions-League-Hit gegen Chelsea auch nur ein Jota nachzulassen. „Wir nehmen das Spiel seriös und wollen gewinnen”, kündigte Franck Ribéry an.

Nur allzu gern denkt Schaefer an den 5. Februar 2011. Damals siegten seine Kölner gegen die Bayern 3:2. „Das kann die Mannschaft, das hat sie gezeigt”, erinnerte Schaefer an diesen Erfolg, als Christian Clemens und der zweimal erfolgreiche Milivoje Novakovic binnen 19 Minuten aus einem 0:2 noch den vorerst letzten Erfolg gegen München machten. Der ehemalige Bayern-Schlussmann Rensing hofft jetzt inständig darauf, „dass die Hertha nicht gewinnt und wir zu Hause einen raushauen. Dann ist alles möglich.”

Doch was kommt, wenn alles unmöglich wird? Zwar ist der FC seit der Wahl des neuen Präsidiums in diesem Bereich wieder handlungsfähig. Aber ohne neuen Trainer und ohne neuen Sportdirektor sind aktuelle Entscheidungen über die Neugestaltung des Profikaders, ob für die 1. oder die 2. Liga, nicht umsetzbar. Man arbeite „mit Hochdruck” weiter, sagte Schaefer dem „Kölner Stadt-Anzeiger” (Freitag).

Klar ist derzeit wenig. Planungssicherheit besteht bei den auf zwölf Millionen Euro geschätzten Einnahmen durch den Podolski-Transfer. Diese Summe soll in „die Qualität der Profimannschaft sowie in die Nachwuchsförderung” investiert werden, wie Claus Horstmann als Vorsitzender der FC-Geschäftsführung sagte. Steigt die Mannschaft ab, sinken die Einnahmen des verschuldeten Vereins um wahrscheinlich knapp 40 Prozent.

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