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Köln: FC Köln: „Wir sind noch nicht satt”

Köln : FC Köln: „Wir sind noch nicht satt”

Ausdünsten stand auf dem Programm - sonst Training genannt. Einige Spieler kamen am Dienstagvormittag nach durchzechter Nacht direkt von der Stammkneipe, einem Mexikaner in Köln-Sülz, ans Geißbockheim.

Sie ließen dort die Feierlichkeiten ausklingen, ehe es für die Aufsteiger des Fußball-Zweitligsten 1. FC Köln um 15 Uhr zum „öffentlichen Ausnüchtern” kam.

Leichtes Training - zu mehr war kaum jemand am Tag danach in der Lage.

Einer, der lange Norddeutsche, der mit seinen 18 Treffern wesentlichen Anteil am Wiederaufstieg der „Geißböcke” hatte und einst vom geschlagenen FC St. Pauli an den Rhein wechselte, zeigte in der Stunde des Triumphes Mitgefühl mit den Freunden aus Hamburg.

Matthias Scherz hielt nach seinem Jubelgesang („Der Aufstieg - und dann hier zu Hause - das ist das Größte”) inne: „Es tut mir leid für St. Pauli. Wenn die absteigen, wäre das eines der traurigsten Kapitel im deutschen Profifußball.”

Scherz kurzzeitige Trauer wurde schnell mit Kölsch übergossen. Trainer Friedhelm Funkel: pitschnass; Manager Andreas Rettig: pitschnass. Die Spieler sowieso. Bei Albert Caspers, dem Präsidenten, traute sich niemand so recht.

Er überstand die Kölsch-Dusche relativ unbeschadet, wünschte sich nur eins: „Hoffentlich steigen wir nie mehr ab.” Caspers war es auch vor fast genau einem Jahr, der der Kölner Fan-Gemeinde nach dem bitteren Abstieg Ende April 2002 zusagte: „Wir steigen direkt wieder auf.”

Das Tage(Saison)-Werk ist vollbracht. Und Friedhelm Funkel hob zu einer ungewohnt vehement vorgetragenen Lobesrede an: „Ich möchte mich bei der Mannschaft bedanken. Sie wollte vom ersten Trainingstag an wieder aufsteigen, hat eine phantastische Leistung und Charakter gezeigt.

Mit dem kleinsten Kader der Liga sind wir beste Auswärts- und beste Heimmannschaft, holten die meisten Siege, kassierten die wenigstens Niederlagen. Das beeindruckt mich sehr.” Funkel bescheingte seinem kickenden Personal eine „einmalige Teamleistung”.

Dass es in den ausstehenden vier Partien, zunächst am Freitag in Freiburg, lediglich zum Schaulaufen kommt, bestreitet Funkel energisch: „Wir haben 65 Punkte, sind aber noch nicht satt. Ich möchte mehr erreichen. Nun werden alle Kräfte gebündelt, um weitere Siege einzufahren.”

Die Jubelfeier am Geißbockheim verließ Funkel relativ früh. 3000 Fans dort und Zehntausende in der Stadt huldigten ihren Helden. Die genossen den Trubel. Wie Kapitän Dirk Lottner, der „bis zu meinem Karriereende in der Bundesliga” bleiben will.

Da plant der 1. FC Köln mit einem Etat von 34 Millionen Euro und einem Zuschauerinteresse von 33 000 pro Heimspiel. Das ist ebenso erstklassig wie das neue Stadion, das nach Fertigstellung 2004 dann 51 000 Fans Platz bieten wird.

Mit den viel versprechenden Neuzugängen Wessels, Ebbers, Schindzielorz, Voronin und Dogan durchaus gute Voraussetzungen für die Fußball-Bundesliga, in der sich die „Geißböcke” allerdings spielerisch enorm steigern müssen.

FC-Manager Andreas Rettig ist unterdessen überzeugt: „Wir haben für die Bundesliga eine gute Mischung. Unsere Neuzugänge sind alles Perspektivspieler.”

Michael Maier, der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, gehörte zu den ersten Gratulanten, die den „Geißbock”-Klub im Oberhaus willkommen hießen: „Die Mannschaft des 1. FC Köln wird ein neues Gesicht bekommen, wobei die verpflichteten Spieler eine gute Qualität versprechen.

Zudem bieten das neue Stadion und die enorme Euphorie unter den Fans ein erhebliches Potenzial für Mehreinnahmen. Die Atmoshäre im Stadion kann auch durchaus einige Punkte auf der Habenseite bedeuten.”

Für Ex-Nationalspieler Wolfgang Overath, das Kölner Urgestein, „stand zu Beginn der Saison der Aufstieg fest. Der FC hat über eine Marathonstrecke eine starke Teamleistung gezeigt und ist wieder da, wo er hingehört. Optimal wäre, wenn noch ein guter Mittelfeldspieler käme.”

Karl-Heinz Thielen, der frühere FC-Manager, -Profi und -Nationalspieler, macht sich um den Klassenerhalt in der Bundesliga keine Sorgen: „Ich halte einen Platz im gesicherten Mittelfeld für möglich. Die Neuzugänge dürften einschlagen. Vor allem Voronin und Dogan halte ich für echte Verstärkungen.”

Kapitän Dirk Lottner schätzt den zweiten Aufstieg „wesentlich höher ein” als den ersten im Jahr 2000, „weil ihn jeder erwartet hat und er deshalb viel schwerer war”.

„Unglaublich imponierend” fand Ex-Manager Hannes Linßen die Stimmung im Stadion, die er ebenso live erlebte wie Ex-Trainer Ewald Lienen. Der wollte nur soviel sagen: „Der FC ist verdient aufgestiegen.”

Für den einstigen Kölner Stürmer Hannes Löhr ist der Aufstieg „ohne jeden Zweifel überlebenswichtig”, während Präsident Albert Caspers festhielt: „Einen dritten Abstieg kann sich der Klub in dieser Stadt nicht mehr leisten.”