1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

München: Holger Fach wird zum „Internisten”

München : Holger Fach wird zum „Internisten”

Als Ottmar Hitzfeld am Samstagabend im Presseraum des Münchner Olympiastadions zum Mikrofon griff, wurde noch einmal eindrucksvoll deutlich, was an diesem eiskalten aber wunderschönen Frühlingstag auf dem Spiel gestanden hatte.

Hitzfeld, sonst eher schmalsilbig, smart, aber auf den Punkt genau, ließ es sprudeln. Seine Mannschaft sei belohnt worden, und zwar dafür, dass sie bis zum Schluss nicht nur verteidigt, sondern auch die Entscheidung gesucht habe. Natürlich sei der 5:2-Sieg verdient gewesen.

Ach ja, und der Roque Santa Cruz. Der habe überragend gespielt. Übrigens vielleicht auch deshalb, weil er - der Trainer - ihm am Freitag noch zum gemeinsamen Videoschauen eingeladen habe. „15 bis 20 Minuten” hätte er gedauert, der Zusammenschnitt seiner schönsten Tore.

Der Bayern-Trainer redete und redete. Und es schien, als fiele mit jedem Atemzug ein weiterer Brocken seiner Anspannung ab. Was aber nur wäre gewesen, wenn der von Bernd Korzynietz beim Stande von 2:3 in die Mitte geschlagene Ball statt auf der Latte zu tanzen hinter Oliver Kahn ins Tor gefallen wäre? Eines war allen bewusst: die Bayern hatten sich auf furchtbar dünnem Eis bewegt.

„Sie haben angefangen zu zweifeln, beinahe hätten wir sie gehabt”, ärgerte sich Gladbachs Jeff Strasser. Und tatsächlich: Nachdem die Bayern bei 3:0-Führung den „Schlendrian” eingewechselt hatten und Vaclav Sverkos zuerst zum 1:3 und dann zum 2:3 verkürzen konnte, wurde die bis dahin einseitige Partie noch einmal unverhofft spannend - mehr aber auch nicht.

„Das dritte Tor der Bayern war dann wohl doch eines zuviel”, meinte VfL-Trainer Holger Fach, der trotz des am Ende deutlichen Niederlage keinesfalls geknickt das Stadion verließ: „Das letzte Tor verfälscht das Ergebnis. Die Mannschaft hat Moral gezeigt. Wir haben es durchaus versucht.”

Unrecht hatte er nicht. Genauso gut hätte er allerdings noch deutlicher werden können, was die Partie bis zum dritten Tor der Bayern anging.

Keeper Claus Reitmaier zum Beispiel sah beim ersten Treffer ganz alt und auch beim zweiten Tor nicht glücklich aus. Und Marcelo Pletsch muss sich das Foul zum 3:0-Elfmetertor ankreiden.

„Glauben Sie nicht, dass ich jetzt schon wieder einen Spieler öffentlich verhaue, weil er einen Fehler gemacht hat. Das werde ich ganz bestimmt nicht tun. Wir regeln das intern”, brach Fach die Diskussion ungewohnt zugeknöpft ab - gar so als hätte er dergleichen zuvor noch nie getan.

Aber wie gesagt, das Reden überließ er an diesem Abend seinem Kollegen Ottmar Hitzfeld. Als dessen bemerkenswerter Redeschwall ausklang, und eine Nachfrage bezüglich seines mutmaßlich angespannten Verhältnisses zu Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kam, fiel allerdings auch Hitzfeld wieder in alte Verhaltensmuster zurück.

„Alles okay, Karl-Heinz Rummenigge war vor dem Spiel in der Kabine”, antwortete der Trainer - gewohnt smart und schmalsilbig - um auf erneute Nachfrage noch einmal zu bestätigen: „Ich kommentiere Aussagen von den Herren aus dem Vorstand nicht, das habe ich nie getan und werde ich nie tun.”