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Bielefeld: Eine Beförderung ins Fußball-Glück?

Bielefeld : Eine Beförderung ins Fußball-Glück?

„An einem Spiel kann man einen Trainer nicht messen!” Das sagte Jos Luhukay nach dem 2:0-Erfolg seiner Mönchengladbacher in Bielefeld. Da war er noch Assistenztrainer. „An einem Spiel kann man einen Trainer nicht messen”, sagte Jos Luhukay auch knapp 24 Stunden später.

Da hatte sich sein Status, aber nicht seine Meinung geändert. „Ich wäre auch kein schlechter Trainer gewesen, wenn wir verloren hätten. Wichtig ist, dass du die Ruhe bewahrst. Man muss von sich überzeugt sein und davon, dass man der Mannschaft helfen kann. Und auch wenn ich nicht befördert worden wäre, hätte ich nicht an mir gezweifelt”, sagte nun Jos Luhukay als Cheftrainer, der er laut Vertrag bis Saisonende bleiben darf.

Der erste Dreier nach einer Durststrecke von zwölf sieglosen Liga-Spielen, der erste Auswärtssieg der Saison: Das machte den Gladbacher Verantwortlichen Beine. Statt heute wie geplant nach der turnusmäßigen Präsidiumssitzung das Thema Cheftrainer zu entscheiden, überreichte man bereits gestern den sportlichen Marschallstab.

„Ich war auf Montag eingestellt”, sagte Luhukay, und versicherte, dass die Sonntags-Frage nicht in erster Linie durch den Erfolg in Bielefeld beantwortet worden war. „Es waren wohl vor allem die Erkenntnisse der letzten Wochen und der drei Tage.”

Befreiungsschlag in Ostwestfalen: ein nun gerne benutzter Begriff mit Interpretationsspielraum. Befreit vom „schlechten” Trainer Jupp Heynckes, wie seine Gegner es glauben und glauben machen wollen? Oder nur befreit von einer Situation, die auch Heynckes so einschätzte, dass er auch durch interessengesteuerten Druck von außen zur Belastung geworden war? Oder nur befreit von einer ganz gefährlichen Konstellation, in der bei einer Niederlage und gleichzeitigem Sieg des HSV der Klub auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht wäre?

Wieviel Jos Luhukay steckte schon in der Leistung der Borussia? Im psychologischen Bereich einiges. Denn genau da setzte der Niederländer den Hebel an. „Genau diese Sorge, Tabellenletzter zu werden, musste man aus den Köpfen herausbekommen, die Angst zu verlieren.” Und dafür musste er die taktische Ausrichtung kleiner fahren.

„Ich habe einen Riesen-Respekt vor Bielefeld. Aber man kann sich auch zuviel mit dem Gegner beschäftigen.” Das kann - wie zuletzt gegen Nürnberg geschehen - dazu führen, dass man zwar den Kontrahenten aus dem Spiel nimmt, aber nur mit einem Punkt belohnt wird.

Nur auf Psycho-Doping aber wollte sich der 43-Jährige auch nicht verlassen. Seine 4-2-3-1-Formation bescherte durch den Doppel-Sechser Peer Kluge/Eugen Polanski seiner Mannschaft Sicherheit nach hinten und den Freiraum, mehr Aktionen nach vorn als etwa gegen Nürnberg zu setzen. Die zwei Tore durch Federico Insua nach wunderschönem Kluge-Pass (28.) und Marcell Jansen nach Kahê-Vorarbeit (89.) waren Ausdruck dieser neuen Ausgewogenheit.

Wie verlässlich die ist, wird sich zeigen. „Wir hatten Glück, als wir es brauchten”, mahnte Kapitän Kasey Keller. Und spielte auf den Pfosten- von Abdelaziz Ahanfouf (42.) und den Fehl-Schuss von Jörg Böhme (45.) an. „Der Anfang ist gut, aber es ist nur ein Anfang.”

Aller Anfang ist leicht - mit einem neuen Trainer. Auch diese Weisheit wurde am 20. Spieltag vom HSV und den Bayern konterkariert. Und so blieben die Handys von Huub Stevens und Ottmar Hitzfeld stumm auf der Rückreise. Anders bei Luhukay. „Jupp Heynckes hat angerufen, als wir im Bus waren, und mir gratuliert - eine richtig gute Geste.”

Und da sein Vorgänger nicht unbedingt auch noch 13 Spieler-Handys anwählen wollte, ließ er seine Glückwünsche über Teammanager Steffen Korell en gros den Siegern übermitteln.Wenn man wollte, konnte man auch zuvor schon Spuren von Heynckes entdecken. Als Kluge & Co. etwa Kombinationen mit direktem Kurzpassspiel demonstrierten.

Und so war es nicht nur artig, dass ausgerechnet der neben Insua überragende Kluge, zuletzt bei Heynckes nur auf der Bank, erinnerte: „Er hat es nicht so schlecht gemacht, wie es gemacht worden ist. Der Sieg war auch für Jupp Heynckes.”