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Köln: FC-Defensive zeigt kein Erstliga-Format

Köln : FC-Defensive zeigt kein Erstliga-Format

Andreas Rettig unternahm den untauglichen Versuch, die Sache glatt zu reden.

„Die Leistung war der Spielklasse angemessen, das Ergebnis nicht”, fasste der Manager des 1. FC Köln den Nachmittag im Glutofen RheinEnergieStadion zusammen.

Aber die Fakten schufen ein anderes Bild und forderten eine differenziertere Einschätzung der Situation. Denn nach der 1:2 (1:1)-Pleite gegen den 1. FC Kaiserslautern muss auch dem unverbesserlichsten Hardcore-Fan der „Geißböcke” klar geworden sein, wohin die Reise geht: Köln steckt schon nach zwei Spieltagen im Kampf um den Klassenerhalt.

Öffentlich predigen die sportlich Verantwortlichen beim FC Ruhe und Geduld. „Irgendwann gehen die Dinger auch wieder rein”, formuliert Trainer Friedhelm Funkel sein Credo.

Dabei sind die Stürmer die Aktivposten in seiner Mannschaft. Andrey Voronin war auch gegen Kaiserslautern ein ständiger Unruheherd in der Gäste-Abwehr, Marius Ebbers erzielte das 1:0 (38.) und traf einmal nur den Pfosten (67.).

Die Kölner Schwachpunkte wurden in den 50 Sekunden nach Ebbers Führung sichtbar: Kapitän Dirk Lottner legte eine Ruhepause ein, Christian Springer ging mal wieder halbherzig in einen Zweikampf, und Markus Happe war einmal mehr nicht im Bilde - und Miro Klose nickte den Ball zum 1:1 ins lange Eck.

Zur Pause hätten Kaiserslautern mit zwei oder gar drei Treffern Differenz führen können. 11:1 lagen die „Roten Teufel” im Eckenverhältnis vorne. Lottner und Sebastian Schindzielorz mussten nach Standards jeweils auf der Linie retten. Kölns Defensive war ein Torso.

Diese Entwicklung hatte sich allerdings früh abgezeichnet. Als Mustafa Dogan nach einem Pressschlag mit Klose mit einer Außenband- und Sprunggelenkverletzung raus musste, verschwand auch die Sicherheit in der FC-Deckung.

Da auch der gesperrte Moses Sichone fehlte und Thomas Cichon nach einer Oberschenkel-Verletzung erst morgen wieder ins Training zurück kehrt, stand mit Happe und Carsten Cullmann eine Innenverteidigung auf dem Platz, die es so kein zweites Mal mehr geben dürfte.

Dogan unterzieht sich heute einer Kernspin-Tomographie. Danach steht fest, wie lange der Abwehrchef ausfallen wird. „Viel darf nicht mehr passieren, dann müssen wir noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden”, denkt Manager Rettig nach.

Doch es waren nicht nur die Defensiv-Mängel, die Köln an Spieltag 2 Niederlage 2 beschert hatten. Die Schlüsselszene spielte sich in der 56. Minute ab, als Matthias Scherz in einem Strafraumduell mit Torhüter Tim Wiese fiel. Gelbe Karte für den Keeper, fragwürdiger Elfmeter für den FC.

Und Lottner scheiterte an Wiese. „Da hätten wir das Spiel drehen können”, sagte Funkel. Als Wiese dann neun Minuten später vor dem Strafraum gegen Voronin die „Notbremse” zog und Gelb-Rot sah, hatte Köln 25 Minuten lang einen Spieler mehr auf dem Feld.

Bei einer Hitze von 37 Grad ein unglaublich großer Vorteil. Aber der Schuss ging nach hinten los. Dimitrios Grammozis durfte mit dem Ball unbedrängt diagonal auf den Strafraum zulaufen und erschoss Kölns Hoffnungen (76.). „Ich hab gar nicht gezielt”, strahlte der Grieche. „Ich hab einfach draufgehalten.” Und für den verdienten Sieg gesorgt.

Und wer nach dieser Vorstellung daran glaubt, dass in Schalke, gegen Dortmund oder bei 1860 München der Weg aus dem Tabellenkeller gefunden wird, der muss schon die Fakten ignorieren, an ein Wunder glauben oder auf Leistungsreserven hoffen.

Wie Jörg Heinrich: „Wir müssen alle noch mehr beißen und noch mehr laufen. Sonst werden wir immer dieses eine Tor schlechter sein als der Gegner.”