Walchsee: Keine Vorkommnisse auf Zimmer 320

Walchsee: Keine Vorkommnisse auf Zimmer 320

Aus dem Zimmer mit der Nummer 320 im Seeresidenz-Hotel am Walchsee wurden bisher keine besonderen Vorkommnisse gemeldet. Kein klirrendes Porzellan, keine Kampfgeräusche, keine wüsten Beschimpfungen.

„Ich habe die Bewohner schon lachend aus dem Zimmer kommen sehen”, sagt Hans Spillmann, Alemannias Torwarttrainer. Das ist natürlich eine gute Nachricht, denn auf Zimmer 320 sind Alemannias Nummer 1 und 2 untergebracht: David Hohs und Boy Waterman.

Sie führen den schärfsten Konkurrenzkampf im Team. Zwei Bewerber für einen Platz. Es war die Trainer-Idee, die Rivalen auf ein paar Quadratmetern gemeinsam unterzubringen: „Später muss die Nummer 2 die Nummer 1 warmmachen, die Nummer 1 für die Nummer 2 die Prämie sichern. Sie müssen sich gegenseitig stark machen und pushen.”

Einst hoch gehandelt

In der „roten Ecke” startet der Herausforderer: Boy Waterman wurde Europameister mit der niederländischen U 21, wurde hoch gehandelt, für drei Millionen Euro von AZ Alkmaar und seinem damaligen Trainer Louis van Gaal gekauft. Die Karriere von Waterman ist nicht gradlinig verlaufen, einige Täler hat er schon hinter sich gelassen. Gerade hat er eine sehr konstante Saison bei De Graafschap gespielt.

Er hat seinen Sommerurlaub in Miami abgebrochen, hat auf das gebuchte Bali verzichtet, stattdessen: Aachen. Der Rundgang mit Manager Erik Meijer durch den neuen Tivoli gab den letzten Ausschlag. „Es ist zwar ein Wechsel von der Ersten in die Zweite Liga, aber eindeutig eine Verbesserung”, sagt Waterman. „Die Voraussetzungen in Aachen sind besser.”

Für ihn ist es ein Neustart, die Uhr ist auf Null gestellt. „Ein neuer Klub, eine neue Stadt, eine neue Liga, ein neues Land, eine neue Sprache - es sind viele Schritte auf einmal. Ich will in Aachen wachsen.”

Waterman ist in seinem neuen Team noch der stille Beobachter, ohnehin bleibe er gerne im Hintergrund, sagt er. Als zweiter Rudi Carell kommt er nicht in Frage. „Ich weiß, was ich will, nur das ist wichtig.” Was er will, ist klar formuliert. „Ich will spielen.”

In der „blauen Ecke” wartet der Titelverteidiger David Hohs. Der 23-Jährige hat eine ordentliche Saison gespielt, sagt er selbst. Spillmann ist da euphorischer. „David gehört zu den besten fünf Keepern der Zweiten Liga.” Der Niederländer erinnert an die Pokalspiele gegen Mainz und Frankfurt, als der starke Torwart sicherstellte, dass die Tageskasse in Aachen blieb. Am Ende der Premierensaison ging Hohs wie vielen anderen jungen Spielern im Team ein wenig die Luft aus. Er will seinen Platz nicht räumen. „Natürlich hat Boy mehr Erfahrung, aber deswegen muss er ja nicht zwingend besser sein”, sagt Hohs.

Es wird kein Duell der großen Worte, die Entscheidung fällt naturgemäß auf dem Platz. Waterman patzte in den ersten 30 Sekunden im Aachener Trikot gegen Bocholtz, Hohs war bei einem Gegentreffer gegen Salzburg beteiligt.

Aber vielleicht muss man Torhüter eher an ihren Qualitäten als an ihren Fehlern beurteilen. „Auf der Tribüne sitzen oft Blinde, die das komplexe Torwartspiel nicht richtig beurteilen können, es sich aber trotzdem zutrauen”, wundert sich der Trainer.

Sein fachkundiges Urteil? „David besitzt eine enorme Sprungkraft, ist im Spiel fast schon zu fanatisch, je mehr los ist, desto besser wird er.” Technisch könne er sich verbessern. Trainingsziel: „Ich möchte aus ihm einen Bundesliga-Torwart machen.”

Und der Herausforderer? „Boy hat ein gutes Stellungsspiel, ist ein cooler, aber im Spiel besessener Typ, einer, der das nächste Level jetzt erreichen will.” Trainingsziel: „Ich will erreichen, dass er unter die besten drei niederländischen Keeper kommt, der Bondscoach wohnt doch nur 20 Kilometer entfernt . . .”

Hans Spillmann ist erst Mitte der Saison aufgestiegen zu den Profis, er arbeitet verstärkt im technischen Bereich. „Wir möchten den Stil von Edwin van der Sar vermitteln: gutes Stellungsspiel, einfach, unspektakulär und auffallend gut.”

Der Ex-Profi will noch keine Prognose zum aufregenden Casting abgeben. „Ein ganz enges Rennen”, ist der erste Eindruck. Das Rennen wird offengehalten, die Entscheidung erst nach dem letzten Testspiel am 9. Juli gegen den FC Volendam gefällt werden.