1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Gelsenkirchen: Ein wichtiger Punkt nur für die Moral

Gelsenkirchen : Ein wichtiger Punkt nur für die Moral

Ist das bitter: In München gepunktet, auf Schalke gepunktet. Zwei Zähler geholt, die eigentlich keiner auf der Rechnung hatte.

Und trotzdem hat der 1. FC Köln das Ticket für die Zweite Liga wohl längst gebucht. „Für die Moral ist dieser Punkt mehr wert als für die Tabelle”, beschrieb FC-Coach Hanspeter Latour das Remis gegen Schalke 04, das für Fans, Mannschaft und Betreuer eher eine gefühlte Niederlage als ein gewonnener Punkt war.

„Das Spiel war sehr intensiv, sehr umstritten. Über die Qualität kann man sich streiten”, führte der „Geißbock”-Trainer weiter aus; und irrte zumindest mit der zweiten Hälfte dieser Analyse gewaltig.

Die Qualität dieser Begegnung war unstrittig schlecht: Der FC bestimmte zwar über weite Phasen das Geschehen, führte bis zur 80. Minute durch den kuriosen Podolski-Freistoß von der Fünf-Meter-Linie - „Entweder geht der rein oder auf die Tribüne” -, doch Schalke glich durch 200-prozentige Chancenverwertung aus: eine halbe Torchance, ein ganzes Tor. Der Kopfballstärke von Zlatan Bajramovic sei Dank.

„Kläglich vergeben”

„Ich bin extrem unzufrieden, wir haben es aber auch nicht verdient”, hakte Schalkes Trainer Mirko Slomka das Spiel und auch die Champions-League-Ambitionen der Königsblauen ab. Die Rechnung der Schalker war nicht aufgegangen: Slomka hatte darauf spekuliert, dass engagiert kämpfende Kölner viele Standardsituationen für sein Team kreieren würden, und so kam es auch.

Doch nur einmal zappelte der Ball in den Maschen. „Vorher haben wir zehn Standards kläglich vergeben”, lautete das unzufriedene Fazit des Schalker Coachs. Mit Spielkultur konnte S04 nicht beeindrucken, erst die Einwechselung der Rackerer und Kämpfer Sand, Larsen und Bajramovic brachte für die Schalker den Ausgleich.

Die Schwäche sah Slomka nicht in den Abstimmungsproblemen zwischen Torwart Frank Rost und der Innenverteidigung, die auch die Kölner Führung brachte. Dario Rodriguez stoppte eine verunglückte Kopfballrückgabe, Frank Rost nahm den Ball auf, und Schiedsrichter Markus Schmidt gab zu Recht indirekten Freistoß; fünf Meter von der Torlinie entfernt. Und Lukas Podolski zerschoss fast das Netz und markierte so seinen vierten Treffer neben drei Vorlagen in den letzten sieben Spielen.

„So eine Situation müssen wir löschen”, diagnostizierte Slomka den Aussetzer und fand den königsblauen Systemfehler eher im Angriff als in der Defensive. Zwei echte Stürmer, zwei Außen und ein offensiver Mittelfeldmann dahinter reichen nicht aus, im eigenen Stadion Torgefahr zu entwickeln.

Für den FC, der erst halbwegs befreit aufspielt, seitdem klar ist, dass die Klasse kaum noch zu halten sein wird, wird es in der Endabrechnung wohl dennoch nicht reichen. Denn Engagement und mannschaftliche Disziplin, die der Klub seit Mitte der Rückrunde demonstriert, genügen nicht, die Fehlerquellen zu überspielen, die in Sekundenbruchteilen das Spiel gegen die Kölner drehten: Die Innenverteidigung schlagartig kopflos, das Mittelfeld mit Ballverlusten in der Spieleröffnung, Konterchancen nicht mit kühlem Kopf versenkt, sondern überhastet und nervös vergeben. Die Luftraum-Beherrscher Alpay und Sinkiewicz standen bei der folgenschweren Ecke von Levan Kobiashvili außen, in der Mitte tankte sich Bajramovic durch das Zwergenreich von Cabanas und Lell durch.

„Wenn man hier kurz vor Schluss den Gegentreffer kassiert, kann man nicht zufrieden sein. Wir hätten den Dreier verdient”, bewertete Mannschaftskapitän Lukas Podolski die verpasste Chance, durch einen Sieg den Abstand zu Wolfsburg zu verkürzen und so den psychologischen Druck auf den 14. der Tabelle zu erhöhen.

Um die Klasse noch zu halten, wird wohl das passieren müssen, was Podolski so ungewollt komisch wie ungewollt wahr mit einem verbalen Übersteiger nach Spielschluss in die hingehaltenen Mikrofone haspelte: „Jetzt müssen zu Hause die Köpfe hochgekrempelt werden. Und die Ärmel auch.”