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Köln: Für Kölns Profis wird es alles andere als gemütlich

Köln : Für Kölns Profis wird es alles andere als gemütlich

Der Schweizer strahlt eine sympathisch nette, natürliche Gemütlichkeit aus. Sein Dialekt hat zudem durchaus lustige Züge. Wenn dieser Schweizer dann noch an einem 11. 11. geboren ist, gehört er eigentlich ins Rheinland. Und da speziell nach Köln.

Dort ist der Eidgenosse, um den es geht, seit Sonntag auch. Marcel Koller heißt der Mann, der die Berufsfußballer des 1. FC Köln und den Verein aus der sportlichen Krise führen soll.

Drei Tage nach der Trennung von Friedhelm Funkel und einen Tag nach der höchst unverdienten 1:2-Niederlage gegen Hannover 96 präsentierte der Verein den 42-Jährigen als „einen Mann mit Qualitäten in der Mannschafts- und Menschenführung, der unserer fußballerischen Auffassung sehr entgegen kommt”, wie Manager Andreas Rettig sagte.

Um „keine Sekunde zu versäumen und das Team schnell kennen zu lernen”, so der neue starke Mann am Geißbockheim, fackelte Koller nicht lange und übernahm bereits am Sonntagmorgen das Training, das gut 1000 Fans verfolgten. Am Montag um 10 Uhr geht´s weiter. Den freien Montag strich Koller. Schnell wurde den Profis klar, dass ihr neuer Chefausbilder mit jener Schweizer Gemütlichkeit wenig am Hut hat. Thomas Cichon: „Er hat uns lautstark seine Vorstellungen verdeutlicht.”

Am Abend zuvor unterschrieb Koller einen bis zum 30. Juni 2006 datierten Kontrakt, der auch im Abstiegsfalle Gültigkeit hat. Mit im Boot sitzen weiterhin Co-Trainer Jos Luhukay und Torwarttrainer Peter Greiber. „Auf mich wartet eine sehr schwierige, aber reizvolle Aufgabe. Meine Philosophie ist der Offensivfußball. Ich will Aggressivität sehen, und ich will immer gewinnen”, so Koller.

Dirk Lottner bemühte höhere Mächte, die zur erhofften Wende führen sollen: „Er muss uns das Glück zurück bringen. Den Fußball müssen wir ja nicht neu erfinden.” Lottner soll Kapitän bleiben. Doch Koller, der die Viererkette bevorzugt, vergibt keine Garantien: „Lottner muss, wie in der ersten Halbzeit gegen Hannover, bereit sein, auch Drecksarbeit zu übernehmen. Er muss sich noch mehr reinhängen. Ob er in meinen Planungen eine Hauptrolle spielt, liegt an ihm. Das gilt für jeden.”

Der Trainer hatte die Partie am Samstag im RheinEnergie Stadion verfolgt und „eine sehr gute erste Halbzeit gesehen, die ich als Basis nehme, um weiter zu kommen. Ich habe einen sehr positiven Eindruck von der Mannschaft, die nach der Pause aber in ein Loch gefallen ist. Wir müssen dahin kommen, Tempo und Engagement über 90 Minuten zu halten.”

Vier Wochen lang hat Koller die Liga intensiv beobachtet, nachdem FC-Manager Andreas Rettig ihn bereits im August erstmals kontaktiert hatte. Dies allerdings im Hinblick auf die nächste Saison, da Funkels Vertrag am 30. Juni 2004 ausgelaufen wäre. Nachdem Koller Anfang Oktober beim Schweizer Meister Grasshoppers Zürich nach fünf Niederlagen in Folge zurückgetreten war, wurde der Kontakt von Kölner Seite intensiviert.

Beide, Rettig und Koller, kannten sich aus Freiburger Zeiten. Mit St. Gallen war der Coach im UEFA-Cup Gegner der Breisgauer, als Rettig dort Manager war. „Entscheidend ist jetzt, dass er seine Ideen in die Köpfe der Spieler transportiert”, sagte Rettig, der auf langfristige Zusammenarbeit setzt. Zwölf Verträge laufen zum Saisonende aus.

Das Hannover-Spiel, seit langem das beste der Kölner, lässt Verein, Umfeld und neuen Coach hoffen. Da war über weite Strecken Feuer drin, Engagement, Kampfgeist, Spielkultur. Was fehlte, war einmal mehr das hochverdiente, positive Ergebnis. Koller solls nun richten.