Mönchengladbach: Hoffnung auf Wachstumsstörungen

Mönchengladbach: Hoffnung auf Wachstumsstörungen

Am 4. Dezember 2009 kann eigentlich nichts schief gehen: Mit Michael Frontzeck reist ein Trainer bei den Münchner Bayern an, der weiß, wie man in der Süd-Metropole gewinnt.

Als Spieler war er geschichtsträchtiger Teil einer Mönchengladbacher Einmaligkeit - am 14. Oktober 1995 gewann seine Borussia zum einzigen Mal bei dem Branchenführer, mit dem man etliche Jahre auf Augenhöhe spielte. 15 Jahre Unterschied, jetzt Trainer statt Spieler, keiner der ehemaligen Kollegen fristet als Rentner-Profi noch sein Sport-Dasein bei den Mönchengladbachern: ein Datum also nur, Geschichte, Vergangenheit, kein Reservoir, aus dem nur irgendetwas zu schöpfen ist. Da wird Frontzeck erleichtert sein, dass der „Erfolgstrainer” von damals ihm das Erfolgsrezept - zufälligerweise per „Bild” - verrät: „Hinfahren, draufgehen, sich nicht verstecken! Es geht nur mit Mut.”

Danke, Bernd Krauss! Jetzt kann ja nichts mehr schiefgehen. Da mag sich Frontzeck noch so sehr verbal bemühen: „Bayern ist immer der Favorit.” „Bayern hat den besten Kader der Bundesliga.” „Eine Qualität, die ihresgleichen sucht.” „Da wächst was zusammen.” Die Frage ist also, kann die Borussia die Wachstumsstörungen noch nutzen, oder spült der Terminkalender die Niederrheiner bereits zu spät an die Isar? Noch dankbarer als über den Bild-Tipp ist Gladbachs Trainer über den Ratschlag der zickigen Schwester des Massenblattes: Die Abseitsfalle werden sie in den Tagen vor dem Spiel noch mal genauestens einstudieren, weiß die „Sportbild”. „Das war mir neu”, verkündete Frontzeck am Mittwoch.

Da aber hatte er immerhin noch einen Tag Zeit, die offensichtlich bis dato sträflich vernachlässigte Anti-Bayernwaffe seinen Jungs im Crashkurs einzubläuen - für Donnerstag war eh ein Geheim-Training angesetzt.

Kniefälle nur beim Torjubel

Die Bayern auf dem Wege der Selbstfindung, Mario Gomez steht dafür exemplarisch: Der Ex-Stuttgarter hat sich einen Stammplatz erkämpft. „Mit Selbstvertrauen kann man ganz anders Fußball spielen”, gestand Gomez. Davon könnte auch Kollege Thomas Müller profitieren. Der holte sich bereits vor der Saison-Halbzeit den ersten Titel: Am Montag heiratete der 20 Jahre alte Offensivspieler seine gleichaltrige Verlobte Lisa. Ohne den Blick fürs Wesentliche zu verlieren. Wie er seiner Verlobten denn den Heiratsantrag gemacht habe, wurde Müller gefragt. „Auf die Knie geht man nur beim Torjubel”, lautete die Antwort des standhaften Jünglings.

Am häufigsten in die Knie gegangen bei den Borussen sind Marco Reus und Roel Brouwers, der Mittelfeldspieler und der Innenverteidiger führen die Torjägerliste an (3). Beide werden in München spielen. Weniger klar ist, wer im Sturm spielt. Rob Friend oder der wieder genesene Raul Bobadilla. Der Argentinier würde besser in den Kombinationsfluss passen und mit seiner Schnelligkeit die Münchner Innenverteidigung in Probleme bringen können. Friend steht für Ballbehauptung, -abschirmung und körperliche Präsenz, speziell auch bei defensiven Standard-Situationen. Vor allem aber auch für den Erfolg in den letzten zwei Spielen. Dieses eher irrationale Element aber will Frontzeck nicht überstrapazieren. „Rob spielt auch mit ein, zwei Ballkontakten”, modifiziert er seine einstige Aussage, mit Friend würde es einen anderen Fußball geben.

Mit Bobadilla gab es häufig wunderschöne Ballstaffetten zu bewundern, die mitunter in dem Gefühl gipfelten, die Borussen kombinieren sich zu Tode. Rob Friend steht fürs Pragmatische, für die Konzentration auf Zählbares - Tore und Punkte. Keine schlechte Voraussetzung, um nur die Bayern in die Knie zu zwingen. Jubeln können die Gladbacher ja dann aufrecht.

Voraussichtliche Aufstellung: Bailly - Levels, Brouwers, Dante, Jaurés - Marx, Bradley - Reus, Arango - Matmour, Friend