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Mönchengladbach: Hochstätter: „Das Thema Böhme ist erledigt”

Mönchengladbach : Hochstätter: „Das Thema Böhme ist erledigt”

Wenn die Fußball-Profis sich in den Urlaub verabschieden, strebt die Arbeit der Bundesliga-Manager ihrem Höhepunkt zu. Die personellen Weichen für die neue Saison müssen gestellt werden.

Aufrüstung der fußballerischen Art in Zeiten, in denen längst nicht mehr Milch und Honig fließen - keine leichte Aufgabe gerade für Klubs wie Borussia Mönchengladbach, die immer noch zu den wirtschaftlichen Underdogs der Liga gehören. Darüber sprach unser Redakteur Bernd Schneiders mit Sportdirektor Christian Hochstätter.

Was unterscheidet die aktuelle Transfer-Situation von der im letzten Jahr?

Hochstätter: Die Situation ist die gleiche. Diesmal sind wir einen Spieltag eher gerettet gewesen. Und drei Tage später haben wir zwei Neue vermeldet. Das zeigt, dass wir schon vorbereitet waren. Aber aus dem Teufelskreis kommen wir nur heraus, wenn auch schon mal Weihnachten alles klar ist. Und nicht durch Geld.

Sie haben gesagt, dass auch das neue Stadion nicht unbedingt die Spieler anzieht.

Hochstätter: Schauen Sie sich an, wer alles schon ein neues Stadion hat. Die sind uns zwei, drei Jahre voraus. Das A und O ist, dass wir uns sportlich etablieren, eine feste Größe werden. Dann sind die Dinge auch eher zu bewältigen.

Was macht Sie optimistisch, dass dies in der neuen Saison gelingt?

Hochstätter: Wenn ich nicht optimistisch wäre, müsste ich darüber nachdenken, hier aufzuhören. In der Spielzeit waren drei, vier Spiele entscheidend, wohin es geht. Vielleicht spielen wir dieses Jahr schon eine andere Rolle. So schlecht war die Mannschaft nicht, wie sie oft dargestellt wurde. Aber auch nicht so gut, wie Platz 11 es belegen könnte. Ich hoffe, dass die jungen Spieler die ein Jahr älter geworden sind, einen Schritt nach vorn machen. Und wir ein glückliches Händchen bei den Neuen haben. Wir haben wichtige Spieler verloren. Aber es wird weiter auf die Mannschaft ankommen, aufs Kollektiv.

Zwei so genannte Charakter-Spieler sind weg. Sind die weniger sportlich, aber vom Typ her zu ersetzen?

Hochstätter: Das wird sich zeigen. Arie van Lent hatte die Möglichkeit, hier zu bleiben. Jörg Stiel wollte nicht mehr. Der Klub hätte ihn zum Bleiben zwingen können. Aber wenn jemand nicht 100 Prozent dahinter steht, macht es keinen Sinn jemanden zu beschäftigen.

Was waren die Weichen-Spiele?

Hochstätter: Der Knackpunkt war in Hamburg. Wenn Sverkos das 2:0 macht, gewinnen wir und die gesamte Spielzeit nimmt einen anderen Verlauf.

War nicht auch die Niederlage nach der Winterpause beim 1. FC Köln richtungsweisend? War das Trainingslager womöglich zu harmonisch, zu spannungslos, um den schlechten Start in die Rückrunde zu verhindern?

Hochstätter: Die Trainingslager unter Ewald Lienen und Hans Meyer liefen ebenfalls harmonisch. Anders war nur, dass die Journalisten im selben Hotel also sehr dicht dabei waren. Aber daran wird es ja wohl kaum gelegen haben.

Sie haben gegen Widerstände ihren Freund Holger Fach als Trainer installiert.

Hochstätter: Ich habe mich für den Trainer, nicht für den Freund entschieden. Mit Fug und Recht kann man behaupten: Ich habe es getan. Durch unseren Präsidenten Rolf Königs ist klar gesagt worden, was diese Entscheidung für mich bedeuten könnte. Aber ich fühle mich nicht bestätigt. Ich habe auch keine Lust mehr, nach hinten zu schauen.

Aber waren das nicht zwei Duftmarken, die Sie als Manager gesetzt haben: die Entlassung von Ewald Lienen und die Einstellung von Holger Fach - beides keine populistischen Entscheidungen?

