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Stuttgart: Gladbach zerlegt in alle Einzelteile

Stuttgart : Gladbach zerlegt in alle Einzelteile

Torwart Jörg Stiel lief maulend durch seinen Strafraum. Schimpfte, wütete. „Das gibt es alles gar nicht, das darf nicht wahr sein.” Das war eine erste Hochrechnung des Schweizers nach 25 Minuten.

Der Trend wurde nachhaltig bestätigt, als das amtliche Endergebnis verkündet wurde. 0:4 unterlag Borussia Mönchengladbach beim VfB Stuttgart. Markus Münch sprach aus, was alle gesehen hatten im Gottlieb-Daimler-Stadion: „Mit dieser Leistung haben wir keine Rechtfertigung für einen Platz in der Bundesliga.”

Dann kramte der kleine Linksfuß, der vorher auch nur durch groteske Abspielfehler aufgefallen war, seinen Trotz zum Vorschein: „Noch sind wir nicht in der 2. Liga.”

Mehr als ein paar dürre Durchhalteparolen boten die Gäste nicht an. Nicht nur die Un-Leistung entsetzte, vielmehr brach das Kollektiv am Ende völlig auseinander. Und selbst Trainer Hans Meyer blickte selten ratlos zurück: „Auf unsere Abwehr war jahrelang Verlass. Wenn die jetzt wackelt, wird es dünn.”

Die Viererkette, ohnehin mit Problemen in der Schnelligkeit, wurde lustvoll auseinander gesprengt vom VfB. Schon nach fünf Minuten waren die Vorboten der neuerlichen Pleite zu erkennen. Bordon enteilte Pletsch, köpfte vorbei.

Die Signale wurden von Gladbachs Verteidigung ignoriert. Nur vier Minuten später konnten Demo und Korell den stämmigen VfB-Abwehrchef auch im Sandwich nicht stoppen: Bordon legte auf, und Kevin Kuranyi erzielte sein 11. Saisontor. Hinweis aus der statistischen Abteilung: Noch nie hat Gladbach in dieser Saison einen 0:1-Rückstand umgebogen.

Korell vom Platz und auch Hausweiler gesperrt

Gründe für die Wackelthese lieferten die lahmen Fohlen zuhauf. Wie beim 0:2 in der 24. Minute. Erst versuchte Embers eine törichte Ein-Mann-Abseitsfalle, dann zögerte Stiel beim Herauslaufen. Nutznießer dieser Pannenserie war Amanatidis, der unbedrängt einköpfte. „Das war nicht so richtig glücklich, was bei uns in der ersten Halbzeit abgelaufen ist”, fand Stiel noch beschönigende Worte für einen Auftritt ohne Linie, ohne Torchance, ohne Aggressivität.

Die blitzte nach der Pause nur einmal auf. Erst vertölpelte Korell den Ball, dann riss er den enteilten Ganea um. Der Wiederholungstäter erhielt die berechtigte Höchststrafe. Zudem sah der eingewechselte Hausweiler seine fünfte Gelbe Karte.

Meyer signalisierte das Projekt Schadensbegrenzung und wechselte Strasser für Aidoo ein, das Team hatte andere Pläne und spielte munter weiter mit. Ganea und Kuranyi (86./88.) bestraften den selten undisziplinierten Auftritt.

„Das tat weh für das Torverhältnis, das war bitter für das Selbstvertrauen”, fasste Meyer den entlarvenden Spielfilm zusammen. Selten war die Lage ernster am Bökelberg.