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Aachen: Hecking: „Wir wollen nach vorne spielen”

Aachen : Hecking: „Wir wollen nach vorne spielen”

Es klingt ein bisschen nach der Geschichte von Hase und Igel. Überall, wo Jörg Schmadtke auftauchte, war Dieter Hecking schon da. Und umgekehrt.

„Wir liegen bei unseren Vorstellungen über die Spielertypen auf einer Linie”, erkannte Aachens Manager. So beschlossen die beiden Männer, die Kräfte zu bündeln. Am Freitag wurde Aachens neuer Trainer offiziell vorgestellt.

Der Boulevard hat Sie freundlich als Abstiegstrainer eingeführt.

Hecking: Schön. Das schmerzt nicht. Es ist doch klar, dass es aufgegriffen wird aus dieser Ecke. Ich kann damit leben. In Lübeck haben wir drei Jahre und einen Monat lang alles richtig gemacht, standen dicht vor der erfolgreichsten Saison. Nur die letzten acht Wochen liefen aus Gründen, die ich hier nicht ausbreite, nicht gut. Ich habe in der Branche einen guten Namen. Als ich in Lübeck abgesagt habe, hatte ich drei Angebote innerhalb von 24 Stunden.

Verl, Lübeck, Aachen. Bei Ihren Trainerstationen haben Sie sich ständig verbessert. Wo führt der Weg hin?

Hecking: Ich möchte in der 1. Liga arbeiten. In Lübeck habe ich abgesagt, weil ich es mit meinem Ehrgeiz nicht verbinden konnte, dass man dort langfristig und nicht den sofortigen Wiederaufstieg plant. Bei aller Wertschätzung für Burghausen und Unterhaching, bei denen ich gute Gespräche hatte: Wenn man ein Angebot von Aachen erhält, nimmt man es sofort an.

Dieter Hecking ist gerade dabei, sich einen Namen zu machen, da darf er nicht nein sagen. Hier ist eine ganze Region wachgeküsst worden. Hier gibt es Fußball pur. Und an die letzten Erfolge wollen wir anknüpfen.

Auf vielen Fotos wirken Sie häufig angespannt. Macht Fußball nur selten Spaß?

Hecking: Ich bin nicht als Pausenclown, sondern als seriöser Arbeiter unterwegs. Wenn man in der Verantwortung steht, muss man sich konzentrieren. In meinem Kopf sind während des Spiels sehr viele Gedanken, das wirkt dann sicherlich angespannt. Aber je mehr Erfolge sich einstellen, desto lockerer wird sicherlich die Atmosphäre.

Ihre Familie wohnt in Bad Nenndorf, werden Sie in Aachen Hotel-Stammgast?

Hecking: Nein, ich werde mir eine Wohnung suchen und die Familie kommt mich so oft wie möglich besuchen. Ich will in der Stadt leben, in der ich arbeite.

Sie haben gesagt, Sie hätten die gleiche Fußball-Philosophie wie Ihr Manager: Wie sieht sie konkret aus?

Hecking: Wir wollen nach vorne spielen, wir wollen pressen. Bei Heimspielen könnte es ein 4-3-3-System, bei Auswärtsspielen das 4-4-2-System geben.

Der Aufstieg ist letztlich an Aachens Auswärtsschwäche gescheitert. Wo wollen Sie den Hebel ansetzen?

Hecking: Wir müssen viel stärker unser Spiel durchsetzen. Nicht reagieren, sondern agieren. Wir müssen bestimmen, was auf dem Platz passiert. Diese Stärke will ich erreichen.

Sie haben eine erste kleine Spieler-Inventur gemacht. Wo liegen die Baustellen?

Hecking: Es ist ja kein Geheimnis, dass es in der Innenverteidigung Probleme gibt. Im Mittelfeld und Sturm werden wir ebenfalls noch etwas unternehmen.

Wie entscheiden Sie die offenen Personalfragen Lanzaat und Pflipsen?

Hecking: Quido Lanzaat kehrt erst nächste Woche aus Mallorca zurück, dann werden wir reden. Mit Kalle Pflipsen habe ich gestern erstmals gesprochen. Eine Entscheidung fällt aber auch erst in der nächsten Woche. Mit Bachirou Salou gab es ebenfalls Kontakt, da stehen die Zeichen auf Trennung.

Mit Rainer Plaßhenrich und Jens Scharping sind zwei weitere Lübecker im Gespräch. Wird das hier eine kleine Nord-Oase?

Hecking: Natürlich würde das bei dem ein oder anderen nicht auf viel Gegenliebe stoßen. Sie würden nicht kommen, weil sie Lübecker sind, sondern weil wir von ihren Qualitäten absolut überzeugt sind. Ich hasse nichts mehr als Geklüngel, das wird es nicht geben. Aber die beiden würden jeder Mannschaft weiterhelfen. Leider haben wir richtig namhafte Konkurrenz, und wir werden hier unverändert keine Traumgehälter zahlen. Es liegt an ihnen, wir wollen sie haben.

Wären Sie nach Aachen gekommen, wenn Jörg Schmadtke hier weggegangen wäre?

Hecking: Das war meine erste Frage, als er sich Montagabend meldete: Hast Du bei 1860 München zugesagt? Ich wäre nicht nach Aachen gekommen. Nicht, weil wir befreundet sind, sondern weil wir gegenseitig von unseren Qualitäten überzeugt sind.

Haben Sie eine Aufstiegs-Prämie ausgehandelt?

Hecking: Natürlich.