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Revel: Hinter der Ziellinie wartet ein neues Leben

Revel : Hinter der Ziellinie wartet ein neues Leben

Sheryl Crow ist immer in der Nähe. Nachdem Lance Armstrong das Gelbe Trikot in Empfang genommen hat, treffen sich der Popstar und die Radikone hinter dem Podium, küssen sich und tauschen kurz Neuigkeiten aus. Ein Ritual.

Crow gehört zum festen Inventar der Armstrong-Entourage, sie ist praktisch ein zweiter Mittelpunkt, daran ist sie gewöhnt. Als Background-Sängerin tourte sie mit Stevie Wonder, Michael Jackson, Joe Cocker oder dem Eagles-Frontman Don Henley, ehe ihre Karriere Mitte der 90er Jahre mit dem ersten Album Night Music Club, eines von vieren, Fahrt bekam. Heute hat Crow 25 Millionen CD´s verkauft und tourt mit Armstrong. Und dennoch verkündet sie: „Es ist die Zeit gekommen, ruhiger zu werden. Ich denke über Kinder nach.” Sagt sie mit 43 Jahren, und redet auch über Armstrong.

Niemand muss sich Sorgen machen um den Privatmann Lance Armstrong. Die Zeitrechnung des Sportlers endet am kommenden Sonntag auf den Champs Elysees in Paris. Ganz im Klaren ist er sich nicht über das, was kommt. Zu sehr sei er fokussiert auf die aktuelle Aufgabe. Wehmut klingt nicht durch, noch nicht.

Für den Tag eins nach dem Karriereende liegen keine konkreten Pläne in der Schublade, ungewöhnlich für einen Mann, den die Sucht nach sportlicher Perfektion an den Rande des Wahnsinns treiben konnte. Finanziell sollte alles geregelt sein, allein für 2005 wird der Texaner aus Austin mit 25 Millionen Dollar Einnahmen veranschlagt. Die Alimente für seine geschiedene Ex-Frau Kristin und die drei Kinder lassen sich so leicht aufbringen.

James Raia, US-Reporter und Wegbegleiter von Armstrong, sieht den amerikanischen Weg vom Sportplatz in ein politisches Amt nicht vorgezeichnet: „Lance ist, wie die meisten Menschen in Texas, ein Republikaner und hat einen guten Draht zu Präsident George Bush. Aber er ist eher liberal gesinnt, und damit nicht tauglich für ein Amt im erzkonservativen Texas.”

Der Tour-Champion wird auf jeden Fall seine Aktivitäten in der Lance Armstrong Foundation (LAF) im Kampf gegen den Krebs intensivieren. Armstrong selbst ist für viele Schwerkranke und Krebspatienten zu einer Art Lichtgestalt geworden. Ihn besuchen Menschen, die einfach nur berührt werden wollen in der Hoffnung, dadurch geheilt zu werden. Armstrong ist das immer noch suspekt, er spielt diese Rolle als „Heiliger Lance” aber mit. Fühlt er sich unbeobachtet, zeigt Armstrong gerade bei schwerkranken Kindern Emotionen, die man dem „Tough Guy” nicht zutraut.

Der Weg wird den eloquenten Armstrong auch an die Mikrofone der TV-Sender führen. Und er wird dem Rennstall Discovery Channel treu bleiben, schließlich gehören ihm Anteile. Zwar will er nicht ins aktuelle Tagesgeschäft eingreifen, die Fahrer dürfen sich aber schon auf den Sachverstand der gelben Eminenz freuen. Nahezu ausgeschlossen scheint ein Comeback, zumal der 33-Jährige seinen überzüchteten Radsportkörper langsam wieder auf ein Normalmaß zurücktrainieren wird.