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Marbella: Fach-Mann und Hunde-Narr

Marbella : Fach-Mann und Hunde-Narr

„Wer bist du denn”, fragt Holger Fach seinen Nachbarn, der es sich im Hotel-Sessel neben ihm bequem gemacht hat. Liebevoll tätschelt Borussia Mönchengladbachs Trainer dem Neuankömmling den Kopf.

Der quittiert die Streicheleinheiten mit einem tiefen Seufzer. Hunden gehört die uneingeschränkte Zuneigung des Borussen-Trainers. „Wie können Menschen so ein tolles Wesen quälen?”, fragt Holger Fach. Da hats sein Promenaden-Mischling besser. Paula macht sich daheim sogar im Bett breit.

Für einen Hundeliebhaber mit Neigung zu Gattungs-Übertragungen müsste in diesem Moment feststehen: Der Mann muss ein guter Mensch sein. Das wäre bereits die zweite Transferleistung in Sachen Fach.

Noch vor Wochen ordnete ein Großteil der Beobachter und -urteiler den Aufstieg des Wuppertaler Schlaks vom Regionalliga- zum Bundesliga-Trainer seiner Freundschaft mit Sportdirektor Christian Hochstätter zu.

Freunde-Wirtschaft statt Fach-Entscheidung: Die fünf Siege aus den letzten sechs Spielen nach einer anfänglichen Durststrecke haben die Unterstellung ad absurdum geführt.

Gute Zeugnisse

Auch die seit Jahren transportierten Persönlichkeits-Makel sind von der Punkte-Flut weggespült worden. „Immer hat es geheißen, um Gottes Willen - nicht den. Solche Leute sollten sich jetzt mal hinterfragen.”

Was ihm bei entsprechender Gemengelage auch schon während seiner aktiven Zeit als Profi-Fußballer immer um die Ohren gehauen wurde, ist in seinen Augen eine Qualität: „Man wollte immer, dass ich Stellung beziehe. Das habe ich getan. Und tue es noch heute. Ich bin nicht Everybodys Darling.”

Aber einer mit guten Zeugnissen über seine erledigten Arbeiten. „Man kann die Klubs oder Spieler fragen, wo ich gearbeitet habe. Zu allen habe ich immer noch ein gutes Verhältnis.”

Jüngste Bekenner-Aussagen stammen aus der Amateur-Mannschaft der Borussia. Selbst von Spielern, die unter Fach kaum zum Zuge gekommen sind.

Mehrere Stationen als Landesliga-Trainer, Chef-Scout und Oberliga-Coach bei Borussia, erfolgreiche Kurzvisite beim Regionalligisten RW Essen. „Zweieinhalb Jahre ging es nur nach oben.”

Doch eine Gesetzmäßigkeit leitet der 41-Jährige daraus nicht ab. „Wenn jemand glaubt, von den nächsten zwölf Spielen wären wir in zehn erfolgreich, da kannst du einen Haken dran machen. Wenn einer glaubt, es kämen keine Rückschläge, der hat keine Ahnung von Fußball.”

Das Trainingslager aber bestätigt ihn in seinem Urteil: „Wenn wir die auch im Trainingslager wieder gezeigte Intensität mit den vorhandenen fußballerischen Möglichkeiten verknüpfen, reicht es auf jeden Fall.”

Für den schon wieder grassierenden Höhenkoller ist er nicht anfällig. „Das interessiert mich nicht. Mich interessiert nur drinzubleiben.”

Das Drinbleiben in seinem Traumberuf steht fußballspezifisch auf tönernen Füßen. Etliche der letzten Siege hatten den süßsauren Beigeschmack von glücklich.

Doch den Zufallsgenerator sieht er beim Erfolgsweg dennoch nicht angeworfen. „Von den letzten zwölf Spielen nur drei verloren. Das kann kein Zufall sein. Und wenn auch einige Siege etwas glücklich waren. Welche waren unverdient? Keine!”

Die Lockerheit, die er verbreitet - „Wer zu mir freundlich ist, zu dem bin ich auch freundlich” - hat den Spielern die Lust am Fußball zurückgegeben. Den Kasperl aber macht er dennoch nicht. Er nennt sich gerne einen „demokratischen Diktator”.

Einer, der aber etliche Erfahrungen im niedrigeren Fußball-Volk gemacht hat. Dies hat ihn vom unter seinen Erstliga-Kollegen doch stark verbreiteten Standesdünkeln bewahrt.

In seinen Augen arbeiten in der Landesliga etliche Trainer, die es auch in der Ersten Liga schaffen könnten. Denn grundsätzlich schwieriger findet er die Arbeit erster Klasse nicht.

„In der Landesliga muss du alles selbst organisieren, anrufen, Spieler bei Laune halten, du darfst sie nicht in den Arsch treten. Die Profis wohl - die kommen immer wieder. In der Landesliga aber laufen jedes Jahr die Verträge aus.”

Seiner erst 2006. Eigentlich. Denn über die Dicke des Geduldsfadens auch bei seinen Vorgesetzten macht sich Holger Fach keine Illusionen. „Du kannst nicht vier Monate nur auf die inneren Werte achten.” Der Trainer im Dalmatiner-Outfit: Nur die Punkte zählen.