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Mönchengladbach: Gladbachs Vize-Präsident Königs: „Hochstätter ist gestärkt”

Mönchengladbach : Gladbachs Vize-Präsident Königs: „Hochstätter ist gestärkt”

Moralisten haben derzeit Hoch-Konjunktur. Das Objekt der Angriffe: Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach und die Vorgehensweise beim Rauswurf von Ewald Lienen. Besonders im Fadenkreuz der Kritik dabei Christian Hochstätter.

Zu Unrecht, wie Borussias Vize-Präsidenten Rolf Königs betont. AZ-Redakteur Bernd Schneiders sprach mit Gladbachs starkem Mann über die Geschehnisse der letzten Tage.

Wie empfinden Sie das Nachkarten von Ewald Lienen?

Königs: Ich finde das nicht richtig. Das ist überflüssig und nicht der richtige Stil. Wir reden über Fußball, Fußball-Business, nicht über Politik.

Ihr Sportdirektor steht massiv in der Kritik.

Königs: Völlig unberechtigt. Die Position des Sportdirektors ist in jedem Klub mittel- und langfristig angelegt. Im Team mit dem Trainer.

Im Grunde aber ist er der Vorgesetzte des Trainers. Er muss dafür sorgen, dass im Team die Ziele erreicht werden. Bei zu starker Abweichung muss das Präsidium die Stellungnahmen von Beiden sowie einen entsprechenden Maßnahmen-Katalog einholen.

Die Einschätzung Hochstätters war, dass mit dem jetzigen Trainer die Ziele nicht zu erreichen seien. Dazu gehörte ein Verbesserungsvorschlag. Die Entscheidung war nicht nur die von Hochstätter, sondern auch der Vereinsführung.

Die Position des Sportdirektors ist also nicht geschwächt worden?

Königs: Im Gegenteil, verstärkt.

Hochstätter hätte ja auch abwarten können, bis das große Kesseltreiben gegen Lienen losgegangen und das Präsidium aktiv geworden wäre. Er wäre dann mit sauberen Händen dagestanden. Er hat aber so gehandelt, wie sie es stets fordern - machen!

Königs: Genau. Das ist die Aufgabe des Sportdirektors. Ich wollte mit der Betonung - das war eine Empfehlung Hochstätters - klar stellen, er hat sich weiterentwickelt. Er besitzt nicht nur den Titel, er hat auch die Kompetenz zu handeln, zum Wohle der Borussia.

Kritisiert wird der Passus in Fachs RWE-Kontrakt. Alles sei ein abgekartetes Spiel gewesen.

Königs: Das ist ein falscher Zusammenhang. Wir wollten Fach keine Steine in den Weg legen. Aber ihn zurückhaben, wenn wir ihn brauchen. Das ist nichts Unmoralisches, das ist Business.

Wie sehr hat denn der Stadionbau Ihre Geduld mit Lienen vermindert?

Königs: Das Stadion ist ein Bezugspunkt. Grundsätzlich darüber aber rangiert Borussia Mönchengladbach. Wir können die Fans nicht mehr überstrapazieren, am letzten Spieltag erst den Klassenerhalt schaffen.

Es muss eine Weiterentwicklung auch im sportlichen Bereich geben. Das Team kann von der Breite her eine Rolle im Mittelfeld spielen. Dafür müssen wir die Weichen stellen. Und wie geschehen manchmal auch kurzfristig.

Gladbach hat eine Mannschaft aus, das soll nicht abwertend klingen, eher mittelmäßigen Spielern. Eine Ausnahme war Forssell. Trotzdem fordern Sie, sogar jetzt erneut, Platz 9.

Königs: Das sehe ich nicht so. Wir haben ein ausgeglichenes Team, mit der richtigen Mischung.

Hätten Sie für die hohen Ziele nicht mehr investieren müssen?

Königs: Wir haben richtig investiert. Sowohl in die Anzahl der Spieler als auch von den Positionen her.

Sie hätten sich für einen Nachfolger mit Namen entscheiden können. Mit Holger Fach sind Sie ein hohes Risiko eingegangen.

Königs: Oberflächlich betrachtet ja. In Wirklichkeit aber haben wir Fach lange beobachten können und gesehen, was er kann. Er arbeitet sehr präzise, sehr analytisch. Deshalb war er auch ein Thema beim Wechsel von Meyer zu Lienen. Damals aber haben wir uns für Lienen entschieden.

Es wird kolportiert, Hochstätter habe damals schon versucht, Fach in die Steigbügel zu hieven. Das Präsidium habe ihn aber gebremst.

Königs: Das ist falsch. Wir hatten ein ähnliches Auswahlverfahren wie heute. Hochstätter wollte nicht Fach durchdrücken, er hat Lienen empfohlen. Die Entscheidung von uns war dann einheitlich, uneingeschränkt.

Sind solche im Nachhinein falsche Entscheidungen vermeidbar?

Königs: Nein, das kann immer passieren. Deshalb hat Hans Meyer damals auch immer betont, der Trainer sei nur ein Passant, der Sportdirektor sei die Konstante. Das ist bei uns Christian Hochstätter. Vom Stil her würden wir das auch gerne mit einem Trainer haben. Holger Fach hat die Chance dazu.