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Mönchengladbach: Friseur Köppel und ein Schuss Menschlichkeit

Mönchengladbach : Friseur Köppel und ein Schuss Menschlichkeit

Die haarige Befreiung kam für Thomas Broich bereits vor dem Rücktritt von Dick Advocaat.

Am Sonntag nach dem 2:2 gegen Mainz legte Borussia Mönchengladbachs damals noch sportlich verklemmter Ideengeber Hand an sich und kappte Bart- und Haupthaar.

Tags drauf wurde der nicht nur von Broich wenig geliebte Trainer zwar nicht rasiert, immerhin aber durch den Druck der Öffentlichkeit, Fans und Spieler-Nichtleistung zur Einsicht gebracht, dass fruchtbares Arbeiten rund um den Borussia-Park nicht mehr möglich sei.

Die sportliche Befreiung vom vermeintlichen Advocaat-Joch dauerte länger als der Zehn-Minuten-Cut - es war ein Stufen-Schnitt. Erste positive Ansätze beim 0:0 in Nürnberg, aber in ihrer ganzen Schönheit entfaltete sich die neue sportliche Frisur erst beim 2:0 das Wochenende drauf gegen den VfB Stuttgart.

Für „Modell” Broich keine wundersame Wandlung. „Ein bisschen mehr Menschlichkeit und Fingerspitzengefühl”, beschreibt er die Kunstgriffe des neuen Friseur-Meisters Horst Köppel, der einst wie Advocaat Webeträger für Toupets war. „Ich kann nicht verstehen, dass das nicht vorher möglich war.”

Gesprächs-Therapie

Mit Köppels Gesprächstherapie seien Freude und Risiko-Bereitschaft zurückgekehrt, sagt Broich. Und beschreibt damit seine ureigenen Stärken, die unter Dick Advocaat gänzlich verschüttet waren. „Fachlich war er gut, vielleicht sogar besser als Köppel. Aber er hat die Ansprache einfach nicht gefunden.

Alle hatten Angst, Fehler zu machen. Ich habe nie verstanden, wie man in unserer Wirtschaft predigen kann, Kommunikation ist alles und dann diese Erkenntnis bei uns im Fußball-Geschäft außer Kraft gesetzt wird.”

Das ist inzwischen Geschichte. Und auch die Umerziehung durch Horst Köppel ist abgeschlossen. „Wir mussten richtig wieder lernen, Fehler machen zu dürfen.”

Jetzt verfällt der Risiko-Spieler nach einer misslungenen Situation nicht wieder in das „Sicherheitsspiel nach Vorschrift”, sondern probiert es unverdrossen noch ein zweites oder drittes Mal. Die gar nicht so wunderbare Wandlung einer leblosen und uninspirierten Ansammlung von Profis in eine engagierte Zweckgemeinschaft, in der „jeder bereit ist, die Fehler des anderen auszubügeln” (Broich).

Doch auch positive Entwicklungen sind endlich. Und so ist für den Mittelfeldspieler ein Erfolg, gar ein Dreier am Sonntag in Hamburg „kein Selbstläufer. Der HSV ist schließlich nicht ganz heimschwach.”

Das Projekt erster Auswärtssieg der Saison sieht Thomas Broich auch durch eine spannungstötende Erleichterung gefährdet. „Von der Anspannung, wie ich sie vor dem Spiel gegen den VfB gespürt habe, sind wir noch ein Stück entfernt.”

Die Erleichterung als Punkte-Killer: Ein Tag bleibt Horst Köppel noch, die Entschlossenheits-Schraube anzudrehen. Nicht bei Jörg Böhme: Der Linksfuß fällt mit einer Innenbanddehnung im rechten Knie aus. Seinen Part wird Filip Daems übernehmen. Giovane Elber wird sein Comeback wohl in einem Heimspiel feiern dürfen.