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Mönchengladbach: Gladbachs Braut hat noch hässliche Züge

Mönchengladbach : Gladbachs Braut hat noch hässliche Züge

Es war ein Abend der Liebeserklärungen. „Das Beste ist das Ergebnis”, befand Trainer Dick Advocaat.

„Wenn man nicht unbedingt gut spielt und trotzdem gewinnt, das ist richtig gut”, sagte Torhüter Kasey Keller.

Die umschmeichelte Braut war ein 1:0-Sieg von Borussia Mönchengladbach über Arminia Bielefeld. Es war nicht das rauschende Fußball-Fest, dass allzu optimistische Fans auf Grund der vielen Neuzugänge erhofft hatten.

Vier spielten von Anfang an (Böhme, Moore, Keller, Thijs), dazu kamen mit „Aufsteiger” Marcell Jansen und dem Langzeit-Verletzten und Bankdrücker Milan Fukal zwei Beinah-Neue.

Mehr als die halbe Mannschaft verändert, da war nicht weiter verwunderlich, dass nüchterne Betrachter bei der Brautschau auch etliche hässliche Züge entdeckten.

„Die Erwartung war sehr hoch. Diese Anspannung konnte man der Mannschaft deutlich anmerken”, war Dick Advocaat keineswegs überrascht. Abstimmungsprobleme, stockender Spielfluss, Unentschlossenheit je näher die Borussen zum Bielefelder Tor kamen (Böhme, Neuville).

„Roter” Kritiker

„Wir als Mannschaft haben gegen Nijmegen und Brügge besser gespielt”, urteilte auch Bernd Thijs recht kritisch. Die Ursachen siedelte der Rotschopf ebenfalls im mentalen Bereich an. „Der Druck war groß, und viele dachten, mit den Neuen läuft alles von selbst.” Stattdessen liefen die Gladbacher ihren Gegenspielern zu oft mühsam hinterher, „weil wir zu viele Bälle verloren haben”.

Die gesteigerte Ordnung war trotzdem unverkennbar. Und daran hatte auch Thijs seinen Anteil, auch wenn er ebenso lakonisch wie selbstkritisch feststellte: „Ich weiß, dass ich es besser kann.” Er bot sich beim Spiel von hinten heraus immer wieder als Anspielstation an.

Das Kreativ-Spiel in die Spitze verkümmerte derweil, auch weil Vaclav Sverkos und Thomas Broich nicht unbedingt ihren besten Tag erwischt hatten. Bernd Thijs hätte sich dabei gerne mehr eingebracht, doch „der Trainer hat mir gesagt, ich solle vor allem vor der Abwehr bleiben”.

Doch gar zu hässlich war die Braut denn doch nicht. Dafür sorgten drei weitere Borussen-Frischlinge. Craig Moore etwa, der nicht nur wegen seines Kopfball-Treffers nach Ecke von Geburtstagskind Jörg Böhme Hoffnung für die Zukunft macht.

Der neue Abwehrchef bestätigte die guten Eindrücke aus der Vorbereitung. „Heute Abend werde ich mit meiner Familie und schottischen Freunden feiern. Ich hoffe, sie haben es genau so genossen wie ich”, freute sich der ehemalige Rangers-Kapitän.

Der Australier könnte sich als Glücksgriff entpuppen: schnörkellos, beeindruckende Körpersprache sowohl auf als neben dem Platz - der 29-Jährige verlieh über weite Strecken der Abwehr oft vermisste Ruhe.

Und die hat auch Kasey Keller weg: Seine zwei Rettungstaten gegen Delron Buckley absolvierte er mit einer Selbstverständlichkeit, die seine geballte Premier-League-Erfahrung widerspiegelt.

Neu ist für den US-Amerikaner die Herausforderung im sprachlichen Umgang mit seinen Vorderleuten. „Luxemburg, Australien, Deutschland, Tschechien - ich mag unsere United Nations.”

Bei so viel Freude fiel es auch nicht ins Punkte-Gewicht, dass Oliver Neuville zwei Mal erbärmlich abrutschte beim Versuch, den Micker-Erfolg attraktiver zu schminken. Trainer Advocaat hat in den kommenden Wochen noch viel zu tun - als Schönheits-Chirurg.