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Mönchengladbach: Ewald Lienen über Denkzettel und Startprobleme

Mönchengladbach : Ewald Lienen über Denkzettel und Startprobleme

Vier Ligaspiele und eine gelöste Pokalaufgabe liegen hinter Ewald Lienen und seiner Mönchengladbacher Borussia.

Zu früh, um bereits ein Zwischen-Fazit zu ziehen. Aber vielleicht der richtige Moment, um Gladbachs Trainer auf einige Problemfelder anzusprechen. AZ-Redakteur Bernd Schneiders suchte und fand diese Gelegenheit vor dem Spiel am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt.

Haben Sie noch keine Stammelf gefunden, oder gibt es in diesem Sinne keine Stammelf für Sie?

Lienen: Wir haben in den ersten vier Meisterschaftspartien mit den gleichen Leuten gespielt. Es haben immer Jörg Stiel, Bernd Korzynietz, Marcelo Pletsch, Jeff Strasser, Sladan Asanin, Peer Kluge, Joonas Kolkka gespielt, Ivo Ulich bis auf einmal, Igor Demo ebenfalls. Es gibt drei Leute, die einmal nicht angefangen haben: Mehr Kontinuität irgendwo reinzubringen, ist relativ schwer. Ich habe immer versucht, mit der gleichen Mannschaft zu spielen.

Aber im Sturm doch nicht. Arie van Lent hat im ersten Spiel angefangen, obwohl in der Vorbereitung häufig Sverkos gespielt hat. Dann war van Lent draußen.

Lienen: Die Vorbereitung können Sie vergessen, weil Sverkos, Kolkka und Skoubo in den ersten 14 Tagen gar nicht dabei waren. Und dann haben sie eine Zeit lang gebraucht, um ranzukommen. Es gab keine Chance, rein aus organisatorischen Gründen, dass sich eine Mannschaft einspielt.

Haben Sie denn jetzt eine Vorstellung, wie Ihr erster Sturm aussieht?

Lienen: Wenn man die letzten Spiele sieht, ist es schwer zu sagen, dass sich jetzt eine unausweichliche Stammformation im Sturm herauskristallisiert hat.

Ihre geforderte Flexibilität in Sachen Formation, ist das ein zu hoher Anspruch?

Lienen: Die Mannschaft hat jahrelang 4-3-3 gespielt, ist das gewohnt. In Bremen und Freiburg wars ein 3-5-2, und beide Male hatten wir eine Unmenge an Torchancen, mussten beide Spiele klar gewinnen. In Freiburg haushoch. Wenn das Spiel 7:4 ausgeht, wäre es korrekt gewesen. Aber nun gut, vielleicht spricht das auch dagegen, 3-5-2 zu spielen. Die Gegentore in Freiburg aber waren individuelle Fehler.

Sie legen im Training einen Schwerpunkt auf die Standards. Fast alle Tore sind aus solchen Situationen gefallen, kaum ein Tor aus dem Spiel heraus.

Lienen: Ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen, dass wir so viele Standards trainieren. Wir trainieren das einmal die Woche. Das ist normal. Und wenn ich das nicht mache, vergebe ich eine riesengroße Chance, aus Standards Tore zu machen oder zu verhindern. Einmal die Woche! Ansonsten spielen wir Fußball den ganzen Tag.

Dann täuscht es wahrscheinlich auch, dass Sie sich viel mehr nach dem Gegner richten? Eher reagieren als agieren. Selbst im Pokal.

Lienen: Was haben wir da gemacht?

Da wurde beim Oberligisten kein Forechecking gespielt. Sie haben es nicht geschafft, in der ersten Stunde eine Chance aus dem Spiel heraus zu kreieren.

Lienen: In der ersten Stunde hatten wir fünf gute Torsituationen. Und wir sind im Gegensatz zu Ihren Aussagen sehr häufig draufgegangen. Wir haben im 4-3-3 oder 4-2-3-1 gespielt, so wie wir spielen wollten. Nur wir. Nach unserem System.

