Aachen: Für die Alemannia geht es bei 1860 um alles

Aachen: Für die Alemannia geht es bei 1860 um alles

Auch die 17. Auswärtsreise der Saison wurde nach dem üblichen Muster gestrickt, nichts Besonderes. Die Mannschaft macht sich einen Tag vor dem Spiel auf den Weg, übernachtet, geht raus aufs Feld, spielt, duscht, steigt in den Bus und fährt zurück.

Doch nun hatte Ralf Aussem kurzfristig eine abweichende Idee, sie ist über den Tag des Liga-Finales hinaus gedacht. „Mit acht Stunden im Bus unter dem Hintern”, sagt der Trainer von Alemannia Aachen, „das wäre nicht die richtige Vorbereitung.”

Das Fell der Münchner „Löwen” ist noch nicht erlegt, da beweist der Mann einen unerschütterlichen Glauben: an die Relegation, an zwei weitere Spiele vermutlich gegen den Drittligisten Jahn Regensburg. Und deshalb geht es am Sonntagabend mit dem Flieger zurück nach Aachen.

Bis zu 4000 Fans reisen mit

Es ist ein weiteres „wichtigstes Spiel” der Vereinsgeschichte, nur ein Sieg gegen 1860 bei gleichzeitigem Stolpern des Karlsruher SC gegen Eintracht Frankfurt hält Alemannia in der Tombola. „Wenn alles normal läuft”, sagt Aimen Demai, „dann holt Frankfurt Minimum einen Punkt. Aber für uns wird es schwer genug, in München zu gewinnen.” Demai hatte mit seinem Siegtor gegen den KSC am vergangenen Sonntag erst die Voraussetzungen geschaffen, dass Alemannia weiter auf den Klassenerhalt hoffen kann. Mit bis zu 4000 Fans, die die Mannschaft begleiten, rechnet der Verein; es ist die zweitgrößte Karawane aus dem Dreiländereck Richtung München (nur zum Bundesliga-Spiel beim FC Bayern 2006 reisten mehr Schwarz-Gelbe).

Aimen Demai kann in der Kabine was erzählen vom Abstiegskampf. Mit dem 1. FC Saarbrücken endete die Sache nicht gut, mit dem 1. FC Kaiserslautern schrieb der Franzose vor vier Jahren das bislang wohl dramatischste Kapitel einer erfolgreichen Rettung. „Wir haben in den letzten sechs Spielen acht Punkte Rückstand aufgeholt. Das war einer der emotionalsten Momente in meiner Karriere”, sagt der 29-Jährige. Ein Unentschieden zum Saisonfinale gegen den bereits als Aufsteiger feststehenden 1. FC Köln hätte nicht gereicht. „Bis zur 70. Minute stand es 0:0, am Ende hatten wir 3:0 gewonnen. Und so müssen wir es auch in München machen.”

„Wir müssen clever agieren”

Während die Kollegen Anouar Hadouir (Innenbandreizung) und Bas Sibum (Mittelfußprellung) - die ohnehin keine Rolle gespielt hätten - in der Allianz Arena ausfallen, gilt Demai in der Form der letzten Wochen als ein Fels in der Brandung. „Es macht keinen Sinn, blind nach vorne zu rennen und sich auskontern zu lassen. Das wäre fatal. Wir müssen clever agieren”, empfiehlt der „Sechser”. „Solange es 0:0 steht, ist es gut für uns. Und wenn wir in der 90. Minute ein Tor machen, bin ich froh” und wahrscheinlich mehr als das. „Dieses Spiel”, sagt Demai, „ist jetzt eine Kopfsache. Es sind nur noch 90 Minuten bis zum Ziel, da darf Müdigkeit keine Rolle spielen. Das Schlimmste, was uns passieren kann: Karlsruhe gewinnt nicht, wir aber auch nicht.”

Albert Streit kehrt zurück

Ein Mittel gegen die „Löwen” sollen wieder die Standards sein, Demai spart da auch nicht mit Lob für Kevin Kratz: „Jeder Standard gegen den KSC war gefährlich, daraus müssen wir auch am Sonntag das Maximale rausholen.” Auf Zwischenstände aus Karlsruhe legen sowohl Demai als auch Ralf Aussem nur dann Wert, wenn sie positiv für Alemannia sind. Wobei: Einen Einfluss auf die Stadion-Regie in München hat man nicht.

Die Aufstellung hält der Trainer noch unter Verschluss. „Es wäre fahrlässig, die jetzt schon nach München runterzugeben.” Vermutlich wird Albert Streit nach Gelb-Sperre den „Zehner” geben und Marco Stiepermann (für Kapitän Benny Auer) in die Spitze rücken.

„Wir glauben ganz fest daran, dass wir noch die Relegation erreichen”, sagt Aimen Demai. Sein Vertrag läuft nach drei Jahren aus, Verlängerung unwahrscheinlich. Aber zwei Spiele mehr dürfen es noch sein.

Kein Aachener Sieg in München bei sieben Anläufen in der 2. Liga

Nur Greuther Fürth (33 Punkte) war in der Rückrunde erfolgreicher als 1860 München (31), so dass Trainer Reiner Maurer urteilt: „Wir sind eine der positiven Überraschungen in der Liga.” Mit etwas Glück können die „Löwen” noch auf Tabellenplatz fünf vorrücken. „Wenn man berücksichtigt, dass wir vor einem Jahr nicht mal wussten, ob wir vielleicht gegen Seligenporten, Heimstetten oder Haching II statt in der 2. Liga spielen, dann muss man sehr zufrieden sein.” Den Hinweis, dass es nie so einfach wie in dieser Saison gewesen sei aufzusteigen, kontert Maurer bissig: „Haben diese Leute Alzheimer oder was? Wir hatten im vergangenen Sommer nicht einen Cent zur Verfügung, das vergessen die Leute wohl.”

Alemannia reiste in der 2. Liga sieben Mal nach München, zu einem Sieg reichte es nie (vier Remis, drei Niederlagen).

Die Gastgeber müssen auf Flügelflitzer Daniel Halfar verzichten, der unter einer Knochenstauchung im Knie leidet. Ansonsten fällt niemand bei den Löwen aus, auch Stefan Aigner hat seine Gelb-Sperre abgesessen. Er wird ebenso wie Kevin Volland und Toni Rukavina vor dem Spiel verabschiedet werden.

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