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Hans Meyers AZ-Kolumne: Kollektives Mittelmaß

Hans Meyers AZ-Kolumne: Kollektives Mittelmaß

Jeder Saison besitzt ihren speziellen Charakter. In diesem Jahr gab es an der Spitze mit den Bayern nur einen „uitblinker”, einen Ausreißer. Aller anderen erfuhren einen Absturz in Sachen Konstanz, wie etwa Dortmund, Schalke, Hertha.

Eine positive Ausnahme bildete allein Stuttgart. Nicht zufälliger Weise ergab sich dadurch ein Riesen-Abstand zu den Bayern, der gleichzeitig dafür gesorgt hat, dass der Abstiegskampf so lange spannend war.

Denn Mannschaften wie Cottbus am Samstag in Dortmund oder auch Mönchengladbach zu Hause gegen den BVB holten Punkte. Das war in der Spielzeit davor nicht der Fall. Die Spitze war damals so breit, weil sich die Großen kaum Ausrutscher gegen die Kleinen erlaubt haben.

Jetzt aber ist eine Polarisierung entstanden, und das kollektive Mittelmaß der nominellen Konkurrenten hat dafür gesorgt, dass Mönchengladbach sich nicht eher zurücklehnen konnte.

Von der erwähnten Polarisierung allerdings abzuleiten, der deutsche Fußball sei nicht mehr salonfähig und gehöre nicht mehr zur europäischen Spitze, halte ich für gewagt. Dazu müsste man noch ein, zwei Spielzeiten abwarten.

Wenn man die vergangenen Jahre betrachtet, sind alle Skeptiker sogar in die Schranken gewiesen worden. Etwa durch die Vize-Weltmeisterschaft, den sehenswerten Fußball von Leverkusen, die Erfolge von Bayern - wenn man da vielleicht zu positiv geurteilt hat, sollte man sich nun hüten, zu negativ zu bewerten.

Verallgemeinerungen sollte man vermeiden. Im Sub-Top-Bereich hat es fußballerisch keine großen Unterschiede gegeben. Wenn etwa Gladbach in einer Phase schlechten Fußball gespielt hat, hatte das seine Ursachen in der Verletzungsmisere.

Andererseits gibt es durch die Art und Weise, wie die Liga organisiert ist, kaum noch bedeutungslose Spiele, immer geht es um was. Das Spielerische hat sich nicht verändert, gefehlt hat aber bei vielen Klubs die mannschaftliche Geschlossenheit, das Gemeinsame.

Aber dass bei Dortmunds junger Mannschaft nach dem Erfolg in der letzten Saison die Spannung etwas in den Hintergrund tritt, kann man gar nicht kritisieren.

Die positive Überraschung war für mich Mikael Forssell: Nach achtmonatiger Verletzung sieben Tore zu schießen - sensationell, was wir für ein Glück hatten.

Auch Bobic zähle ich zu den positiven Erscheinungen. Aber ebenso Joris van Hout: Bis zu seinem Kreuzbandriss sechs Tore, zudem zwei nicht anerkannt: acht Treffer in 16 Spielen wären eine sensationelle Quote.

Begeistert bin ich auch darüber, wie der junge Kuranyi dazu beigetragen hat, dass Stuttgarts Mischung aus alt und jung funktioniert hat.