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Leverkusen: Größtes Pfeifkonzert seit der Vogts-Ära

Leverkusen : Größtes Pfeifkonzert seit der Vogts-Ära

Hannovers Busfahrer Mirko Liesebach musste den Straßenatlas rausholen. Gesucht wurde die nächste Tankstelle. „Wir müssen unsere Vorräte auffüllen”, lachte 96er-Kapitän Carsten Linke.

Gänzlich unvorbereitet hatte die noch sieglosen Hannoveraner die 3:1-Galavorstellung in Leverkusen getroffen, und Busfahrer Liesebach kramte vergeblich nach Ohropax.

„Wir sind nicht todbetrübt hier hin gefahren, aber zurück wird es sehr laut”, versprach Keeper Jörg Sievers. Das letzte Mal so gelacht, gab er zu, habe er in den eigenen vier Wänden. Auf dem Sportplatz gab es ja bisher nicht viel zu lachen.

Und selbst Ralf Rangnick, der bedächtige Denker, der klare Analytiker, genoss das Gefühl, als Sieger das Feld zu verlassen. Was für ein Gefühl!

Als Fredi Bobic in der 80. Spielminute einen Stendel-Schuss in die Leverkusener Maschen ablenkte und seinen zweiten Treffer an diesem Tag erzielte, löste sich auch der besonnene Rangnick aus seinen Trainerstuhl.

Beim 3:1-Schlusspunkt durch Mohammadou Idrissou sprang Sportdirektor Ricardo Moar aus seiner Plastikschale auf der Haupttribüne und schwenkte sein Sakko, wie ein triumphierender Torero sein Tuch.

„Dieser Sieg war lebenswichtig, jetzt kann ich bis Montag ruhig schlafen”, sagte Moar. Danach müsse nachgelegt werden, schließlich, so Linke, „haben wir keinen Grund abzuheben, das waren auch nur drei Punkte.”

Und Bayer? Nach dem 1:0 durch Yildiray Bastürk quittierte ein Großteil des Personals den Dienst, nicht nur Keeper Hans-Jörg Butt wäre an diesem Tag - grober Patzer beim Ausgleich, unsicherer Gesamteindruck - besser im Bett geblieben.

Unterm Strich steht der schlechteste Saisonstart seit 15 Jahren. Der Sturz ins Mittelmaß droht. Das 3:1 des nimmermüden Aufsteigers schmeichelte gar noch der Darbietung des immermüden Vize-Meisters.

Idrissou versemmelte mehrfach. Ein von Magenschmerzen geplagter Fredi Bobic traf noch die Latte.

Bauchschmerzen für Bayer. „Das war ein Riesenrückschlag. Wir haben den Gegner eingeladen uns zu schlagen, darüber müssen wir hart reden”, gab ein frustrierter Übungsleiter Klaus Toppmöller zu Protokoll.

„Der mit dem Ball war der ärmste Hund auf dem Platz. Es fehlte der Chef im Ring, jeder hatte seine Probleme mit dem Ball”, formulierte der „Trainer des Jahres” ein verheerendes Zeugnis.

Eine Stunde prasselte anschließend die rheinische Wortlawine des erbosten Geschäftsführers Reiner Calmund auf die Akteure ein. „Das war indiskutabler Chaotenfußball”, schimpfte Calmund.

Die „Auswärtssieg”-Rufe der Hannoveraner Fanschar und das brutalste Pfeifkonzert seit der Ära „McBerti” Vogts war dem Parade-Leverkusener durch Mark und Bein gefahren.