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Köln: Köln geht mit einem Kater in die tollen Tage

Köln : Köln geht mit einem Kater in die tollen Tage

Seit Samstag nun haben die Menschen in und um Köln, die sich „ihrem” 1. EffCee zugeneigt fühlen, ein echtes Problem.

Wie soll die rheinische Frohnatur Karneval feiern, wenn ihr Lieblingsverein mit dem Kosenamen „Geißböcke” den nächsten Bock geschossen, sich vom FC Schalke mit einer 0:2-Niederlage in die jecken Tage hat schicken lassen?

Am Montagabend ist „lustig” befohlen, wenn die große FC-Karnevalssitzung in den Sartory-Sälen steigt. Marcel Koller, der Trainer, kündigte denn auch mit Leichenbittermiene an: „Jaaaaa, sicher, da gehen wir geschlossen hin, die ganze Mannschaft.” Ob sie viel Spaß hat? Kaum anzunehmen. Es lässt sich schwer schunkeln, wenn es Richtung 2. Liga geht.

Wäre sie, die ganze Mannschaft, im ausverkauften RheinEnergieStadion, diesem nagelneuen Schmuckkästchen erster Güte, geschlossen aufgetreten, hätte es nicht zum nun vierten Auswärtssieg in Folge für die Elf von Jupp Heynckes kommen müssen/dürfen. So aber reichten den Gästen zwei Standards (Freistöße), um zwei Treffer (Nico van Kerckhoven/25. und Michael Delura/81.) zu erzielen, die dem Wunsch nach den internationalen Geldtöpfen wieder schüren.

Heynckes bescheinigte seinen Mannen „eine ambitionierte und konzentrierte Leistung vor allem in der ersten Halbzeit. Das war hohe Spielkultur und hat mir gut gefallen. In der zweiten Halbzeit hat der FC klar den Taktstock übernommen, und wir haben prekäre Situationen überstanden. Auch dank Frank Rost im Tor.” Nach der Pause legte der FC tatsächlich zu, kam auf 22:13 Torschüsse und insgesamt 12:6 Ecken. Der Vollstrecker aber fehlt.

Marcel Koller nickte bestätigend bei Heynckes Worten, wirkte aber fast ratlos in seinen Durchhalteparolen: „An der Leistung in unserer engagierten zweiten Halbzeit müssen wir weiterarbeiten und versuchen, auswärts die nötigen Punkte zu holen. Es wird schwer in Dortmund. Die Mannschaft muss sich 90 Minuten konzentrieren, eine Halbzeit reicht da nicht.”

Libero Thomas Cichon als Zerstörer in der zentralen Defensive, das geht. Woran es hapert: Die Spieleröffnung aber, ein kluger Aufbau mit Überraschungsmoment, damit scheint er überfordert. Wie auch beide Außenflitzer an diesem Nachmittag, Alex Voigt und Oliver Schröder, die kaum gestalterische Akzente setzten, kaum präzise ins Angriffszentrum flankten.

Da allerdings herrschte auch Funkstille. Weil die Partie an Lukas Podolski weitestgehend vorbeilief, weil Sturmpartner Andrej Voronin die falschen Schuhe/Stollen gewählt hatte und in den entscheidenden Szenen statt seinem Kontrahenten Thomas Kläsener zu enteilen, ausrutschte, als sei der Rasen eine Eisbahn.

Als „Individualist” der besonderen Art stellte sich Manndecker Moses Sichone beim Führungstreffer der Schalker vor, beging zunächst an der Außenlinie ein dämliches Foul an Asamoah, beim fälligen Freistoß stand er dann viel zu weit weg vom Torschützen. Als „Steh-Rummchen” eben. Das ist ein Begriff aus der Antiquitäten-Branche und bezeichnet Dinge, die eigentlich ohne größeren Gebrauchswert sind und die auf Verticos oder in Vitrinen vor sich hindümpeln. Wie der FC zurzeit.

Rückkehrer Dirk Lottner stellte fest: „In der ersten Halbzeit sind wir nicht ins Spiel gekommen, haben die Zweikämpfe nicht angenommen. Schalke war die technisch bessere und schnellere Mannschaft. Erst danach konnten wir in etwa unser spielerisches Potenzial zeigen, hatten aber nicht das nötige Glück.”