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Köln: Hat der Kölner Lernprozess Dauerwirkung?

Köln : Hat der Kölner Lernprozess Dauerwirkung?

Es war eine Explosion der Gefühle. In jener 84. Minute im letzten Spiel des Jahres im bezahlten deutschen Fußball hatte Kölns Innenverteidiger Youssef Mohamad für den 1. FC Köln den Siegtreffer zum 2:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern geschossen.

46.000 Zuschauer feierten im frostigen Stadion mit ihren Lieblingen eine ausgelassene Open-Air-Party.

Es war zwar nur das 17. Zweitligaspiel der Mannschaft von Christoph Daum in dieser Saison, aber für Spieler und Fans war der Sprung auf den dritten Platz eine Art Befreiung. Nach der Hälfte des Weges zurück in die Bundesliga hat sich die Gruppe offensichtlich gefunden. „In der Herbstwochen ist ein Zusammenhalt innerhalb des Teams entstanden”, begründete Trainer Daum, warum es doch noch in die richtige Richtung ging. „Noch bis zum Hoffenheim-Spiel waren wir nur eine Ansammlung von Individualisten.” Seitdem gewann der FC vier der letzten fünf Spiele. „Es wächst etwas zusammen”, lautet die Daum-Doktrin.

Erst Siegestänze auf dem Rasen, dann krachende Bässe und dröhnende Techno-Rhythmen aus der Kabine - es war die etwas andere Weihnachtsfeier der Kölner Profis in der Nacht vor dem zweiwöchigen Urlaub. Doch es schwang nicht einmal ein Hauch von Selbeweihräucherung mit. Es war die pure Erleichterung. „Wir sind selbst etwas überrascht, dass wir nach so einer Serie auf dem dritten Platz stehen”, formulierte es Thomas Broich.

Diesen Standpunkt stärkte auch Michael Meier. Der Manager trat der in Köln ständig drohenden Gefahr der Selbstüberschätzung massiv entgegen. „Die Leute und die Mannschaft sind einfach erleichtert.” Erleichtert, nach nun zweieinhalb Jahren fortwährender Demütigungen und der Angst, dass auch diese Saison zum Desaster werden könnte. „Das war eine Befreiung.”

Zudem hat sich in der sportlichen Chefetage der „Geißböcke” auch die Meinung durchgesetzt, nicht alles mit Geld reglen zu können. „Wenn nicht Unvorhergesehenes geschieht”, sagte Meier, „wollen wir in diesem Winter keine Spieler mehr holen. Die Mannschaft hat einen Findungsprozess hinter sich, den man mit weiteren Einkäufen torpedieren würde. Wir haben aus Fehlern der Vergangenheit gelernt.” Auch wenn man sich zu Saisonbeginn diesen Findungsprozess - wie der Manager einräumte - „etwas flüssiger vorgestellt hatte”.

Die Stärke der Gruppe als Kompensation individueller Schwächen. Wurden seit Jahren sommers wie winters Millionen in neues Personal investiert, ist dieser Ansatz neu. Doch zumindest zwei Namen wird man in der Kaderliste beim Trainingsauftakt am 5. Januar vergeblich suchen: Baykal verlässt den FC in Richtung Schweiz (der Name seines neuen Arbeitsgebers ist noch nicht bekannt), und Alpay will bis zu diesem Zeitpunkt bei einem anderen Klub anheuern. Er ist derzeit intensiv auf der Suche.