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Mönchengladbach: Einfach begeisternd einfacher Fußball

Mönchengladbach : Einfach begeisternd einfacher Fußball

Und das Schönste war: In keiner Sekunde der 90 Minuten musste der Sympathisant der Mönchengladbacher befürchten, dass am Ende wieder das Grausen droht.

Zu souverän, zu sicher, zu engagiert und teilweise sogar auch zu gut war die Borussia aufgetreten und hatte den Vertretern des Stuttgarter Vereins für Bewegungsarmut die Lust genommen - sofern diese überhaupt vorhanden war.

Das Spiel mit 2:0 gewonnen, etwas Luft im Abstiegskampf verschafft und der Liga dazu ein Signal gesendet: „Huhu, die Borussia lebt noch.”

Und wie! Bochum, Mainz, die unsäglichen Nachspielzeiten, alles war weit weg am Samstag, einem Tag so wunderschön wie selten. Dick Advocaat war auch weit weg. War der mal Trainer im Borussia-Park? Vergeben, vergessen, alles verziehen! Es gibt ja jetzt den Köppel Horst, 56, den Horscht, je nach Bedarf mit dem Zusatz Papa, Opa, Onkel.

Ein Miraculix, einer, der einen magischen Trank verteilt und alles wird gut? „Ich bin kein Zauberer”, sagt „Horscht”, „das ist doch alles kein Hexenwerk”, ergänzt Sportdirektor Peter Pander. Viele Faktoren hätten eine Rolle gespielt, sagt Pander, „Fußball ist manchmal so einfach”. Also, zehn Tage hat Köppel viel geredet, ab und zu gelacht, Selbstvertrauen gegeben, Blockaden gelöst. Und sich an seine Zeit in den 70er Jahren am Bökelberg erinnert.

„Unter Hennes Weisweiler durfte ich dreimal im Dribbling scheitern. Er hat mich ermuntert, es ein viertes Mal zu versuchen, und dann hab ich es geschafft. Wenn ich unter Udo Lattek einmal hängen geblieben bin, war ich gleich unten durch.”

Fußball ist so einfach, und der Köppel von früher heißt jetzt Thomas Broich. Fast wie in seinem glanzvollen ersten Halbjahr am Bökelberg trumpfte der „Spielgestalter” auf.

Spektakulär neben zahlreichen guten Offensiv-Aktionen war sein Auftritt in der 11. Minute, als er nach einem Riesensprint über das halbe Feld dem einschussbereiten Philipp Lahm den Ball im eigenen Strafraum vom Fuß spitzelte. Köppel machts möglich, und jeder Kommentar der Spieler wird - ob gewollt oder ungewollt - zu einer Abrechnung mit dem Vorgänger.

„Wir haben wieder Spaß beim Training” (Broich), „er passt vielleicht besser zur Mannschaft und zu den Fans” (Oliver Neuville), „er hat das einfach überragend gemacht” (Marcell Jansen), „er hat die Lockerheit zurückgebracht” (Nico van Kerckhoven).

Stopp: Bevor die Euphorie überschwappt, „das war nur der erste Schritt”. Jeff Strasser, der mit dem überragenden van Kerckhoven eine stabile Innenverteidigung bildete, trat als Erster auf die Bremse, Peter Pander wurde sehr deutlich: „Jeden, der glaubt abheben zu müssen, hole ich persönlich runter.”

Denn gewonnen ist noch gar nichts. Fünf Punkte Vorsprung auf Bochum und Rostock sowie das bessere Torverhältnis sind ein gutes Polster, aber kein Ruhekissen.

Tiefes Durchatmen ist nach den schön herausgespielten Abstaubertoren von Neuville (16.) und Vaclav Sverkos (24.) erlaubt, aber noch kein Aufatmen. Köppel: „Bei aller Euphorie: Es ist noch ein hartes Stück Arbeit.”

Jedenfalls haben die Mönchengladbacher Berufsfußballer unter Köppel keine Probleme, mit „Druck” umzugehen. „Angst und Druck können leistungsfördernd sein, wenns nicht lähmt”, referierte VfB-Trainer Matthias Sammer und ging mit seinen „gelähmten” Standfußballern hart ins Gericht. „Bei uns ist einfach zu wenig Druck zu spüren. Wir diskutieren nur über Käse und nicht über das Wesentliche, über das, was auf dem Platz passiert. Populistisch gesagt: Bei uns heißt es: Nehmen wir den BMW oder Mercedes?”

Auswärtssieg?

Die Borussia fährt noch Volkswagen, doch schon wird über das Modell der Zukunft diskutiert. Und natürlich, ob Horscht Köppel dann noch der Chauffeur ist. Bis zu einer Entscheidung in der Liga wird das Thema im Verein nicht öffentlich diskutiert.

Doch geht alles gut, wird sich das Präsidium als Freund populistischer Entscheidungen kaum gegen Köppel stellen. Der hätte dann ja auch einiges vorzuweisen. Drei Spiele, sieben Punkte, 3:0 Tore. Er lässt eine aufs Personal zugeschnittene Taktik spielen (4-4-2), gibt den Stürmern mehr Raum und hat im defensiven Mittelfeld mit Bernd Thijs und Peer Kluge ein Paar nominiert, das viel Gutes für die Zukunft verspricht.

Was in Köppels Bilanz nur noch fehlt, ist ein Auswärtssieg. Sonntag in Hamburg?