Mönchengladbach: Gladbach ohne Chance gegen Reus Heimatklub

Mönchengladbach: Gladbach ohne Chance gegen Reus Heimatklub

Um 16.10 Uhr brach der Server am Mittwoch zusammen. Borussia Mönchengladbach hatte eine halbe Stunde zuvor die Schreckensbotschaft auf ihrer Homepage online gesetzt: Marco Reus wechselt im Sommer zu Borussia Dortmund.

Es gibt für den Shootingstar der Fußball-Bundesliga eben doch nicht nur eine Borussia. Diese bittere Präferenz wird für den Tabellenvierten mit 17,5 Millionen Euro versüßt, die in Reus Kontrakt als Ablöse festgeschrieben sind. Die werden vom Deutschen Meister nicht scheibchenweise, sondern komplett am Ende der Saison überwiesen.

Nun mag man nicht von einer konzertierten Aktion sprechen, doch nicht ganz zufällig hat auch Roman Neustädter dem Klub, der ihn zum Bundesligastammspieler entwickelte, am Dienstag mitgeteilt, dass er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. Reus und Neustädter sind dicke Kumpel. Doch die Entscheidung des Mittelfeldspielers, der vor anderthalb Jahren als Nobody vom FSV Mainz gekommen war, hat seinen Arbeitgeber auch nicht wirklich überrascht. Neustädter hatte den Verlängerungswunsch Borussias ausgeschlagen.

„Mit dem Angebot, das wir ihm gemacht haben, hätte sich sein Gehalt vervielfacht”, sagt Gladbachs Sportdirektor Max Eberl. Logische Folgerung: Auch unterhalb von Bayern München und Borussia Dortmund gibt es Vereine, mit denen Borussia finanziell nicht mithalten kann - oder will. Wie etwa Schalke. Der „andere” Revier-Großklub wird neben Leverkusen als neuer Arbeitgeber Neustädters gehandelt. Eine pikante Situation, was die Beziehung beider Traditionsvereine angeht.

Max Eberl hatte lange Zeit um Marco Reus gekämpft. Dem 22-Jährigen lag ein Angebot vor, bei dem Gladbach - so Eberl - über die Schmerzgrenze gegangen war. Dieser Konter hätte wohl ausgereicht, um Reus immun zu machen gegen das Werben von Bayern München. Der pfeilschnelle Offensivspieler benötigt eine Wohlfühl-Atmosphäre, um sein Potenzial umzusetzen. Die bot ihm Gladbach anders als der Großklub an der Isar, nicht auch zuletzt durch die Freundschaft mit Neustädter und Tony Jantschke. Doch im Dezember hatte Borussia den Kampf verloren: Borussia Dortmund meldete sich. Und lockte eben nicht nur mit wesentlich mehr Geld und Meisterschaftsambitionen und Champions-League-Teilnahme.

Reus ist gebürtiger Dortmunder, spielte dort in der Jugend, und sein alter Freund Kevin Großkreutz kann fließend die Rolle von Roman Neustädter übernehmen, der womöglich ja auch nur im 25,671 Kilometer Luftlinie entfernten Gelsenkirchen arbeiten wird. „Marco ist ein Dortmunder Junge”, erklärt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den finanziellen Kraftakt des Klubs für einen Fünfjahresvertrag, „für ihn machen wir Außergewöhnliches.”

Als Marko Marin zu Bremen wechselte, war Max Eberl enttäuscht über das Verhalten des damaligen Jung-Stars. Reus aber spielte mit offenen Karten und lässt dem Sportdirektor Zeit, sich nach hochkarätigem Ersatz umzusehen. „Es bringt ja nichts, jetzt zu jammern. Wir müssen weiter unseren Weg gehen und vielleicht irgendwann dahinkommen, dass wir mit Vereinen wie Borussia Dortmund und Bayern München konkurrieren können”, zeigt sich Eberl gefasst.

Mit dem von Wolfsburg ausgeliehenen (plus Kaufoption) Tolga Cigerci und der Verpflichtung von Alexander Ring (Helsinki), die diese Woche noch über die Bühne gehen wird, hat der Manager für beide Positionen „Ersatz” geholt - Talente nur, aber das war Reus auch, als er von RW Ahlen kam. Der Qualitätsverlust ab Sommer ist kaum zu verhindern, auch nicht mit 17,5 Millionen.

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