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Mönchengladbach: Filip Daems will kein Trainer-Mitleid

Mönchengladbach : Filip Daems will kein Trainer-Mitleid

Das Problem hätten gerne viele Trainer-Kollegen in der Fußball-Bundesliga: Jedes Wochenende hat Borussia Mönchengladbachs Coach Horst Köppel die Qual der Wahl: Marcell Jansen oder Filip Daems.

Ausgerechnet links in der Viererkette ist die Elf vom Niederrhein gleich doppelt stark besetzt. Händeringend suchen andere Klubs zumindest eine starke Besetzung. Gladbach hat gleich zwei Nadeln im Heuhaufen gefunden.

Das Entweder-oder ist lange Zeit stets zu Lasten Daems gegangen. Was dem Belgier stets das Mitleid und ein Lob seines Trainers eingebracht hat. Tenor: vorbildlicher Profi, allwöchentliche starke Trainingsleistung, super Einstellung - „ein Härtefall”.

Als Balsam reicht das auf Dauer nicht. „Ich will unbedingt spielen”, spricht Filip Daems das aus, was man tunlichst jedem Berufskicker unterstellen sollte, Millionen hin, Millionen her , - die Lust am Fußballspielen. Am Sonntag nun spielt er beim Hamburger SV. Horst Köppel hat sich schon früh für ihn entschieden.

Immerhin stand der 26-Jährige nach seiner grandiosen Leistung gegen Borussia Dortmund zum ersten Mal in der Elf des Tages im Fachblatt „Kicker”. „Das wusste ich nicht. Ich lese keine deutschen Zeitungen”, bekennt der Belgier. Besonders beeindruckt ist er allerdings nicht. „Das ist doch nur Statistik. Das Spiel ist vorbei. Einen Tag kann man drüber reden. Dann muss man sich auf den nächsten Gegner konzentrieren.”

Bei so viel Realitätssinn ist es nicht verwunderlich, dass Daems genau weiß, dass er keine Lizenz für seine Lieblingsposition besitzt. Beim HSV wird Marcell Jansen wie gegen den BVB vorgeschoben als hängender Linksaußen spielen. Das hat am letzten Samstag gut geklappt.

In der Raute, die Köppel lange Zeit bevorzugt hat, also links im Mittelfeld, fühlen sich beide nicht so recht wohl. „Hinten hast du das ganze Spielfeld vor dir”, erklärt Daems seine Vorliebe, die er mit Marcell Jansen teilt. „Und wenn Peer Kluge wieder fit ist ...” Dann heißt es womöglich wieder Daems oder und nicht mit Jansen. Doch die Entscheidung pro seinem Konkurrenten kann er sachlich nachvollziehen.

Dass der einen Bonus - 19 Jahre, gebürtiger Gladbacher, aktueller deutscher Nationalspieler - besitzt, glaubt Daems nicht. „Wenn er keine Leistung bringt, wirds für ihn auch schwer.” Doch für wahrscheinlich hält er das nicht. „Er hat hinten links immer gut gespielt.”

Besonders tröstlich aber ist das für den ehrgeizigen Belgier nicht. „Es ist das erste Mal, dass ich in einem Klub auf der Bank sitze. Wenn deine Mannschaft gewinnt, bist du natürlich glücklich. Wenn du aber mitspielst und gewinnst, ist das noch ein ganz anderes Gefühl.”

Die abgeschwächte Version erleben derzeit auch seine Landsmänner Bernd Thijs und Wesley Sonck. Zwei ehemalige Stammspieler, ein noch nicht Stammspieler - ein belgisches Frust-Trio mit entsprechender Außen- und womöglich Sprengwirkung? „Auf keinen Fall”, widerspricht Daems vehement, „klar hocken wir im Bus schon mal mehr zusammen. In erster Linie wegen der Sprache. Aber auf keinen Fall in der Kabine. Es gibt keine Grüppchen-Wirtschaft. Die Stimmung im Kader ist wirklich gut.”

Er ist eben ein Musterprofi. Aber auch dessen Geduld ist endlich. „Der Verein ist super. Aber wenn ich nicht spielen kann und hier keine Zukunft habe, müssen wir reden. Aber es sind ja noch sechs Spiele ...”

Durchbruch in Schwarz mit Ringelsocken?

„Wir lassen nichts unversucht”, sagt Thomas Broich über die Möglichkeiten, die Auswärtsmisere ausgerechnet beim HSV zu beenden. Die Aberglauben-Kiste ist allerdings fast leer gekramt. „Es bleibt nur noch das schwarze Trikot mit Ringelstutzen”, sinniert Trainer Horst Köppel. Auch die Zugfahrt ist keine Garantie: In Hannover gabs ein Remis, in Wolfsburg gar eine Niederlage. Immerhin setzt der 57-Jährige erneut auf die Armbanduhr, die ihm seine Frau zu Weihnachten geschenkt hat. „Wenn jemand noch eine andere Idee hat, soll er sich melden”, bittet Köppel um Hilfe.

Wie wärs mit mutigem und offensivem Fußball? Wie vor zwei Wochen der BVB es beim HSV demonstriert hat. Immerhin plant Köppel, erneut das Erfolgssystem mit drei Stürmern spielen zu lassen. Dann ginge es lediglich um den Ersatz für den gelbgesperrten Niels Oude Kamphuis auf der zweiten defensiven Mittelfeldposition. Hassan El Fakiri und Bernd Thijs sind die Kandidaten.

Peer Kluge trainiert zwar wieder, ist aber noch nicht einsatzfähig, Bo Svensson wird allenfalls auf der Bank Platz nehmen.