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Mönchengladbach: Ewald Lienens Manifest des Vertrauens

Mönchengladbach : Ewald Lienens Manifest des Vertrauens

Mit der fußballerischen Offensive klappt es bei Borussia Mönchengladbach nicht. Mit der verbalen ist es auch nicht weit her.

Vor dem Auswärtsspiel bei Hannover 96 hielt Trainer Ewald Lienen einen Monolog in eigener Sache.

Hintergrund: Er wundere sich, dass nach drei schlechten Spielen (Stuttgart, Freiburg, Frankfurt) der Trainer auf der Abschussliste stehe, nachdem er in den neun Spielen zuvor (sieben aus der letzten Saison) unbesiegt und alles Friede, Freude, Sonnenschein gewesen sei. „So rasant kann die Entwicklung verlaufen.”

Offensichtlich auch seine eigene. Stellt doch der Fußball-Lehrer nun plötzlich fest, wer für die Mannschaft wichtig ist und wer nicht: „Ich bin nicht mehr bereit, einigen Spielern in den Hintern zu treten. Jetzt spielen die, die nicht in den Hintern getreten werden müssen. Die anderen müssen sich erst mal wieder hinten anstellen.”

Zu den „Ungefährdeten” gehört auch wieder Arie van Lent, von dem Lienen nach dem fünften Spieltag erkannt hat, „dass er wichtig für die Mannschaft ist. Er kann den Ball festhalten, ist der Kapitän und hat Tore erzielt, wenn er reinkam oder in Testspielen.”

Eine Wiedergeburt feiert auch Max Eberl, den Lienen zwar in seiner Aufzählung als „Neuling” vergessen hatte, auf Nachfrage aber „nachnominierte”: „Er hat es verdient durch hervorragende Trainingsleistung.”

Deshalb darf der Bayer wieder hinten rechts verteidigen. Bernd Korzynietz rückt ins Mittelfeld vor. Immerhin hat er „zuletzt auch nicht so gut wie Manni Kaltz gespielt, aber auch nicht so schlecht, dass er erschossen werden müsste”, lautet die Begründung des Pazifisten.

Lienens Manifest des Vertrauens gerät dann endgültig zum Ausdruck eines inneren Widerspruchs. Joonas Kolkka darf endlich auf der Seite auflaufen, für die er gekauft worden ist - Linksaußen, „da, wo er hingehört”. Auf die Bank muss dafür Marcel Ketelaer, der gegen Frankfurt zwar unterirdisch gespielt habe. Dass er dafür aber „in die Steinzeit kritisiert wurde”, versteht Lienen nicht, „weil Kette ein guter Junge ist. Auf ihn lasse ich nichts kommen.”

Seine Zukunft in einem anderen Klub suchen wird wohl im Winter Michael Melka. Vor einer Woche besaß er noch das „volle Vertrauen” seines Trainers. Auch jetzt macht der Trainer dem Keeper „keine Vorwürfe”. Trotzdem darf Oldie Claus Reitmaier für den noch nicht ganz fitten Jörg Stiel ins Tor.

„Er hat im Training hervorragende Leistungen gezeigt, besitzt Erfahrung und wird von der Mannschaft akzeptiert.” Ein Sieg per Akklamation: Schon zu Wolfsburger Zeiten haben die Gladbach-Anhänger den bekennenden Borussen-Fan - „Clausi, huhu” - ins Herz geschlossen. So wie Lienen die Nordkurve. „Ich bin stolz auf sie.” Krisenzeiten sind eben auch populistische Zeiten.

Und so freuen wir uns für Lawrence Aidoo, dass sein Trainer ihm nach „Problemen” nun die Gabe bescheinigt, „einen Mann auszudribbeln”. Und so nebenbei ärgert es ihn, dass er wider besseren Wissens nicht Oliver Kirch eher gebracht hat und stellt ihn in die Innenverteidigung.

Dafür darf dann auch gleich Milan Obradovic das linke Kettenglied mimen - „bedingt durch die vielen Verletzten” (neben Pletsch und van Hout erwischte es diese Woche auch noch Asanin/Leiste, van Houdt/Rippe und Ojigwe/Adduktoren).

Sollte das etwa auch der Grund für das große Stühlerücken sein? „Ich habe gut trainiert”, versucht Max Eberl seine Aufwertung zu verstehen. „Aber das habe ich auch schon vorher.” Nun ist er sogar „ein Führungsspieler, einer der spricht, Kommandos gibt”. Dass machen Morten Skoubo und Vaclav Sverkos nicht. Dafür können sie „Top-Stürmer werden”. Samstag aber sitzen die stillen Stürmer erst mal auf der Bank.

Lienens Manifest des Vertrauens. Fürs Kleingedruckte schlägt der Fußball-Lehrer mannhaft eine General-Absolution vor. „Ich übernehme immer die Verantwortung für die Leistung der Mannschaft.”