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Aachen: „FairPlayLiga stellt die Kinder in den Mittelpunkt“

Aachen : „FairPlayLiga stellt die Kinder in den Mittelpunkt“

2007 startete das Projekt FairPlayLiga (FPL) im Fußballkreis Aachen. Nun — sechs Jahre später — breitet sich die Spielform auf den Fußballplätzen in ganz Deutschland aus. In zwei Landesverbänden kicken die Kinder bereits nach den FPL-Regeln, in zehn weiteren laufen derzeit Pilotprojekte.

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist längst auf das Modell der FairPlayLiga aufmerksam geworden. Bei den DFB-Jugendfachtagungen unter dem Motto „Jugendfußball — Basis für die Zukunft“ in Frankfurt und Hannover war sie zuletzt eines der Top-Themen. Mit dem DFB-Direktor für Amateurfußball, Qualifizierung, Schiedsrichter und gesellschaftliche Verantwortung, Willi Hink, sprach unser Mitarbeiter Johannes Mohren über das Kinderfußball-Konzept „made in Aachen“.

 „Es ist eine langfristige Präventivmaßnahme“ Die FairPlay-Liga erobert seit 2007 von Aachen aus die Kinderplätze der Fußball-Republik. Nun rückt sie auch beim DFB immer mehr in den Fokus. Aachen/Frankfurt. 2007 startete das Projekt FairPlay-Liga (FPL)
„Es ist eine langfristige Präventivmaßnahme“ Die FairPlay-Liga erobert seit 2007 von Aachen aus die Kinderplätze der Fußball-Republik. Nun rückt sie auch beim DFB immer mehr in den Fokus. Aachen/Frankfurt. 2007 startete das Projekt FairPlay-Liga (FPL)

Herr Hink, was macht für Sie den Reiz der FairPlayLiga aus?

Hink: Die FairPlayLiga stellt die Kinder in den Mittelpunkt. Sie schafft es, äußere Störfaktoren, die Einfluss auf das Spiel der Kinder nehmen, zu minimieren. Und genau das muss das Ziel sein. Wir dürfen die Kinder nicht unterschätzen: Sie spielen ganz ohne das Eingreifen von Erwachsenen friedlich und fußballorientiert zusammen. Im Straßenfußball lässt sich immer alles klären, weil alle am Ende ein Ziel haben: gemeinsam Fußball spielen. Die Kinder können hier wichtige Normen und Regeln lernen und Verantwortung übernehmen. Fußball ist eine Plattform für ihre Entwicklung.

An was für Störfaktoren denken Sie?

Hink: Im Fokus stehen die Trainer und Zuschauer. Für sie sieht die FairPlayLiga neue Regeln vor — und bedeutet eine große Umstellung.

Was wird von den Jugendtrainern erwartet?

Hink: Ihnen kommt eine absolute Schlüsselrolle zu. Natürlich haben Sie ihre persönlichen sportlichen Ziele — diese dürfen aber nicht im Vordergrund stehen. Wichtig ist vielmehr ein faires Miteinander an der Seitenlinie. Die Trainerkollegen müssen sich verbünden, das Spiel gemeinsam moderieren. Konflikte, ob an der Seitenlinie oder unter den Zuschauern, sind nicht förderlich. Das zentrale Ziel muss sein, den Kindern Fußball zu ermöglichen und wirklich kindgerecht mit ihnen umzugehen. Und da sitzen wir alle in einem Boot.

Wie positioniert sich der DFB als Dachverband zur FairPlayLiga?

Hink: Die Einführung der FairPlayLiga liegt in der Hand der Landesverbände und ihrer Kreise. Nur sie können sich zu dem Modell entscheiden. Wir vom DFB wollen keinen Druck ausüben. Das verhindert oft nur eine Lösung. Aber wir werden immer wieder dazu ermuntern, das Konzept zu übernehmen. In zwei Landesverbänden wird bereits nach dem Modell gespielt, in zehn weiteren laufen Pilotprojekte. Der Weg ist eingeschlagen. Insgesamt ist das ein Prozess, in dem es gilt, langfristig zu denken.

Zuletzt war die FairPlayLiga auch ein Top-Thema bei den Jugendfachtagungen des DFB in Frankfurt und Hannover. Dort gab es das direkte Feedback aus den Fußballkreisen zu dem Modell. Wie fiel das aus?

Hink: Die Obleute, die in den Kreisen für die Jugend zuständig sind, gehen sehr umfangreiche Aufgaben an. Schon im allgemeinen Tagesgeschäft haben sie jede Menge zu tun. Sie fungieren nicht deshalb unbedingt alle per se als die change agents, die den Wandel herbeiführen wollen. Aber die Tagung hat viele offener gemacht. Die Bereitschaft, das Projekt FairPlayLiga anzugehen, wächst. Die Jugendfachtagungen haben sicherlich zu Bewegung und einer Beschleunigung geführt. Es gab in den Arbeitsgruppen ein sehr positives Votum. Damit ist die Basis für weitere Schritte geschaffen.

Gibt es dennoch auch konkrete Kritikpunkte am Modell FairPlayLiga?

Hink: Ja. Oft geht es dabei aber in erster Linie um bauliche und organisatorische Dinge. Wie schaffe ich es zum Beispiel, die Eltern tatsächlich die 15 Meter vom Spielfeld fernzuhalten? Das lässt sich vielleicht nicht überall umsetzen. Für mich ist aber ohnehin vor allem wichtig, dass der Geist der drei zentralen Regeln der FairPlayLiga (siehe „Loslassen statt...“) eingehalten wird. Wenn Trainer und Zuschauer diese verinnerlicht haben, können die Zwangsmaßnahmen sowieso in den Hintergrund treten.

Was sind die Argumente für die FairPlayLiga? Und warum rückt sie beim DFB zunehmend in den Fokus?

Hink: Wir verstehen das Modell als langfristig wirkende Präventivmaßnahme. Sie soll den Kindern den Start in eine am Gedanken des Fairplays gebundene Karriere bringen. Die Werteorientierung soll bewusst zu dem frühen Zeitpunkt einsetzen.

Ist die (offensive) Unterstützung der FairPlayLiga seitens des DFB somit eine direkte Reaktion auf die Gewalt auf den Fußballplätzen?

Hink: Ja, wir als DFB wollen uns diesem Thema stärker zuwenden. Wir machen uns ein genaues Bild über die Gewaltentwicklung im Amateurfußball. Nach dem, was wir bisher wissen, hat die Gewalt objektiv nicht zugenommen. In der Qualität lassen sich allerdings Unterschiede feststellen. Die Gewalt wird dort, wo sie ausbricht, zunehmend drastischer, hemmungsloser. Das wiederum aber ist eine Entwicklung, die wir in der gesamten Gesellschaft feststellen müssen. Da über sechzig Prozent der Jungen mal — ob kurz oder lang — in einem Fußballverein kicken, lohnt es sich durchaus, genau hier anzusetzen und der Verrohungstendenz entgegenzuwirken. Die FPL kann da einen Beitrag leisten.

Ralf Klohr ist das Gesicht der FairPlayLiga. Er hat es 2007 in Aachen aus der Taufe gehoben. Wie wichtig ist er für das Projekt?

Hink: Ralf Klohr ist ein Mann, der eine Idee hat. Und er ist das lebende Beispiel dafür, dass jemand, der energisch für eine gute Idee eintritt, in dieser Gesellschaft viel erreichen kann.