Aachen: Fassungslosigkeit am Tivoli nach Aachens 0:3 gegen Paderborn

Aachen: Fassungslosigkeit am Tivoli nach Aachens 0:3 gegen Paderborn

Alles war angerichtet: die Gegner hatten wieder einmal für Aachen gespielt, ein Spieltag wie gemalt, um in der Tabelle den Abstand etwas auszupolstern. „Wir waren heiß auf drei Punkte”, stellte Benny Auer am Ende kopfschüttelnd fest.

Am Ende des Nachmittags herrschte Fassungslosigkeit am Tivoli.

Alemannia unterlag nach desolater Leistung dem SC Paderborn mit 0:3, das war nur eine von mehreren schlechten Nachrichten.

Zudem verlor das Team auch noch Albert Streit (Gelb-Rote) und Seyi Olajengbesi (Rote Karte). Und noch eine besorgniserregende Nachricht: Die Mannschaft hat wieder sieben torlose Halbzeiten hinter sich. Die Aussicht auf ein Tor gegen den SC Paderborn war nach fünf munteren Minuten verpufft.

Die Mannschaft kreiert keine Chancen, sie ist unfassbar harmlos. „Fußballerisch war das sehr wenig”, bedauerte Kapitän Benny Auer, der am Ende der gestörten Produktionskette stand.

Sein Trainer Friedhelm Funkel urteilte dagegen milde wie Pater Leppich nach dem schlechtesten Spiel unter seiner Ägide: „Die Mannschaft braucht wohltuende Worte. Sie gehört nicht in den Senkel gestellt. Sie zeigt seit Wochen starken Willen, heute ist sie an einem eindeutig besseren Gegner gescheitert.”

Der erste Eindruck der 15.071 Fans war noch ein anderer. Alemannia legte energisch vor, der Funke sprang früh über. Nach zwei Minuten verhinderte Rechtsverteidiger Wemmer in letzter Sekunde, dass Albert Streit dicht vor dem Tor nur noch einschieben musste.

Dann köpfte Benny Auer einen Eckball übers Tor (4.). Das ließ auf eine furioses Spiel hoffen, was schnell als krasses Wunschdenken entlarvt wurde.

Die Hausherren wurden wieder zögerlich, dosierten das Risiko. Der Ball wurde nur noch übers Restgrün gedroschen, gelungene Kombinationen sah man nicht. Paderborns Keeper Lukas Kruse hätte ein Buch mitbringen können, auf sein Tor flog kein einziger Ball. Die Gäste hatten mehr Ballbesitz, zeigten die flüssigeren Kombinationen - aber sonderlich zielführend waren auch sie nicht.

Die beste Gelegenheit spendierte Aachens Verteidiger Shervin Radjabali-Fardi mit einem unfassbaren Fehlpass. Paderborns Mittelstürmer Nick Proschwitz prüfte Keeper Boy Waterman mit einem Aufsetzer (9.).

Es war die letzte Aktion des besten Torjägers in der 2. Liga. Nach einem Zusammenprall mit Seyi Olajengbesi wurde er mit Verdacht auf Jochbeinbruch ausgewechselt.

Die Zuschauer spendeten noch aufmunternden Beifall, als die Halbzeit endlich abgepfiffen wurde, so wie man Schüler versucht zu trösten, die gerade mit einer schlechten Note nach Hause kommen. Es hätte ja auch besser werden können.

Stattdessen umkurvte Mehmet Kara Seyi Olajengbesi im Mittelfeld wie einen abgestellten Betonsack, seinen Schuss wehrte Waterman noch ab, im zweiten Anlauf gelang Matthew Taylor die Führung der Gäste - 0:1 (55.). Das war nur der erste Streich, Kara überraschte Waterman von der rechten Seite, das 2:0 (62.) war für Taylor eine leichte Übung.

Funkel holte seine Rakete aus dem Depot: David Odonkor ersetzte den schwachen Kevin Kratz. Sein anderer Außenspieler im Mittelfeld machte dann auch nicht mehr mit. Albert Streit schlug verärgert auf den Ball nach einer Entscheidung gegen sich, der nervend kleinlich pfeifende Schiedsrichter Patrick Ittrich erinnerte sich an dessen Vorstrafe und schickte ihn mit Gelb-Rot vom Platz (74.).

„Wenn sich ein Spieler über sich ärgert, muss man nicht zwingend so reagieren”, war Funkel nicht einverstanden mit der Matchstrafe. Und auch den Platzverweis für seinen unsicheren Abwehrchef Seyi Olajengbesi nur vier Minuten später akzeptierte er nicht. Der hatte vor einem Freistoß Paderborns Kapitän Krösche auf den Fuß getreten.

„Unabsichtlich beim Rückwärtsgehen”, urteilte Funkel. Ein paar Minuten später war der Trainer noch einsamer, sein Co-Trainer Christoph John wurde reklamierend auf die Tribüne geschickt. Und doch wurde die Schiedrichter-Debatte am Tivoli nur auf kleiner Flamme geköchelt, zu eindeutig waren die Verhältnisse an diesem Tag.

In der Schlussphase hätten die Gäste Aachens Torverhältnis noch weiter zertrümmern können, lediglich Alushi gelang noch das 0:3 (89.). Hoffnung machte Funkel nach der desolaten Vorstellung nur der Spielplan: „Wir spielen nicht immer gegen so starke Teams, wir müssen gegen die unmittelbare Konkurrenz punkten.” Am Freitag steht die Partie bei der aktuell besten Mannschaft der Liga an...