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Köln: Jörg Jakobs: „Unsere Hausaufgaben sind gemacht“

Köln : Jörg Jakobs: „Unsere Hausaufgaben sind gemacht“

Seit dem 1. Juli 2013 steht Dr. Jörg Jakobs in Diensten des 1. FC Köln. Der Chefscout und Leiter Lizenzbereich ist verantwortlich für die Kaderplanung beim Bundesliga-Aufsteiger. Mit seiner Vertragsverlängerung bis 2018 wurde der promovierte Sportwissenschaftschaftler zum Sportdirektor befördert. Vor dem Trainingsauftakt sprach Günter Kirschbaum mit dem 43-Jährigen.

Sie wirken sehr entspannt.

Jakobs: Das bin ich auch, obwohl ich bisher nur zwei Kurzurlaube gemacht habe, jeweils über die Brückentage. Der große Urlaub kommt erst im August vor dem Pokalspiel.

Ist das ein Hinweis darauf, dass Ihre Arbeit nicht abgeschlossen ist?

Jakobs: Ja. Außerdem ist es sinnvoll, wenn man die Vorbereitung begleitet. Es ist interessant und wichtig zu sehen, wie die Mannschaft in die Gänge kommt. Zudem sollte immer ein Ansprechpartner aus der Sportlichen Führung zur Verfügung stehen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und gehen optimistisch in die Saison. Es ist eine Mischung aus Vorfreude, Zuversicht und ein bisschen Anspannung.

Woran liegt es, dass sich die Atmosphäre hier so gewandelt hat?

Jakobs: Es war hier oft sehr hektisch. Und um auf die beiden letzten Sommerphasen zurückzukommen: Es sind da Dinge angeschoben worden, von denen wir jetzt profitieren. Es ist eine Basis geschaffen worden. Wir können jetzt nach drei Transferperioden sagen, dass wir den Kader haben, den wir wollten. Jede Position ist gewollt besetzt. Und das zu einem so frühen Zeitpunkt.

Und die Altlasten sind Sie los.

Jakobs: Absolut.

In den letzten zwölf Jahren musste man den Eindruck gewinnen, Jakobs gibt es nur im Paket mit Schmadtke.

Jakobs: (lacht) Umgekehrt: Schmadtke gibt es nur im Paket mit Jakobs. Im Ernst: Wir arbeiten gut zusammen, hinzu kommt, dass wir uns menschlich gut verstehen. Bisher hat es gut geklappt. Wir hatten vor Köln gemeinsam zwei Stationen, Alemannia und Hannover 96. Aachen war deutlich länger, mit unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Jetzt versuchen wir es in Köln noch mal, und das erste Jahr hat sich gut angelassen. Wahrscheinlich könnte ein Einzelner den Job auch machen. Es ist aber ein Vorteil bei einem so großen Klub wie dem 1. FC Köln in der Bundesliga, dass zwei Leute da sind und die Wege kurz sind. Natürlich gibt es eine Hierarchie. Aber ich habe keine Probleme damit, Dinge zu entscheiden, von denen der Jörg erwartet, dass ich sie entscheide. Umgekehrt ist es so, dass er mich in alle Dinge einbindet. Ich glaube nicht, dass es relevante Informationen gibt, die Jörg hat, aber ich nicht habe.

Muss dafür ein Grundvertrauen vorhanden sein?

Jakobs: Ja, das ist eine Voraussetzung.

Hat das auch etwas mit der Erweiterung Ihrer Kompetenzen zu tun?

Jakobs: Da gibt es zwei Ebenen. Für die Innenwirkung ist das ohne Bedeutung, da ändert sich wenig. Für die internen Abläufe ist die Bezeichnung meines Jobs relativ egal. Aber die Außenwirkung ist für den 1. FC Köln wichtiger als für andere Klubs. Die Leute können beispielsweise im Ausland mit dem Begriff Sportdirektor etwas anfangen, die Begriffe Transfermanager oder Leiter Lizenzfußball muss man erst übersetzen.

Sie haben Ihren Vertrag vorzeitig um drei Jahre verlängert. Wo steht der FC jetzt, wo wollen Sie ihn im Sommer 2018 sehen?

Jakobs: Wir sind in die Bundesliga aufgestiegen und haben Chancen, den Abstieg zu vermeiden. Der nächste Schritt ist, uns in der Bundesliga zu etablieren. Auch im zweiten Jahr würde es nur um den Klassenerhalt gehen. Nach zwei Jahren könnten wir dann schauen, wo die Reise hingehen kann: das Ziel Klassenerhalt beibehalten oder neue Ziele setzen. Aber ein schönes und interessantes Thema ist, wie sich die Bundesliga aktuell darstellt und wie sie sich entwickeln wird. Wie wird die Durchmischung sein? Mit Klubs, die viel Geld haben. Wer steigt auf, wer ab? Jetzt hätte es mit dem Hamburger SV fast den letzten Dino erwischt. Es wird so sein, dass die Tabelle immer stärker die Geldtabelle widergibt, weil die Klubs tendenziell besser arbeiten. Wie Wolfsburg zum Beispiel. Vor zehn Jahren haben wir in Aachen mit dem VfL um den Klassenerhalt gestritten, schauen Sie, wo Wolfsburg jetzt steht.

