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Mönchengladbacher: Fach-Männer versagen bei der Aktion zweites Tor

Mönchengladbacher : Fach-Männer versagen bei der Aktion zweites Tor

Es sind die unangenehmen Momente für einen Sportdirektor: Umringt von Journalisten heißt es, nach der Enttäuschung Contenance bewahren, nüchtern aber nicht überkritisch analysieren und das ganze mit einer Prise Optimismus würzen.

Borussias Christian Hochstätter gelang dies nach dem 1:1 gegen Hansa Rostock. Wenn auch mit Unterstützung eines Journalisten. „Wir haben aggressiv nach vorn verteidigt, guten Fußball gezeigt und eine Menge Chancen herausgespielt. Aber das interessiert morgen keinen mehr.”

Jede dieser vergebenen Tormöglichkeiten scheint sich als Sorgenfalte in das düstere Gesicht des Managers eingegraben zu haben. „13 waren es”, legt ein berufsmäßiger Beobachter noch einmal das ganze Elend eines schwarzen Allerheiligen-Nachmittags bloß. „Das 1:1 ist zu wenig”, resümiert Hochstätter noch einmal tapfer.

Mitleidiges Schweigen ob solcher Ehrlichkeit. Dann der Manager-Nachsatz: „Aber ich weiß nicht, was die anderen gemacht haben...” Ein um das Seelenheil der Gladbacher Leidfigur besorgter Journalist zaubert einen zarten Silberstreif an den dunklen Niederrhein-Himmel: „Alles gut..”

Köln verloren, Frankfurt verloren, Hertha verloren. Mutmacher haben Konjunktur am Bökelberg, auch musikalisch: „Steh auf, wenn Du am Boden liegst!” tönten die „Toten Hosen” aus den Lautsprechern, als van Lent & Co. bedröppelt das Stadion verließen. Auch die akustische Begleitung der Nordkurve war anders als beim 2:2 gegen Bochum eine trotzig-positive: Da haben sich zwei Seiten entwickelt.

Die Fach-Männer machten trotz des Nicht-Sieges einen weiteren Schritt in Sachen Kompaktheit, spielerischer Anspruch und Kampfgeist. Die Fans scheinen einen Crash-Kurs in Sport-Pädagogik belegt zu haben. Gerade in den Momenten, wo die vom Pokal-Erfolg geschlauchten Profis durchhingen und altes Nervenflattern ansatzweise durch das dünne Selbstvertrauen schimmerte, folgte das Vokal-Doping.

Selbst die notorisch so nörgel-wütige Haupttribüne wurde zum 1000-stimmigen Wechselgesang genötigt: „Vau-Eff-Ähäl”.

Der erste Liga-Sieg unter Trainer Holger Fach war noch nie so nah, nach dem 1:0 durch das Geburtstagskind Vaclav Sverkos (30.). Doch mit Ungeschick (Strasser) und Pech (van Lent, van Hout, Korzynietz) scheiterten die Gladbacher beim Unternehmen zweites Tor.

Besonders dicht dran war Arie van Lent, der einen von Schiri Markus Merk „gnädig” verhängten Strafstoß (Möhrle an Sverkos) an den Pfosten ballerte (35.). „Ich war mir viel sicherer als gegen Bochum. Anstatt zu schieben habe ich geknallt, weil der Schober ja so lang ist”, erklärte van Lent. Noch am Sonntag wurmte ihn sein Fehlschuss und auch, „dass ich ein bisschen Ball-unsicher war. Ich will Holger Fach unbedingt sein Vertrauen rückzahlen.”

Der machte nur einen kollektiven Vorwurf, „das zweite Tor nicht gemacht” zu haben. Wenig später fiel ihm noch ein Nachtrag ein: „Und der Eckball, den Ojigwe völlig unnötig verursacht hat.” Den nutzte Rostocks Joakim Persson, indem er die Faustabwehr von Borussen-Keeper Jörg Stiel aus 22 Metern direkt in die Maschen jagte (33.).

„In Leverkusen macht der Schneider ein Tor, das macht er einmal von zehn. Der Persson macht das einmal von 100”, schüttelte Stiel den Kopf. Die Borussia und der kleinprozentige Fluch. Die eigene Chancenverwertungs-Quote eins aus 13 ist ein größeres Ärgernis: hundertprozentig.