Kiew/Mönchengladbach: Europa-League: Attraktive Gegner lindern Gladbachs Schmerz

Kiew/Mönchengladbach: Europa-League: Attraktive Gegner lindern Gladbachs Schmerz

Der Sonderflug AB 1009 ging am Donnerstag um 14.35 Uhr runter auf die Landebahn des Düsseldorfer Flughafens. Es war keine Notlandung, obwohl sich so mancher Beobachter Sorgen machte nach dem Aus von Borussia Mönchengladbach in der Champions-League-Qualifikation und dem harten Aufsetzen in der Europa League.

„Die können alle nicht rechnen”, fährt der frühere Grätschen-Spezialist Max Eberl allen professionellen Unken-Rufern in die Parade. Und Geschäftsführer Stephan Schippers bestätigt seinen Sportdirektor und bekräftigt die Devise, die der Klub seit Jahren im Gegensatz zu etlichen aktuellen und ehemaligen Erstligisten beherzigt: „Wir geben kein Geld aus, das wir nicht haben.

”Die Minder-Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe durch das Verpassen der Königsklasse berühren weder die wirtschafliche noch die sportliche Planung. „Wir haben mit der Europa League kalkuliert. Wir gehen nie vom best case, immer vom realistic case aus”, betont Borussias Finanzminister, der seinem Image als Cent-Fuchser auch in einnahme- und ausgabefreudigen Zeiten nicht untreu wird.

Auch in einem Jahr droht keine Bruchlandung und auch kein Sinkflug - weder finanziell noch sportlich.

„Selbst wenn wir uns nicht erneut für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren, wird der Kader davon unberührt bleiben.” Fernsehgelder und das brummende Merchandising-Geschäft machen es möglich. Die Weichen also bleiben auf Weiterentwicklung gestellt. Etwas, woran auch Lucien Favre immer mehr Lust entwickelt, nachdem ihn die Abgänge und das Scheitern in der Bewerbung für den Klub der Besten anfangs arg zu drücken schienen.

Jetzt schnalzt er mit der Zunge, wenn er an die künftigen Gegner im oft als „Cup der Verlierer” denunzierten Wettbewerb denkt. „Top-Mannschaften wie Liverpool, Newcastle, Lazio Rom”, zählt er genüsslich auf, „und Mönchengladbach.”

Heute werden ab 13 Uhr die Gruppen der Europa League in Monaco ausgelost. Mönchengladbach „profitiert” vom schlechten Klub-Koeffizienten, der aus der 16-jährien europäischen Abstinenz resultiert. Dadurch sind Borussia zwei „Knaller” aus zwei hochrangigen Töpfen (von insgesamt vier) sicher.

Nicht unwichtig für Lucien Favre, der bei allen inneren Werten seiner Arbeit auch die Anerkennung von außen benötigt. Und dazu bietet ihm jetzt auch die Europa League eine Plattform.

Der 2:1-Sieg in Kiew lindert den nach wie vor bohrenden Schmerz der 1:3-Heimniederlage. Gladbach ist nicht sang- und klanglos ausgeschieden. Arango & Co. haben am Wunder gekratzt.

„Wir müssen das Positive mitnehmen”, lautet die kollektive Ansage der Spieler. Und viel Nektar ziehen sie aus den 60 Prozent Spielanteilen und Torchancen satt im Spiel bei einer internationalen Größe. „Wir haben Druck gemacht und sind trotzdem organisiert geblieben”, ist Toni Jantschke fast überrascht über den gelungenen Spagat.

Sein Urteil muss Programm werden und formuliert die neue, große Herausforderung für Bastler Favre - in der Bundesliga und der Europa League. Wenn man einen Torjäger wie Luuk de Jong verpflichtet, muss das Spiel mehr nach vorne verlagert werden.

Um dessen Qualitäten abschöpfen zu können, muss auch das Tiki-taka der letzten Saison zumindest modifiziert werden. Was vorher verpönt war, ist jetzt Pflicht: Flanken in den Strafraum. Beim 2:1-Sieg in Kiew taugten die mehr als ein Dutzend Versuche so gut wie gar nicht. Viel Übungs- und Entwicklungspotenzial für Ausbilder Favre.

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