Rostock: Erster Punkt mit Ach und Krach

Rostock: Erster Punkt mit Ach und Krach

Für Situationen wie diese hält die Fußballersprache Formulierungen bereit wie „Endlich den Bock umstoßen” oder „Den Befreiungsschlag landen”. Nun also war Alemannia Aachen zu Hansa Rostock gereist, mit vier Niederlagen den schlechtesten Saisonstart der Klubgeschichte im Gepäck.

Mühsam ernährt sich der Schwarz-Gelbe, auch von einem „Befreiungsschlägchen”: Das Team von Chefcoach Peter Hyballa bleibt zwar Tabellenletzter, doch die fünfte Pleite wurde verhindert. „Gut, dass wir den ersten Punkt geholt haben”, hielt Jung-Vater Timo Achenbach das noch Erfreulichste fest. „Endlich kein Gegentor bekommen”, fügte Tobias Feisthammel den Nebenaspekt des 0:0 an.

Über die Offensivleistung in einem „rasanten Spiel” - wie Hyballa es bezeichnete - deckte der Trainer ebenso den Mantel der Barmherzigkeit wie über das teils vogelwilde Abwehrverhalten. Aufbauarbeit für die Seelen: „Nach der Niederlagen-Serie hat die Mannschaft eine hohe Mentalität gezeigt.”

Peter Hyballa ließ im Stadion an der Ostsee dann doch im 4-3-3-System auflaufen. Alper Uludag, seit Saisonbeginn nicht richtig in Schwung gekommen, erhielt die erwartete Verschnaufpause auf der Bank, Manuel Junglas kehrte nach Sperre ins Team zurück. Neu war die Verteilung der Außenpositionen im Angriff: Marco Stiepermann rückte nach links, Shervin Radjabali-Fardi wurde auf Rostocks vermeintliche Schwachstelle angesetzt, Linksverteidiger und Kapitän Sebastian Pelzer.

Für Schnappatmung sorgte jedoch zunächst Boy Waterman. Erst unterlief der Alemannia-Keeper eine Flanke von Semmer (Achenbach klärte), dann leitete der Niederländer mit einem schlampigen Abspiel die nächste Chance für Hansa ein (Ziegenbeins Schuss strich knapp am Pfosten vorbei).

Es brauchte rund 20 Minuten, bis Aachen Ordnung in eigene Angriffsaktionen bekam, bis Stiepermann sich was traute, bis zur Grundlinie durchkam. 1a, wie frei Benny Auer nach dem Querpass stand - kläglich, wie der Kapitän an Torhüter Kevin Müller scheiterte. Dann zirkelte Achenbach einen Freistoß auf den Kopf von Seyi Olajengbesi, der Ball landete am Pfosten.

Es waren Alemannias zehn stärkste Offensivminuten - eine breitere Brust erwuchs daraus nicht. Der Aufsteiger sorgte immer wieder für Beschäftigung der Defensive, selbst bei Zwei-gegen-Vier-Situationen konnte man als Aachener Fan nicht gelassen in die Bratwurst beißen oder am Bierbecher nippen. Immerhin: Zur Halbzeit stand die Null.

Anerkennender Klaps

Doch die wackelte kurz nach der Pause bedenklich: Zwei Mal bekam Alemannia keinen Zugriff auf Lartey, der sich zum Glück nicht als Torjäger enttarnte. So unklar die Arbeit in der Defensive geriet, so diffus blieb das Angriffsspiel des Tabellenletzten. Fast jeder Versuch, für Entlastung zu sorgen, verpuffte; der von Sportdirektor Erik Meijer eingeforderte Mut blieb ein Phantom.

Bis zur 75. Minute schraubte Hansa das Eckenverhältnis auf 7:1, und das war dann eine positive Erkenntnis aus Aachener Sicht: Die Standards richteten keinen Schaden an, Alemannia hatte zu diesem Spiel von Raum- auf Manndeckung umgestellt. Es blieb ein Ritt auf der Rasierklinge. „Wir haben zu viele Chancen zugelassen”, kritisierte Achenbach. „Aber in unserer Situation geht es nur Schritt für Schritt. Immerhin sind wir nicht mehr die Deppen der Nation, die noch keinen Punkt geholt haben.”

Schieds Flachschuss aus spitzem Winkel strich acht Minuten vor Schluss knapp am Tor vorbei, ebenso Schieds Kopfball, bis Waterman zwei Mal glänzend gegen Ziegenbein und Lartey parierte. „Dafür”, sagte der Keeper, der letztlich den Punkt festhielt, „bin ich ja geholt werden.” Sprachs und holte sich den anerkennenden Klaps von Erik Meijer ab. Der 42-Jährige kündigte für das nächste Heimspiel an, jedem Dauerkarten-Inhaber ein Gratis-Ticket zukommen zu lassen. Auch die Spieler kaufen ein Kartenkontingent in nicht genannter Höhe.

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