1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Bielefeld: Kluge & Co. zerstören den Gesprächsstoff

Bielefeld : Kluge & Co. zerstören den Gesprächsstoff

Vorbei sind die Zeiten, in denen der Mönchengladbacher Fan-Opa am heimeligen Kamin seinem Enkel vom letzten Auswärtssieg der Borussia erzählte.

„Es war einmal ...” Der 24. September macht das Kramen in den hintersten Winkeln des Erinnerungsvermögens unnötig. Nach mehr als 17 Monaten (14. April 2004 in Rostock 2:1) legte die Elf vom Niederrhein ihren Nimbus als beliebtester Gast in den Bundesliga-Stadien ab und gewann in Bielefeld mit 2:0.

Trainer Horst Köppel holte sich damit innerhalb eines halben Jahres schon seinen zweiten inoffiziellen Titel. Der Retter der letzten Saison ist nun auch der Prinz, der die fremdelnde Borussia von ihrem Auswärtsfluch erlöste. Natürlich kommen heuer die Fußball-Märchengestalten nicht mehr auf einem weißen Pferd dahergeritten. Aus Gründen des Tierschutzes auch in Mönchengladbach nicht auf einem Fohlen. Sie brausen auf Karbon-Rössern zu ihren Zielen.

Und da will auch Köppel demonstrieren, dass man mit 56 Jahren noch Gas geben kann. Beruflich und privat. Nach dem drohenden Abstieg und der Auswärts-Hungerperiode nimmt der Fußballlehrer nun sein Opa-Image aufs Korn: Für eine Fußball-Illustrierte ließ er sich mit seinem Porsche ablichten.

Im Rausch der Geschwindigkeit: Vor zwei Spieltagen nach der Niederlage in Köln prasselte die Kritik von außen und innen auf den Trainer ein. Die wollte auch nach dem Sieg über Bremen nicht verstummen. Nun aber, mit Platz sieben im Rücken, schießt Horst Köppel zurück: „Ich versuche, mit jedem fair umzugehen. Das erwarte ich im umgekehrten Fall auch von allen anderen. Was bei uns nach vier, fünf Spieltagen abgegangen ist, hat mich mächtig gestört.”

Es sich auf dem Elf-Punkte-Ruhekissen so richtig bequem zu machen, da ist allerdings Peter Pander vor. Der Sportdirektor sieht seine Aufgabe darin, auch zukünftig „den Finger in die Wunden zu legen”. Und so folgt gleich die Ermahnung des Managers: „Nicht abheben und träumen!”

Für ihn ist auch der historische Sieg nur „eine Momentaufnahme. Deshalb darf man den Blick fürs Wesentliche nicht verlieren. Jetzt kommt Mainz, und da kann alles ganz schnell vorbei sein.” Zwei Siege in Folge, doch das Misstrauen muss mit einer Bestätigung des Aufwärtstrends gegen die unbequeme Klopp-Elf bekämpft werden.

War die Borussia so stark oder die Arminia so schwach? Bielefelds Trainer zumindest setzte den Akzent auf Version 2. „Ich kann mich nur in aller Form für das, was wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, entschuldigen”, sagte Thomas von Heesen. „Und da muss mir auch keiner kommen mit Erklärungsversuchen.”

Fußball als „unfassbarer” Sport. Auf Seiten der Gladbacher hatte das Geschehen zumindest ein Gesicht. Peer Kluge schoss nicht nur das 1:0 (32.). Er bewies zudem, dass man kein Neuer sein muss, um dem Team zu helfen. Trotz der Schwindelgefühle, deretwegen er ausgewechselt werden musste, war sein Kurzzeitgedächtnis noch intakt. „Jetzt haben zwei Mittelfeldspieler, die ja als nicht torgefährlich kritisiert wurden, zwei Treffer erzielt ...”

Das 2:0 in Bielefeld schoss zwar Stürmer Oliver Neuville (68.), doch gegen Bremen traf Thomas Broich. Trotz Bluterguss im Knöchel, der ihn wie gegen Werder quälte, überzeugte er in Bielefeld erneut. „Ich hoffe nicht, dass es daran liegt. Das sind saumäßige Schmerzen.” Dennoch plant „Mozart” den nächsten Dreier-Eintrag in sein „Knöchel-Verzeichnis”: eine Zugabe gegen Mainz.