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Mönchengladbach: Gaedes verzichtet auf Ballacks Trikot

Mönchengladbach : Gaedes verzichtet auf Ballacks Trikot

Die Niederlage schien besiegelt. Denn fast immer, wenn die Bayern emotionslos und ohne großes Engagement ihr Pensum abspulen, kommt es so oder so ähnlich: „62. Minute, der Claudio Pizarro macht per Kopf das Tor zum 1:0, das Spiel ist gelaufen.”

Der berufsbedingt ständige Begleiter der Münchner prognostizierte sehr glaubwürdig in der Halbzeit das wahrscheinliche Ende, weil „es oft so passiert”.

Die Gäste lösten nach dem Seitenwechsel ein wenig die Handbremse, doch da außer Pizarro, Deisler und dem eingewechselten Trochowski kein anderer vom Branchenbesten gen Gladbacher Tor strebte, blieb der unverdiente Lohn diesmal versagt.

Das Fetzigste aus bayerischer Sicht war die Wülfershausener Trachtenkapelle, die extrem bewegungsfreudig die Ankunft der Mannschaftsbusse untermalte.

Und so guckte Borussias Torwart Jörg Stiel recht konsterniert; dies ist nicht der Musik-Geschmack des Schweizers.

In der Folge schaute ähnlich „dumm” allein noch Michael Ballack aus der Wäsche. Deutschlands Bester wurde aus dem Spiel genommen von einem gewissen Enrico Gaede (21), erfahren in drei Bundesliga-Einsätzen.

Er war Gladbachs und überhaupt Bester an einem Tag, der den Borussen Zuversicht für eine erfolgreichere Zukunft einflößte. Wann durfte schon mal ein Gladbacher behaupten: „Das ist ein glückliches Unentschieden für die Bayern.” Jeff Strasser tats und erntete nach dem 0:0 keinen Widerspruch.

Trainer Ottmar Hitzfeld gab sich leicht verschnupft ob der Unleistung der sich offensichtlich für das Champions-League-Spiel am Dienstag in Lyon schonenden Bayern.

Münchens Manager dagegen buddelte ganz tief in der Kiste mit den fadenscheinigen Argumenten. Nach vierzehn Tagen Pause finde die Mannschaft einfach nie sofort den Rhythmus, ließ Uli Hoeneß protokollieren und nahm Ballack in Schutz.

Er könne nicht statt zu trainieren die ganz Woche nur auf der Massagebank liegen „und dann 90 Minuten rauf und runter rennen”.

Akzeptiert, aber: Wie Enrico Gaede den Fußballer des Jahres aus dem Spiel nahm - klasse! Der Münchner war dermaßen bedient, dass er verbal Frust abließ.

„Das gehört auf den Platz”, ließ sich Gaede aber nichts entlocken - und verzichtete auf einen Trikottausch. „Ich denke, das hätte er mir heute sowieso nicht gegeben...”

Das Lob eines zufriedenen Holger Fachs, der die noch längst nicht spiel-fitten Pascal Ojigwe und Igor Demo für ihren Einsatz besonders herausstellte, kam prompt. „Er hat ein hervorragendes Spiel gemacht. Mir war klar, dass ich mich hundertprozentig auf ihn verlassen kann.”

Wenn der Trainer einem Nachwuchskicker ohne mit der Wimper zu zucken die Bewachung des gegnerischen Superstars anvertraut - gibt es eine größere Anerkennung?

Fach, der nach 45 akzeptablen Minuten gegen Bochum und knapp 60 sehenswerten in Hamburg diesmal das komplette Spiel lang eine von Ordnung, Einsatz und auch spielerischen Momenten gute Mannschaft mit einem starken Sladan Asanin in der Innenverteidigung beobachten konnte, ist sich sicher: „An Enrico werden wir noch viel Spaß haben”.

Auch, weil der vor zwei Jahren vom FC Pommern Stralsund gekommene Gaede kein Typ zum Ausflippen ist. Sein Motto: Respekt ja, Angst nein, „denn ich kann doch nicht mit gesenktem Kopf auf den Platz gehen, dann habe ich doch keine Zukunft. Man muss ein gesundes Selbstbewusstsein demonstrieren, ohne arrogant zu wirken.”

Und was war die erste Reaktion Gaedes, der unter Ewald Lienen noch in der Oberliga kicken würde, nach Holger Fachs Ernennung zum Cheftrainer? „Ich hab mich gefreut.” Nicht aus Eigennutz, sondern „weil ich weiß, dass er ein guter Trainer ist, weil ich ihn zwei Jahre kenne und weiß, was er mir beigebracht hat.”

Was nächsten Sonntag in Leverkusen beim Tabellenführer wieder demonstriert werden kann. „Ein Punkt wäre schon okay”, sagt Arie van Lent (lachend). „Aber dann kommt Rostock, und da muss man zeigen, das man aus der Situation raus ist und man endlich mal wieder einen Dreier landet.”