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Aachen: „In der Bundesliga kann man so nicht spielen”

Aachen : „In der Bundesliga kann man so nicht spielen”

In Rossbach wird man sich grämen, dass der heimische Sportverein nicht mit einer Woche Verspätung im DFB-Pokal Borussia Mönchengladbach zu Gast hatte. Denn an diesem 16. September hätte auch der Rheinlandligist, am 10. September 1:4 unterlegen, eine echte Siegchance gehabt.

Denn wer hätte Borussia Mönchengladbach nicht geschlagen am Samstag? In den Genuss kam Alemannia Aachen, weil die Derby-Gäste alles vermissen ließen, was eine Fußball-Mannschaft auszeichnen muss, die - egal, in welcher Liga - Erfolg haben will. Trainer Jupp Heynckes, 61, äußerlich ruhig und besonnen, sprach Klartext: „So kann man in der Bundesliga nicht spielen.”

„Kirmestruppe”

Nicht nur nicht in der Bundesliga. Da hätte auf dem Platz „An der Kirmeswiese” in der Andernacher Straße zu Neuwied auch der 5. Ligist aus Rossbach seine Chance gegen diese samstägliche „Kirmestruppe” gehabt. Und so hatte sich die Borussia präsentiert: Ohne Organisation und ohne Esprit, ohne Wille und ohne Aggressivität, ohne Laufbereitschaft, ohne Zweikampf-Verbissenheit, ohne alles. Oder: „So kann man in der Bundesliga nicht spielen.”

Die zuletzt so hoch gelobten Abwehrspieler schauten freundlichst zu, wie die Alemannen sie düpierten; im Mittelfeld hatten die Gladbacher den „Volksbank-Werbespruch” verinnerlicht: sie machten den Weg frei; und die beiden Stürmer, die so genannten, demonstrierte Lustlosigkeit (Oliver Neuville) oder tummelten sich fernab des Strafraums (Kahê).

Dass sich Marcell Jansen von Schiedsrichter Michael Weiner - druckreif formuliert - verhohnepipelt sah bei dessen fragwürdiger Handelfmeter-Entscheidung nach fünf Minuten und so seine irritierte Mannschaft von der richtigen Wegstrecke abkommen, ließ Jupp Heynckes nicht gelten und gab dem Jungspund Nachhilfeunterricht. „Schiedsrichter nehmen eine Elfmeter-Entscheidung nie zurück. Da darf man nicht lamentieren und sich verrückt machen lassen.”

Den Sieg der Aachener fand niemand ungerecht, und doch hatte Borussias Manager Peter Pander Recht mit der Behauptung: „Mit ein bisschen mehr Konzentration hätten wir was erreichen können.” Doch als nach Kahês Anschlusstor (50.) noch nicht einmal 60 Sekunden später Marius Ebbers beim 3:1 Gladbacher Konzentrationsmängel nutzte, war das Derby gelaufen.

Dass Jan Schlaudraff nach seinem Treffer zum 1:0 und vor seinem Tor zum 4:1 die butterweiche Flanke auf Ebbers Kopf gezirkelt hatte, forderte natürlich zu Nachfragen heraus. Warum nur hatte die Borussia den Vertrag mit dem 23-Jährigen zum 30. Oktober 2005 aufgelöst und ihn nach der Ausleihe endgültig an die Alemannia abgegeben? Jupp Heynckes jedenfalls findet es schade, „dass er nicht mehr bei uns spielt. Ein interessanter Junge.”

Die Miene Panders sprach Bände, wie dolle er dieses Thema fand. Er wolle da jetzt nicht mehr groß drüber reden, „so was passiert hunderttausendmal im Fußball”. Klar, man habe versucht ihn zu behalten, aber der Spieler wollte nicht mehr zurück und die, die ihn sportlich besser hätten beurteilen können als er, waren nicht so überzeugt. Ein kleiner, später Seitenhieb auf Ex-Trainer Horst Köppel und dessen sportliches Kompetenzteam.

Jan Schlaudraff machte den spielerischen Unterschied am Samstag, während Borussias geplanter Ideengeber Federico Insúa noch negativer auffiel als fast alle anderen Gladbacher (was nebenbei bemerkt am Samstag fast schon wieder eine starke Leistung war). Zur Pause war der „Arbeitstag” des Argentiniers beendet. Für den Star debütierte Johannes van den Bergh in der Bundesliga und war neben Kahê noch der auffälligste Borusse in der nun ansatzweise engagiert auftretenden Elf.

Kahê auf Tour

Apropos Kahê: Als Stürmer nominiert, tummelt sich der abgespeckte Brasilianer stets fast nur im Mittelfeld, holt die Bälle, will sie verteilen - und fehlt dann natürlich als Anspielstation im Angriffszentrum. Dass er trotzdem zwei Tore gemacht hat, ist der einzige klitzeklitzekleine Mönchengladbacher Hoffnungsschimmer für die Zukunft nach diesem total verkorksten 60-Kilometer-Ausflug in die Nachbarstadt.