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Köln: In acht Stunden Autofahrt reift Funkels Entscheidung

Köln : In acht Stunden Autofahrt reift Funkels Entscheidung

„Ich hätte mein 300. Spiel als Bundesliga-Trainer gerne beim 1. FC Köln erlebt. So waren es nur 296 oder 297. Aber ich wollte rechtzeitig Platz machen, den Druck von der Mannschaft nehmen. Sie kann jetzt befreit aufspielen.”

Das sagte Friedhelm Funkel am Donnerstag nach seiner überraschenden Trennung von den zurzeit lahmenden „Geißböcken” nach 20-monatiger Amtszeit.

Funkel hatte eine lange Nacht hinter sich. „Acht Stunden habe ich im Auto gesessen. Da ist viel Zeit nachzudenken.”

Mittwochabend hatte der Coach die Pokalpartie zwischen Braunschweig und Hannover 96, Kölns Gegner am Samstag, beobachtet und war während der Fahrt zum dem Schluss gekommen, „dass etwas passieren muss”.

Nach dem schmeichelhaften 3:2 in der zweiten Pokalrunde am Dienstag gegen die Oberliga-Amateure des VfL Wolfsburg und neuerlichen „Funkel-raus-Rufen” war der Coach ohnehin für Donnerstagmorgen mit Kölns Präsident Albert Caspers und Manager Andreas Rettig verabredet.

Nach dem Gespräch, in dem sich Verein und Trainer auf eine „Trennung in beiderseitigem Einvernehmen” verständigt hatten, leitete Funkel um 11 Uhr wie gewohnt das Training und informierte die Mannschaft erst anschließend über seine Demission.

„Wir waren alle völlig verdutzt und überrascht. Die Entscheidung verdient aber allen Respekt”, sagte Torhüter Stefan Wessels.

Auf eine „positivere Grundstimmung im Umfeld” hofft Funkel nun. Und darauf, „dass nun neue Kräfte freigesetzt werden. Ich hatte nicht das Glück, die Mannschaft so präsentieren zu können wie ich wollte.”

Rettig begründete: „Wir haben das Erreichen der gesteckten Ziele als gefährdet angesehen und sind gemeinsam zu diesem Ergebnis gekommen.

Emotional fällt mir diese Trennung sehr schwer, weil sich Friedhelm Funkel nicht nur bei der Mannschaft, sondern bei allen im Verein großen Respekt verschafft und den auch verdient hat. Aber die Grundstimmung im Umfeld war zuletzt sehr unerträglich.”

Gegen Hannover 96 wird Co-Trainer Jos Luhukay auf der Bank sitzen. Ein wohl einmaliges Gastspiel. Denn, so Rettig, „wir werden alles tun, umAnfang nächster Woche einen neuen Cheftrainer zu präsentieren”.

Der steht offenbar bereit. Rettig: „Marcel Koller ist unser Wunschkandidat. Ihn versuchen wir, für unseren Verein zu begeistern. Es gibt Signale, die mich positiv stimmen. Ohne Unterschrift sind diese Signale allerdings nichts wert.”

Der 43-jährige Schweizer Koller war Anfang Oktober beim Landesmeister Grasshoppers Zürich nach fünf Niederlagen zurückgetreten und ist im Bundesliga-Geschäft ein unbeschriebenes Blatt.

Der 49-jährige Funkel, dessen Vertrag bis Saisonende 2004 gültig war, hatte es nie leicht in Köln. Als der Aufstieg frühzeitig feststand, verlor seine Mannschaft die restlichen vier Saisonspiele und zeigte dabei eine klägliche Leistung.

In der Bundesliga langte es bislang zu lediglich zwei Siegen (jeweils 1:0 gegen Dortmund und Freiburg) und einem 0:0 in Stuttgart. Zu wenig, um Hoffnung auf längerfristige Ziele auch angesichts des neuen Stadions zu realisieren.

Vermutlich zog im Hintergrund nun Präsident Albert Caspers die Reißleine und man einigte sich auf das bekannte „gegenseitige Einvernehmen”.

Eines sagte Andreas Rettig ganz deutlich: „Jetzt hat die Mannschaft das Alibi Funkel nicht mehr.” Dennoch versprach Moses Sichone: „Samstag wollen wir für ihn gewinnen.”