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Mönchengladbach: Gladbach und „die faulen Äpfel”

Mönchengladbach : Gladbach und „die faulen Äpfel”

Wenn der Abstiegskampf zum Glücksspiel wird: Borussia Mönchengladbachs Trainer mag sich nicht damit abfinden.

Hans Meyer warf für das Spiel am Samstag gegen Schalke Markus Münch aus dem Kader. „Es ist schlecht, wenn ich vor jedem Spiel Würfel werfen muss: Spielt er gut oder schlecht, wann hat er die richtige Einstellung, wann nicht?”

An beiden Gegentoren beteiligt war Münch gegen Hertha, gut war er gegen Wolfsburg, schlecht vier Tage später am letzten Sonntag beim 0:4 in Stuttgart, als er dem jungen Embers nicht wie abgesprochen die nötige Rückendeckung gab.

„Ich habe extra vorher mit Eberl und Münch gesprochen, dass sie bei Bedarf nach innen einrücken, um das Spiel eng zu machen. Eberl hats getan, Münch nicht.”

Der taktische „Ungehorsam” fuchst Meyer besonders, weil die Mannschaft nach dem Wolfsburg-Erfolg mit einem Hochgefühl zu den Schwaben gefahren sei und „bekommen es dann dort so auf die Schnauze”.

Dass dieser Rauswurf von persönlichen Animositäten geleitet ist, bestreitet der Borussen-Coach.

„Dann müsste man Meyer ganz schnell raushauen, wenn er nach persönlichen Vorlieben aufstellt. Ob Hans Meyer morgen noch Trainer ist, ist genau so unwesentlich wie Markus Münch. Es geht um den Klub. Und wir befinden uns in einer Situation, wo mir diese außergewöhnliche Maßnahme sinnvoll erscheint. Sie ist keine Garantie auf Besserung, aber sie nährt die Hoffnung.”

Auch wenn der Rauswurf offiziell erst einmal nur für ein Spiel gilt, hegt Meyer „wenig Hoffnung” auf Läuterung, „sonst wäre die Maßnahme nicht mit dieser Abruptheit und Absolutheit gekommen”.

Nicht nur aus dem Kader ist Marcel Witeczek geflogen. Borussia Mönchengladbach trennte sich von dem 34-Jährigen sofort.

Der Kapitän muss von Bord, damit das Schiff nicht sinkt? Der bereits veröffentlichten Mär, nach dem armen Toni Polster und Michael Klinkert würde hier der nächste Oldtimer auf brutale Weise vom Futtertrog gedrängt, widerspricht Christian Hochstätter vehement.

Laut dem Mönchengladbacher Sport-Direktor wollte der Klub auch nach dem im Sommer auslaufenden Vertrag mit dem Routinier weiterarbeiten. „Wir haben ihm schon im September eine Perspektive aufgezeigt.” Witeczek sollte als Stand-by-Profi bei den Amateuren fungieren.

Doch mit seiner Reaktion inner- und außerhalb der Kabine nach seiner Auswechslung gegen Hertha - „Seine Leistung war unterirdisch” - habe Witeczek gezeigt, „dass er nicht die Person ist, die mit jungen Spielern arbeiten sollte”, erklärt Hochstätter.

Stand-by ade, Stand-home ist aktuell: „Ich möchte mit Witeczek nichts mehr zu tun haben. Er kann von mir aus zu Hause bleiben oder hier trainieren wie ein Aussätziger”, redet sich der Manager in Rage.

Noch weniger gut zu sprechen ist er auf Münch. Sportlich und verhaltensmäßig. „Von dreieinhalb Spielen hat er zweieinhalb absolut miserabel absolviert.”

Neben der sportlichen Enttäuschung kommt die menschliche. „Wenn das Präsidium der Mannschaft den Ernst der Lage klar macht und sie auffordert, sich nicht mehr über die Leistung des Anderen oder über den Trainer zu äußern, und drei Tage später lese ich das Protokoll dieser Zusammenkunft in der Zeitung, dann ist klar: Die faulen Äpfel müssen weg. Es geht hier nicht um irgendwelche Fehden mit dem Trainer, es geht um den Klub.” Die Entscheidung aber muss das Präsidium fällen.