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Hamburg: Fan-Vertreter: Rassismus-Rufe nur Einzelfälle

Hamburg : Fan-Vertreter: Rassismus-Rufe nur Einzelfälle

Auch nach den jüngsten rassistischen Schmährufen in Rostock und Aachen sehen Fan-Vertreter kein grundsätzliches Rassismus-Problem im deutschen Profi-Fußball.

„Die da rufen, das sind nur Einzelpersonen”, sagte Robert Jacobs, der Fan-Beauftragte des Bundesligisten Alemannia Aachen, bei einer dpa-Umfrage am Donnerstag.

Einer Studie des Hannoveraner Fanforschers Professor Gunther A. Pilz zufolge sind rassistische Beleidigungen in vielen Stadien zwar zurückgegangen, seien aber lediglich subtileren Formen wie Sexismus und verbalen Angriffen auf Homosexualität gewichen. Außerhalb der Arenen würden Fans weiterhin rassistische Ansichten äußern.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte zu Beginn der Woche Ermittlungen gegen die Bundesligisten Alemannia Aachen und Borussia Mönchengladbach eingeleitet, nachdem beim Aufeinandertreffen beider Vereine am Samstag der Gladbacher Kahe und der Aachener Moses Sichone von Zuschauern beschimpft worden waren.

Borussias Anhang wehrt sich gegen die Vorwürfe. „Offen politisch motivierter Rassismus und Fremdenfeindlichkeit findet grundsätzlich in unserer Fanszene nicht statt”, sagte Thomas Ludwig, Vorsitzender des Gladbacher Fan- Projekts. Es sei der falsche Weg, nach verbalen Entgleisungen Einzelner „eine ganze Fanszene zu verurteilen”, warnte Ludwig.

Auch Fan-Vertreter anderer Erstligisten gehen trotz der neuerlichen Vorfälle nicht von einem Trend aus. „Das ist alles schon seit Jahren bei uns überhaupt kein Thema”, sagte Andreas Hornung, Fan-Beauftragter von Eintracht Frankfurt.

Auch Hornungs Kollegen bei den Liga-Rivalen VfL Wolfsburg und FSV Mainz 05 sehen ihren Anhang weitgehend frei von rassistischen Tendenzen. „Es ist viel besser geworden, zumal ja in jedem Verein farbige Profis spielen. Da hat es irgendwann auch der Dümmste begriffen”, meinte Jürgen Bergmann vom 1. FC Nürnberg. „Bei unseren Heimspielen habe wir da keine Probleme”, sagte Ronny Gersch, Sprecher des FC Energie Cottbus.

Fanforscher Pilz warnte in einer Studie allerdings, das Rassismus- Problem im Fußball sei keineswegs bewältigt. Zwar äußerten in einer Umfrage des Wissenschaftlers 71 Prozent der Fans, dass rassistische Äußerungen nicht in das Stadion gehörten. Dennoch tun nur 26 Prozent der Ultra-Anhänger in den neuen Bundesländern und 42 Prozent in den alten Bundesländern etwas dagegen. Als Ultras gelten Fans, die sich extrem mit ihren Vereinen identifizieren, nicht aber Hooligans.

Im Kampf gegen ein neuerliches Aufflackern von Rassismus in den Stadien setzen die meisten Vereine auf vorbeugende Gespräche mit möglichen „Problem-Fans” und auf präventive Maßnahmen. „Wenn eine Gruppe offizieller Fanclub von Hertha BSC werden will, müssen sie eine Erklärung gegen Rassismus unterschreiben”, sagte Steffen Wirth, Fan-Beauftragter des Berliner Bundesligisten. Ähnlich ist es beim VfB Stuttgart, der am Samstag bei der Partie gegen Frankfurt mit einer Anzeige im Stadionheft zum Kampf gegen Rassismus aufrufen wird.

Die Borussia aus Mönchengladbach will in der Rückrunde bei ihren Heimspielen gezielte Aktionen organisieren. Bei Werder Bremen werden regelmäßig Handzettel mit Anti-Rassismus-Aufrufen im Fanblock verteilt, Nord-Rivale Hamburger SV engagiert sich in der Initiative „Laut gegen Nazis”. „Wir pflegen einen offensiven Umgang mit dem Thema”, sagte HSV-Fansprecher René Koch.

Der VfL Bochum warnt seine Anhänger davor, dass den Clubs künftig harte Strafen drohen, wenn von den Rängen rassistische Parolen erschallen. Der DFB hatte auf seinem jüngsten Bundestag beschlossen, dass Clubs für Fehlverhalten ihrer Fans mit Punktabzug bestraft werden können. „Viele Fans sind wegen des Spiels in Aachen verunsichert”, berichtet Bochums Fanbeauftragter Dirk Michalowski.

Klar Stellung bezogen zu Wochenbeginn die Fans des Zweitligisten Hansa Rostock, nachdem der Schalker Nationalspieler Gerald Asamoah im DFB-Pokalspiel bei der Hansa-Reserve beleidigt worden war. Mit einer Plakataktion setzten die Anhänger am Montag beim Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern ein Zeichen gegen Diskriminierung. „Es kommt aber auch auf die Zivilcourage und die Fans selber an”, sagte der Hansa- Fanbeauftragte Axel Klingbeil.