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Mönchengladbach: Eugen Polanski: „Muss einfach auf meine Chance warten”

Mönchengladbach : Eugen Polanski: „Muss einfach auf meine Chance warten”

Auch wenn es nur ein Freundschaftsspiel war: Wohl jeder im Stadion fühlte, dass er soeben Augenzeuge eines Befreiungsschlages geworden war. Martin Demichelis foulte Sascha Rösler im Strafraum, Eugen Polanski schnappte sich nach dem Elfmeterpfiff von Winkmann den Ball und drosch ihn mit aller Gewalt ins Tor von Michael Rensing.

Polanski freute sich nicht so, wie man sich freut, wenn man in einem Testspiel trifft. Er brüllte aggressiv und zeigte: Dieses Tor ist wichtig. Vor allem für ihn selbst.

Im Juli dieses Jahres war das, Bundesliga-Absteiger Borussia Mönchengladbach lud den Rekordmeister Bayern München in den Borussia-Park und gewann am Ende dank Polanskis Tor mit 2:1. Vier Monate später steht Borussia an der Spitze der Zweiten Bundesliga, und der direkte Anteil Polanskis daran hält sich bislang im Rahmen: Beim 1:1 in Kaiserslautern am ersten Spieltag stand der 21-Jährige in der Anfangsformation, es folgten bis heute ganze vier Einwechslungen. „Dass das für mich nicht optimal ist, ist doch ganz klar”, sagt Polanski. „Ich muss als junger Spieler Spielpraxis bekommen, will mich zeigen und Erfahrungen sammeln.”

Ein kometenhafter Aufstieg wurde dem Mittelfeldmann, den Chelsea schon als Jugendspieler haben wollte, schon früh prognostiziert. Er hat in allen DFB-Jugend-Auswahlmannschaften gespielt, sein erster Einsatz in der Bundesliga war nur eine Frage der Zeit.

Zunächst ging es auch stetig bergauf für Eugen Polanski - bis zur vergangenen Saison. Da ging der Mittelfeldspieler mit dem Rest der Mannschaft sang- und klanglos unter. Einige Fans nahmen es ihm übel, dass er sich nicht klar zum Verein bekannt hat und lange den Eindruck erweckte, dass er weg wolle.

Kräftig nachgerüstet

Ob ein Wechsel letztlich an der zu hohen Ablösesumme scheiterte oder sich Polanski zwischenzeitlich doch selbst umentschieden hat, mitzuhelfen, den Borussen-Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen, ist sekundär. Entscheidend ist: Eugen Polanski blieb Borusse. Das Problem: Mittlerweile hatte der Verein im Mittelfeld kräftig nachgerüstet. „Ich denke nicht, dass das in der Zwischenzeit passiert ist”, streitet Polanski ab, dass er sich mit seinem langen Zögern Konkurrenz auf der eigenen Position in Person von Patrick Paauwe, aber auch Soumaila Coulibaly ins Haus geholt hat. „Da hat sich der Verein schon vorher Gedanken gemacht.”

„Schlechte Argumente”

Die Siegesserie der Borussia verfolgte Polanski zumeist von Bank und Tribüne, ein Zustand, der für einen Spieler mit eigenem hohen Anspruch unerträglich sein muss. „Es ist natürlich immer schwierig für Leute, die draußen sitzen”, gibt er sich diplomatisch. „Wenn man so einen Erfolg hat und Erster ist, hat man schlechte Argumente.”

Im Moment bleibt Polanski nur übrig, sich Spielpraxis in der U21-Nationalmannschaft zu holen. Dort ist er Mannschaftskapitän, dort kann er Verantwortung übernehmen. „Ich finde, dass wir gegen Island guten Fußball gezeigt haben”, sagt er, der sich in genau diesem Spiel vor einer Woche einen Nasenbeinbruch zugezogen hat und den 7:0-Sieg seiner Kollegen in Luxemburg auf der Couch von zu Hause aus sah.

Die für diese Verletzung angefertigte Spezialmaske legt er im Training nicht an. „Meine Vermutung ist, dass mir die Maske sowieso nichts nutzen würde, wenn ich richtig einen drauf bekomme.”

Eugen Polanski ist hart im Nehmen, so oder so. Sein Schicksal als einer der prominentesten Reservisten der Liga trägt er jedenfalls mit Fassung: „Der Erfolg gibt dem Trainer Recht. Ich muss einfach auf meine Chance warten. Dranbleiben, mich immer wieder anbieten.”