Hochstätter: Die Frage hört sich so an, als habe ich vorher immer populistisch entschieden. Aber in dem Moment etwa, als wir uns von Hans Meyer getrennt haben, habe ich Markus Münch und Marcel Witeczek entlassen. Obwohl viele meinten, dass wir diese erfahrenen Spieler im Kampf gegen den Abstieg unbedingt bräuchten. Wir sind trotzdem drin geblieben. Ich habe genügend Entscheidungen getroffen.

Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht um den Klub. Und ich glaube, dass mitunter einige sich mit positiven Dingen schmücken, für die sie wenig können. Bei Transfers trage nicht ich das Risiko oder der Trainer, sondern immer der Verein. Wenn alle erkennen, dass es nicht um persönliche Erfolge, sondern um die des Vereins geht, dann klappt es.

Herrscht zwischen Sportdirektor und Trainer, also zwischen Freunden nicht viel zu schnell eine unfruchtbare Übereinstimmung?

Hochstätter: Nein. Wenn man sich gut kennt, ist man eher bereit, die Dinge deutlich anzusprechen. Ich weiß nicht, warum das ein Problem ist: Wenn Uli Hoeneß im Blickpunkt Sport sagt, er sei mit Ottmar Hitzfeld befreundet, sagt keiner was. Letztlich zählt doch nur: Erfolg oder nicht Erfolg.

Wie risikoreich ist denn der angekündigte große Schnitt?

Hochstätter: So groß ist der doch gar nicht. Allenfalls quantitativ. Ich verliere ansonsten doch nur zwei Torhüter, meinen Sturmführer und Sladan Asanin, der jahrelang gespielt hat.

Aber was schwebt Ihnen vor, nach welchen Kriterien basteln Sie an der neuen Mannschaft?

Hochstätter: Wir sollten Fußballerisch klar besser werden, die Ballverluste verringern und öfter im eigenen Ballbesitz sein. Zudem verschiedene Systeme spielen können, stabiler werden und auch körperlich zulegen. Werder Bremen ist nicht von ungefähr mit einem Längen-Durchschnitt von über 1,83m Deutscher Meister geworden.

Ist es denn ein Widerspruch, bei alten auslaufenden Verträge nur schlechter dotierte anzubieten, wenn gleichzeitig für Zugänge hoch dotierte Kontrakte angeboten werden müssen?

Hochstätter: Wenn der Verein nach vorne will, muss er was investieren. Aber auch das Gehalt eines Oliver Neuville hält sich im Rahmen. Das hat ja auch nichts mit alten oder neuen Verträgen zu tun. Nur mit gut oder schlecht. Arie hätte ein Jahr verlängern können mit gleichen Bezügen. Aber keine drei Jahre, wie ihm Frankfurt für weniger angeboten hat.

Warum ist dann ein Neuville gekommen?

Hochstätter: Sicherlich war der Standort für ihn wichtig. Er wollte hier wohnen bleiben. Aber vielleicht haben ihn Trainer und Sportdirektor auch überzeugt, dass die Borussia ein interessanter Verein für ihn ist. Und vielleicht waren wir einfach auch schneller als die Konkurrenz.

Jörg Böhme soll angeblich bereits unterschrieben haben.

Hochstätter: Wir haben vor Wochen bei Schalke-Manager Andreas Müller angefragt, ob Böhme zu haben sei. Die Antwort war: eher nicht. Wir haben mit Jupp Heynckes gesprochen. Die Antwort: eher nicht. Und natürlich habe ich mit ihm selbst geredet, um zu hören, ob er überhaupt bereit wäre. Die Antwort: interessant, aber ich habe noch zwei Jahre Vertrag. Damit war das Thema erledigt.

Mit Romagnoli soll auch alles klar sein.

Hochstätter: Quatsch, weder mit dem Spieler noch mit dem Verein. Den Transfer sehe ich eher als unwahrscheinlich.

Entpuppt sich die Suche nach einem van-Lent-Nachfolger als schwieriger als gedacht?

Hochstätter: Wenn alles gut geht, habe ich ihn. Aber wenn wir früher hätten planen können, wäre es natürlich einfacher gewesen.