Das auch 3-5-2 sein kann.

Lienen: In Bremen haben wir was verändert. Man kann sagen, das hat was mit Reaktion zu tun. Aber im Grunde genommen ist das eine Defensiv-Formation, um frühzeitig in die Zweikämpfe zu kommen. In der Vorwärtsbewegung soll es bei einem 4-3-3 bleiben. Mit einem torgefährlichen Mittelfeldspieler. Das kann Demo sein. Aber der ist verletzt. Und einen anderen Mittelfeldspieler mit Torgefahr haben wir nicht.

Sie hätten daran ja bei Ihren Einkäufen denken können, müssen.

Lienen: Gehen Sie mal davon aus, dass wir das versucht haben. Wir hätten ja auch Andy Möller holen können. Wir haben solche Leute auf der Liste. Wir hätten Stan Haeldermans nehmen können. Ein super Passspieler. Haben wir nicht, weil wir Leuten wie Jan Schlaudraff nicht den Weg verbauen wollten. Und wir haben noch Leute wie Igor Demo, und Leute wie Sverkos, Peter van Houdt und Aidoo, die vielleicht gar keine richtigen Außenspieler sind.

Und das kann trotzdem dort mit ihnen funktionieren?

Lienen: Ich habe ja auch schon mit Skoubo rechts gespielt, und er hats nicht so schlecht gemacht. Auch wenn er anders spielt als der klassische Rechtsaußen. Aber wenn, dann müssen wir sehen, dass Leute auf dem Platz stehen, die torgefährlich sind. Wir müssen drüber nachdenken: Bei so vielen Chancen, können wir es uns erlauben, mit zwei klassischen Außen zu spielen, wenn von denen keiner ein Tor schießt?

Peter van Houdt hat im Test in Duisburg gespielt und ein Tor gemacht.

Lienen: Nun gut, es war niemand sonst da. Es hängt von Peter selber ab, von jedem einzelnen Spieler, wie er trainiert, wie er arbeitet, wie er sich professionell verhält. Jeder Spieler, der im Kader ist, hat eine Chance.

Wenn die offensive Mittelfeld-Position ein Knackpunkt ist, hätten Sie doch das „Forssell”-Geld dafür verwenden können...

Lienen: Der muss besser als Igor Demo sein. Ich kann Ihnen mehrere nennen. Aber dann mache ich es wie Wolfsburg. Hole einen Top-Mann für fünf Millionen Euro, und der bringt uns richtig vorwärts. Aber haben wir die?

Ihre Auswechslung von Demo und Asanin zwei Minuten vor der Halbzeit in Freiburg ...

Lienen: ... kam zu spät. Ich hätte nach 30 Minuten auswechseln sollen. Weil sich weder Demo noch Asanin an irgendwelche taktischen Verabredungen gehalten haben. Und das würde ich jederzeit wieder tun. Es war zu spät. Nach dem 0:1 hätte ich sie rausnehmen müssen.

Sie hätten doch die zwei Minuten bis zur Pause warten können.

Lienen: Hätte ich. Aber ich wollte nicht 0:4 in Rückstand geraten. In den fünf Minuten nach der Auswechslung können wir sogar drei Tore schießen.

Sie haben zuletzt in einem großen Interview die Wichtigkeit der Pädagogik hervorgehoben...

Lienen: Gehen Sie davon aus, wenn ich einem Spieler wie Igor Demo in sechs Monaten 15-mal und vor dem Spiel noch mal das Gleiche sage, und er tut es dann nicht, dann muss ich mich als Spieler erst mal hinten anstellen. Ich habe mittlerweile ein Gespräch mit diesem Spieler geführt, wo ich ihm ganz klar gemacht habe: So nicht eine einzige Minute mehr mit mir. Und in der nächsten Woche hat er trainiert wie ein junger Gott. Das zeigt mir, dass Igor Demo jemand ist, der Druck und Bewegung braucht. Damit er funktioniert. Jetzt hat er sich leider verletzt.