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Aachen: Energie und der Aufstieg: „Wer glaubt noch an den Nikolaus?”

Aachen : Energie und der Aufstieg: „Wer glaubt noch an den Nikolaus?”

Ruhe als erste Spielerpflicht hat Jörg Berger in Aachen ausgerufen. Die Vorbereitung auf das atemberaubende Saisonfinale hat bei Energie Cottbus andere Zutaten: Krach, Streit und Schuldzuweisungen.

„Wir haben das Wort Energie in unserem Vereinslogo stehen, davon war nichts zu spüren”, erregte sich Trainer Eduard Geyer nach der jüngsten Niederlage in Unterhaching wieder einmal über seine „trostlose Truppe”, deren Leistung erneut eine „Schande” gewesen sei. „Da haben manche nicht einmal ein Deo gebraucht, so wenig haben die geschwitzt.”

Doch erstmals wehrt sich nun das Ensemble. Kapitän Christian Beeck konterte, er sei „enttäuscht” von Geyer. Der Trainer gerät nicht nur wegen des möglicherweise ausbleibenden Erfolges, sondern auch wegen seiner Menschenführung scharf in die Kritik. Bislang ist sein Vertrag nur mündlich verlängert, fixiert ist noch nichts.

Die Enttäuschung sitzt tief im Klub, der an 24 der 33 Spieltage einen Aufstiegsplatz belegte. Die Lausitzer Rundschau lästerte schon: „Energie hat sich so dumm wie ein Radfahrer angestellt, der mit seinem Gefährt einfach nicht durch das weit geöffnete Scheunentor passt.” So bleibt jetzt nur noch das kleine Hintertürchen.

Präsident Dieter Krein, den Aachens Ex-Chef Hans Bay schon vor Jahren öffentlich als „Drecksack” titulierte, sieht gar fremde Mächte am Werk. „Das fing ja schon letzten Montag an. Der Elfmeter, den Herr Weiner für Aachen in Oberhausen pfiff, war skandalös und ein sportliches Verbrechen. Ist der etwa mit Egidius Braun verwandt?”, wollte er wissen.

Der kernige Präsident hat den Spielern jedenfalls mit der Höchststrafe gedroht: „Wenn ihr nicht aufsteigt, müsst ihr wieder nach Oberhausen, und da ist es wirklich gruselig - so weit, wie die zurück sind.” Für die Spieler ist die Messe schon gelesen. „Wer glaubt noch an den Nikolaus?”, sortiert Beeck die finalen Chancen ein.

In Mainz ist erst einmal der Galgenhumor eingezogen. „Wenn man uns einen Vorwurf nicht machen kann, dann ist es der, dass wir es nicht spannend gemacht haben”, sagt Jürgen Klopp. Der Trainer der Unaufsteigbaren, die in den letzten beiden Jahren zuverlässig beim Fotofinish ins Hintertreffen gerieten, sieht den Erfolg nicht ausreichend gewürdigt. „Der Aspekt, dass wir es tatsächlich wieder geschafft haben, ins Finale um den Aufstieg zu kommen, geht mir unter”, erregt sich „Harry Potter”.

Bereits am Mittwoch bezieht sein Team vor der Partie gegen Eintracht Trier ein Kurztrainingslager. Dort wird akribisch die tor- und trostlose Partie in Regensburg aufgearbeitet. Immer noch propagiert Klopp, dass sich Geschichte nicht wiederholen wird, dass der gerechte Lohn der letzten Jahre nun endlich nachgereicht wird. „Wenn überhaupt eine Mannschaft gezeigt hat, dass sie mit Druck umgehen und zurückkommen kann, dann sind wir das.”

Die wenigsten Niederlagen, die wenigsten Gegentore, das beste Torverhältnis - zumindest die statistische Abteilung liefert ein paar untermalende Argumente. Manager Christian Heidel vermutet, dass „ganz Fußball-Deutschland auf uns schauen wird”. Das werden die Sensationshungrigen sein, die die Mannschaft erneut scheitern sehen wollen, räumt Heidel ein. „Das werden aber zumeist Fans sein, die uns den Erfolg gönnen.” Und zum Schluss noch ein kleiner Gruß an den Tabellendritten: „Aachen muss gewinnen, wir werden gewinnen. Denen geht doch viel mehr die Klammer als uns.”

Eigentlich hatten sie das Projekt Aufstieg in Oberhausen schon vorletzten Montag beerdigt. Trainer Jörn Andersen trauerte der vergebenen Chance nach. Dann kam das Gastspiel beim 1. FC Nürnberg, und RWO traf auf eine Mannschaft, die ihre Stärken in dieser Woche eher bei der Aufstiegsfeier hatte.

„Wir beißen uns alle vor Wut in den Arsch”, ärgert sich der Norweger über einige umstrittene Schiedsrichter-Entscheidungen. „Jetzt haben wir nur noch diese Mini-Chance.” Eine Baufirma und ein Bankinstitut spendieren 1500 Karten für den Saisonausklang gegen Osnabrück. Motto: „Die Hütte muss brennen”. Die Anschubfinanzierung ist wohl notwendig, wenn selbst nach einer unerwartet furiosen Saison der Schnitt bei rund 6000 liegt.