Aachen: Erlebt der Tivoli seine erste Sensation?

Aachen: Erlebt der Tivoli seine erste Sensation?

Die derzeit beste deutsche Fußball-Mannschaft kommt an den Tivoli. „Aber wir sind nicht chancenlos”, sagt Alemannia Aachens Chefcoach Peter Hyballa vor dem Pokal-Hit gegen den FSV Mainz 05. „Wir wollen gewinnen. Wenn alles gut funktioniert, dann können wir Mainz 05 schlagen.”

Gerade ist der Matchplan gut im Geschäft. Haben Sie auch einen solchen für die Partie morgen?

Hyballa: Wir machen nichts Exotisches. Mainz ist klarer Favorit, diesen fast schon europaweiten Hype hat sich der Klub verdient. Es bleibt aber auch nur ein Fußball-Team, dass wir, wenn alles funktioniert, schlagen können. Wir wollen unser offensives Spiel durchsetzen. Aber es wird schwierig, Mainz ist nicht zufällig das beste deutsche Team. Und Thomas Tuchel hat den Vorteil, dass er noch ein paar Raketen auf der Bank hat, die er jederzeit bringen kann.

Ist Thomas Tuchel gerade der Wegbereiter für junge Trainer aus dem Jugendbereich?

Hyballa: Sicherlich, sein Verdienst ist es, dass Vereine sich jetzt auch mal in der Jugendabteilung statt immer nur auf dem Karussel mit den ewig gleichen Trainern umschauen. Sein Erfolg hat Türen geöffnet. Und jetzt versuchen Klubs, das Konzept zu kopieren.

Die beiden jüngsten Profitrainer treffen aufeinander. Ist Ihr jugendliches Alter nach vier Monaten im Amt, noch ein Thema

Hyballa: Das Thema verschwindet von Tag zu Tag mehr. Für mich war das zarte Alter ohnehin nie relevant.

Verbindet die beiden Trainer neben dem guten Aussehen etwas

Hyballa: Zu dem Thema muss ich feststellen, dass ich dickere Haare habe, die wird der Thomas mir neiden. Wir kommen aus derselben Branche. Der Jugendfußball ist eine Insel. Hier werden ganz viele Spieler gut ausgebildet, nur die meisten Ausbilder sind nicht bekannt. Das verbindet uns.

Muss man als junger Trainer kesser unterwegs sein?

Hyballa: Hinter unserem Weg steckt jahrelange Efahrung und Arbeit hinter. Wenn man kein Ex-Profi ist, gehen nicht viele Türen auf. Da muss man sich gegenwerfen. Vielleicht muss man dann auch etwas extrovertierter sein, um auf sich aufmerksam zu machen.

Reden wir von Ihrem bislang größten Spiel. Das A-Jugend-Finale mit Borussia Dortmund gegen Mainz 05 im Sommer 2009. Hyballa trifft auf Tuchel.

Hyballa: Ich behaupte immer noch, dass wir die bessere Mannschaft hatten, auch wenn wir 2:1 verloren haben. Danach bin ich zwei Wochen depressiv gewesen, weil ich den Titel gerne geholt hätte. Dieses Spiel verbindet uns, und er kommt aus derselben Branche, dem Jugendfußball.

Jürgen Klopp hat gesagt, dass elf bessere Dortmunder Einzelspieler an einem Team mit einem besseren Plan gescheitert sind. Ist das ein Stachel, der noch sitzt?

Hyballa: Witzige Aussage, er war gar nicht im Stadion. Es war ein enges Spiel, wir haben zwei vermeintliche Abseitstore von Mario Götze und Tolgay Arslan gemacht. Der beste Mann auf dem Platz war Andr Schürrle, den haben wir nicht in den Griff bekommen. Es hatte nichts mit dem Matchplan zu tun: Mainz hat richtig gute Spieler, das gerät gerade in Vergessenheit. Ich möchte aber noch daran erinnern, dass wir im A-Jugend-Pokal Mainz klar besiegt haben.

In der Vorbereitung beim 0:4 gegen Mainz hat sich Ihr Kollege über die raue Gangart beschwert. Was wird ihn heute erwarten?

Hyballa: Ob sich jemand über mich beschwert, interessiert mich nicht. Wir müssen giftig und grellig sein. Wenn ich Mainz beobachte, dann sind sie auch immer sehr agressiv. Das ist ein Bestandteil des Spiels.

Vor diesem Spiel ist die Verletzungsmisere wieder ein Thema

Hyballa: In den letzten zwei, drei Tage haben wir gelitten. Die Verletzung von Flo Müller geht mir nach. Ich mag ihn, er ist ein äußerst professioneller, sympathischer Mensch. Für ihn ist er erneute Kreuzband eine kleine Katastrophe. Wir müssen gegen Mainz für ihn ein paar Meter mitlaufen. Kevin Kratz hat bislang nur individuell trainiert, ein Einsatz sollte aber möglich sein. Und die beiden Innenverteidiger, die sich einen Virus gefangen hatte, sind wieder bei der Mannschaft.

Ihr Minikader wird von Woche zu Woche noch minimaler. Fünf Spieler können in dieser Hinrunde nicht mehr eingesetzt werden. Sind die Grenzen schon erreicht, solche Ausfälle adäquat ausgleichen zu können?

Hyballa: Ich rede lieber über die Spieler, die noch da sind. Wir werden noch ein paar Spieler von den Amateuren hochziehen, auch, damit wir Spielformen einüben können, die eine gewisse Anzahl an Spielern benötigen. Der Nachteil unserer Situation ist, dass wir personell nicht mehr viel verkraften können. Der Vorteil ist, dass jeder Spieler hautnah erlebt, wie wichtig er für uns ist.

Der Sportdirektor weiß aber auch spätestens seit Montag Bescheid, dass wir im Winter gerne ein, zwei Spieler für der Außenverteidigerpositionen oder für den Sturm hinzunehmen würden.

Wäre ein Aachener Erfolg eine Überraschung, eine Sensation oder nur die Fortschreibung des eingeschlagenen Weges?

Hyballa: Von allem etwas. Wenn wir den Tabellenführer der Bundesliga schlagen, wäre das eine Überraschung, sogar eine Sensation. Das wäre ein großer Schritt, bei der Entwicklung der Mannschaft. Noch einmal zum Abschluss: Zwischen Mainz und Aachen liegt nur eine Liga.

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