Deshalb wird ja auch von Jörg Schmadtke und Ihnen Kreativität erwartet, um die wirtschaftliche Kluft zu verringern.

Jakobs: Das ist uns bewusst. Wir versuchen, uns immer weiterzuentwickeln und anzupassen. Neue Märkte werden erschlossen, andere Märkte verworfen oder Kontakte intensiviert. Das ist ein Anspruch, den wir haben. Kreativität spielt dabei eine große Rolle.

Wie groß sind Ihre Freiheiten, in Transferangelegen selbst zu entscheiden?

Jakobs: Ich empfinde sie als sehr groß. Auch in der Zusammenarbeit mit Jörg Schmadtke, der ja sein Profil geändert hat. Vom Sportdirektor bei Alemannia Aachen zum Geschäftsführer bei einem großen Klub. In Aachen standen wir immer unter einem extremen Kostendruck, Hannover war ein bisschen besser, aber auch noch anders geprägt. Trotz des Kostenbewusstseins, das auch der FC haben muss, sind die Möglichkeiten hier viel größer. Wenn eine Ausgabe Sinn macht, wird das Geld auch zur Verfügung gestellt.

Aber bei einem Zehn-Millionen-Transfer Podolski beispielsweise wäre Ihr Handlungsspielraum ausgereizt?

Jakobs: Meiner auf jeden Fall. Solche Investitionen müssen vom Vorstand abgesegnet werden. Abgesehen davon, dass ich solche Transfers für uns nicht sehe. Wir haben schon Kosten zurückgefahren, und der größte Kostenfaktor ist nunmal der Spielbetrieb. Zugleich ist es der zentrale Bereich in einem Fußballklub. Man kann viel bewegen, wenn man an den richtigen Stellen spart oder investiert.

Mit dem Etat für den Spielbetrieb stehen Sie in der Bundesliga-Rangliste mit 25 Millionen Euro weit hinten.

Jakobs: Wir liegen mit unserem Etat im unteren Drittel. Damit kommst du nicht unter die ersten Fünf und wahrscheinlich auch nicht unter die ersten Zehn. Wenn wir über dem Strich bleiben, ist das für uns okay.

Wenn die Sponsoren dem FC weiterhin die Bude einrennen, könnte man vielleicht noch etwas tun.

Jakobs: Ja, wir werden eine gute Stadionauslastung haben, die Sponsorenseite ist gut, und wenn wir die Kosten im Griff behalten, dann werden wir auch schrittweise mehr in die Mannschaft investieren können. Irgendwann kommen dann auch mal Transfererlöse hinzu. Das soll der Weg sein.

Könnte der FC im Moment eine Acht-Millionen-Offerte für Yannick Gerhardt ablehnen?

Jakobs: Grundsätzlich: Wir haben keine Offerte abgelehnt. Der Spieler hat sich dazu entschieden, beim FC zu bleiben und sich nicht weiter mit Benfica zu beschäftigen. Wenn wir in der Bundesliga bleiben, ist es beim Potenzial und der Altersstruktur in der Mannschaft klar, was passieren wird: Dann werden andere Vereine auf uns zukommen und Transfererlöse realisiert werden können.

Würde dann das Geld in die Mannschaft reinvestiert oder zum Schuldenabbau genutzt?

Jakobs: Sowohl als auch: Schuldenabbau, Investitionen in die Mannschaft und Bildung von Eigenkapital. Das ist ein Dreiklang, der harmonisch sein muss. Sprich: Wieviel muss man investieren, um die sportlichen Risiken zu minimieren, wie viel muss man nehmen, um Schulden zu tilgen, weil einem das in der Zukunft wieder hilft, und was nimmt man, um Eigenkapital zu bilden, um handlungsfähig zu sein, auch wenn es sportlich einmal nicht so läuft und man noch etwas tun muss?

Alles hängt also am Erfolg?

Jakobs: Das ist doch das Schöne am Fußball, dass er relativ einfach zu interpretieren ist. Man weiß immer, was auf einen zukommt. Läuft es gut, kann man die Dinge in die richtige Bahn lenken, pushen, läuft es schlecht, muss man sich darauf einstellen, dass man Gegenwind bekommt und Maßnahmen treffen muss. Oft kurzfristig. Werden wir jetzt in der Bundesliga mehrere Spiele am Stück nicht gewinnen, ist klar, dass sich die Wahrnehmung dreht. Darauf sind wir vorbereitet.