Mönchengladbach: Folgt auf die „Provokation” Favres Rache?

Mönchengladbach: Folgt auf die „Provokation” Favres Rache?

Der Eklat vollzog sich, als Lucien Favre das Podium verlassen hatte: „Wir haben mehr Informationen über Borussia gesammelt als Borussia über uns”, behauptete Yuri Semin, Dynamo Kiews russischer Trainer bei der Pressekonferenz zum Qualifikations-Hinspiel für die Gruppenphase der Champions League.

Und straft damit seine eigenen Worte Lügen: Wenn er so gut informiert wäre, wüsste er, dass niemand in dieser Fußballwelt sich akribischer vorbereitet als Mönchengladbachs Schweizer Fußballlehrer und hätte geahnt, dass dieser das Fehlurteil als Provokation auffassen könnte.

Nun hat Favre nicht nur deshalb selbst für Dienstagmorgen noch eine allerletzte Trainingseinheit im Borussia Park angesetzt, auf die sein „Kollege” verzichtet. Es gibt noch viel zu tun.

Zwar ist das Stadion der Mönchengladbacher hergerichtet für den ersten großen Europa-Abend seit 16 Jahren. Die Stehplätze in der Nordkurve wurden in Sitze umgewandelt, die Zuschauerzahl auf 46 297 reduziert, die Borussen-Sponsoren verdeckt, die Werbung der Vertragspartner der Champions League aufgehängt, 28 Kamera-Positionen freigeräumt.

Aber was ist mit Borussias Mannschaft? Ist sie auch bereit? Nimmt man das Pokalspiel am Samstag in Aachen als alleinigen Maßstab, müsste Lucien Favre etwa auf Patrick Herrmann verzichten.

Überdeutlich ist der eigentliche Tempostürmer nach seinem Muskelfaserriss in der Vorbereitung noch nicht bei 100 Prozent. „Gegen Kiew werden wir nur drei oder vier Chancen bekommen, die müssen wir nutzen”, hatte Sportdirektor Max Eberl die schlechte Chancenauswertung gegen Alemannia moniert.

Also raus mit Harvard Nordtveit? Der norwegische Mittelfeldspieler vergab drei hundertprozentige Möglichkeiten und verwandelte erst die vierte, und die auch nicht souverän.

Gladbachs neuer Torjäger, Luuk de Jong, wartet weiter auf seinen ersten Treffer für den neuen Arbeitgeber. Auch ihm ist anzumerken, dass die Fitness noch nicht den Maximal-Stand besitzt.

Doch natürlich werden wohl alle Drei spielen. Ernsthaft gefährdet ist allenfalls Herrmann, dessen Konkurrent Alexander Ring einen erheblich besseren Eindruck in Aachen machte. Doch sein Trainer wechselt nicht gerne, er setzt auf Eingespieltsein und Automatismen.

Doch die müssen im Spielbetrieb erarbeitet werden. „Wir brauchen noch fünf, sechs Spiele, um dahin zu kommen”, prognostiziert Martin Stranzl. Bis dahin ist aber die Entscheidung Champions League oder „nur” Europa League längst gefallen.

Gegen diese „unvollkommene” Mannschaft schätzt Kiews Trainer die Chancen dennoch nur 50 zu 50 ein. Aber auch das hat Lucien Favre nicht mehr gehört.

Natürlich hätte er protestiert, ebenso wie Martin Stranzl, der als Ost-Kenner (fünf Jahre Spartak Moskau) Dynamo zum Favoriten erklärt hat. Wahrscheinlich saß Favre zu diesem Zeitpunkt Zuhause vor dem Fernseher, sah sich zum x-ten Mal eine CD über Kiew an und tüftelte am Trainingsplan für das finale Training am Morgen.

Kapitän Filip Daems und seine Kollegen hatten schon am Montag beim vorgeschriebenen Training im Borussia Park Champions League-Luft inhaliert. „Man merkte sofort, als wir ins Stadion kamen, dass es um viel geht.”

Und vielleicht ist ja heute die Übungseinheit das Zünglein an der Waage bei der von Yuri Semin prophezeiten Chancengleichheit - und Favres Rache.

Voraussichtliche Aufstellung: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Daems - Nordtveit, Xhaka - Herrmann, Arango - de Camargo, de Jong