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Hannover: „Jetzt erzählen alle den gleichen Käse wie ich”

Hannover : „Jetzt erzählen alle den gleichen Käse wie ich”

Er hätte am liebsten geschwiegen und den Rückzug ins stillste aller stillen Kämmerlein angetreten. Doch er musste reden.

Die Nation wollte eine Erklärung für die erste siegreich beendete Blamage in der Historie des Deutschen Fußball-Bundes.

Und dann sprach Rudi Völler. Nein, er redete - wie ein Wasserfall. Immer mehr Erklärungsversuche, immer diese Gratwanderung zwischen Kritik üben und Verständnis zeigen. Völler redete, und redete und redete, und am Ende stand sein Fazit: „Jetzt sitzen in allen möglichen Pressekonferenzen Kollegen von mir und erzählen alle den gleichen Käse wie ich.”

So viel zum Thema fundierte Analyse nach dem 2:1-Triumph in der EM-Qualifikation gegen die Färöer, wo manche unverblümt „sechs bis acht” Tore gefordert hatten wie Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Und auch die deutschen Elite-Kicker waren - eher im Stillen - von einem Schützenfest ausgegangen. Rummenigges Forderung diente nach den 90 konzept- und überwiegend leidenschaftslosen Minuten als prima Vorhang, hinter dem sich versteckt werden konnte.

„Das Geschwätz im Vorfeld hat uns nicht geholfen”

Michael Ballack, einer der wenigen, der an diesem Abend den Beweis erbracht hatte, dass Fußball sein Beruf ist, fand es „schwierig, wenn im Vorfeld so eine Stimmung gemacht wird, dass man sechs bis acht Tore schießen muss”.

Christian Wörns, als Manndecker eher unterbeschäftigt und im Spielaufbau eher unfähig, bemängelte ebenfalls, „das Geschwätz einiger Leute im Vorfeld hat uns sicherlich nicht geholfen”.

Hätte es Mut gefordert zu sagen: „Wir haben totalen Mist gespielt, Entschuldigung, tut uns Leid, so eine Einstellung wird es nicht mehr geben?”

Gutmensch Rudi Völler verpackte seine Kritik selbstverständlich in Watte, dem ständigen „natürlich bin ich nicht zufrieden” folgte ein stetes „du kannst in so einem Spiel nichts gewinnen”.

Was der Teamchef („Normalerweise gehen solche Spiele dann auch noch 2:2 aus, aber das wäre ungerecht gewesen”) bemängeln wollte, war die fehlende Leidenschaft, „da hätte es ein bisschen mehr sein können”.

Später fielen ihm auch noch abhanden gekommener „Wille und Kaltschnäuzigkeit” vor dem Tor ein, „so wie wir es bei der WM beim 7:0 gegen Saudi-Arabien gezeigt haben”.

Und schon hatte der Teamchef selbst die Möglichkeit gezeigt, wie man bei einem solchen Spiel doch hätte gewinnen können.

Denn das Publikum, das Torwart Oliver Kahn ob seiner verminderten Motivation mit liebevollem Beifall und Sprechchören immer wieder aufbaute, war froh gestimmt und nach Ballacks früh erzieltem Treffer zum 1:0 in Feier- und Torlaune.

Doch mit Hochnäsigkeit, Lässigkeit und längst nicht hundertprozentigem Einsatz wurden die anschließenden drei, vier guten Chancen vermasselt. Das Ende ist bekannt: Friedrichs unglücklichem Eigentor folgte wenigstens noch Kloses Siegtreffer.

Und wenn schon nicht die Zuschauer, die für Völler „überraschend lange Geduld hatten” zufrieden waren, die Spieler waren es. „Drei Punkte, abhaken, Mund abputzen” (Oliver Kahn), „nur die drei Punkte sind wichtig” (Arne Friedrich) waren Standardantworten.

Dass ausgerechnet der an sich ja feine Fußballer Bernd Schneider verkündete, „Fußball ist nun mal ergebnisorientiert, Schottland wäre froh, wenn sie drei Punkte gegen diesen Gegner geholt hätten”, verwundert dann doch.

Da hat Rudi Völler bei allem „Käse” dann doch die besseren Worte gefunden. Besonders gelungen war sein Schlusssatz: „Ja, ich bin froh, dass dieses Spiel vorbei ist.”