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Mönchengladbach: Hochstätter kontra Öffentlichkeit: „Nichts abgekartet”

Mönchengladbach : Hochstätter kontra Öffentlichkeit: „Nichts abgekartet”

Der erste Arbeitstag verlief unspektakulär. Ein lockeres Spielchen, viele Gespräche. Und immer wieder nahm sich Holger Fach (41) einen Kicker zur Seite, sprach mit ihm, hörte zu.

Von der ersten Entscheidung des neuen Cheftrainers beim Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach bekamen die rund 100 Kiebitze indes nichts mehr mit.

Michael Frontzeck und Manfred Stefes, letzterer ist seit drei Wochen auch Fachs Nachfolger bei Borussia Mönchengladbachs Amateuren, tragen nicht mehr länger den Titel eines Co-Trainers.

Frontzeck (Vertrag bis Saisonende) wird wie Ewald Lienen von seinen Aufgaben freigestellt, Stefes arbeitet „nur” noch mit dem Oberliga-Team.

Der neue Mann an Fachs Seite heißt Stefan Mücke. Der 48-Jährige war zuletzt Assistent von Winfried Schäfer bei der Nationalmannschaft Kameruns und zuvor in dieser Funktion bei 1860 München, TeBe Berlin und AEK Athen tätig.

Die ersten Vorschusslorbeeren für den neuen Chef verteilten die, die ihn bestens kennen - Borussias Amateurspieler. Die Begeisterung für Fach und seine Arbeit ist groß, speziell die Art seines Umgangs wird gelobt. Und - als besondere Auszeichnung - auch von denen, die nur selten zum Einsatz kommen und gemeinhin zur Spezies der ständig über den Trainer nörgelnden Ersatzspieler gehören.

Doch wen interessieren die Fähigkeiten des Fußball-Lehrers, der schon im März bei der Suche nach Hans Meyers Nachfolger ein „heißer” Kandidat war?

Thema Nr. 1 ist die ungewöhnliche Ausstiegsklausel in Fachs Vertrag beim Regionalligisten Rot-Weiß Essen, wonach er einem Lockruf aus Gladbach, und nur aus Gladbach folgen könne.

„Natürlich kann man es so sehen, dass es ein abgekartetes Spiel war”, sagt Borussias Sport-Direktor Christian Hochstätter, Initiator dieses kleinen Passus im Vertrag. Na klar, das war abgekartet!

So denkt ein Großteil der Öffentlichkeit. Und Hochstätter wird es schwer haben, seine Sicht der Dinge zu erklären, „es war nichts abgekartet”.

Des Sport-Direktors Argumente: „Trainerwechsel sind selten lange geplant, und ich wollte auf jeden Fall einen Coach in der Hinterhand haben, auf den ich jederzeit zurückgreifen kann. - Es hat doch keiner gedacht, dass dies so schnell geschieht. Ich wollte auch in einem oder in anderthalb Jahren die Möglichkeit haben, Fach an den Bökelberg zurückzuholen. Ich bin einfach von ihm überzeugt. - Hätten wir vor drei Wochen vorgehabt, Fach so schnell als Nachfolger von Ewald Lienen zu installieren, dann hätte ich ihn doch gar nicht erst gehen lassen! - Als wir die Klausel gemacht haben, hatten wir unter Ewald Lienen vier Punkte aus zwei Spielen und waren ohne Niederlage. Da habe ich doch nicht an einen schnellen Wechsel gedacht!”

Überzeugende Argumente - die viele nur schwer überzeugen werden. Ein Meinungsbild steht fest: Es war alles abgekartet!

Der „freigestellte” Ewald Lienen („Ich habe mir nichts vorzuwerfen”) schürt diese Annahme, indem er im „kicker”-Interview vage andeutet: „Ich habe schon seit geraumer Zeit gespürt, dass latent etwas gegen mich läuft.” Nähere Aufklärung verspricht der Enttäuschte, wenn er mit dem Klub „auseinander” sei.

Die Hoffnung besteht - dass Peer Kluge (22) Samstag trotz Verletzung gegen Bochum spielen kann. In Hannover hat sich Borussias Stratege einen Teilabriss des Außenbandes im rechten Sprunggelenk zu gezogen. Das gleiche Gelenk, an dem er bereits vor einigen Wochen einen Bänderriss erlitten hatte.