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Mönchengladbach: Ein Team, ein Stürmer, drei Treffer

Mönchengladbach : Ein Team, ein Stürmer, drei Treffer

60 Minuten Zeit hatte Christian Ziege dann doch nicht für ein Referat. Er musste ja noch in diverse Mikrofone sagen, dass er weder Heils- noch Glücksbringer ist und dass die Rückkehr der Mönchengladbacher Fußballer mit dem 3:1 (1:0)-Erfolg über Hertha BSC Berlin ins Bundesliga-Leben nicht einem Ziege-Effekt zu verdanken sei.

Christian Ziege, 35, seit Donnerstag Sportdirektor der Borussia, schaute bei solchen Titulierungen, als würde er gleich sagen: „Was soll dieser Quatsch!?!” Er sagte es natürlich nicht. Christian Ziege wählte seine Worte mit Bedacht, nahm sich und seine Bedeutung zurück. Er sprach leise und keine markigen Sätze. Und er kam sehr glaubwürdig daher.

Christian Ziege trug einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd und - es passte so gar nicht zu dem Business-Outfit - ein Trikot. „Ein Team” hatten sie es beflockt, und nicht nur Ziege trug es, alle trugen es. Alle Borussen präsentierten sich auf Initiative der Geschäftsstellenmitarbeiter als „ein Team”, was dem schönen Nachmittag einen schönen Anstrich gab. Man muss nicht viel Phantasie aufwenden, was aus der Ein-Team-T-Shirt-Geschichte im Falle des Misserfolgs gemacht worden wäre.

Aber es war ein schöner, erfolgreicher Nachmittag, und so ist die Stimmungslage am Borussia-Park so angenehm wie lange nicht mehr. Dazu das Wetter, Gladbacher Frühlingsgefühle. Zu verdanken ist das Sprießen neuer Hoffnungen den Spielern, aus der trotz des Ein-Team-Gedankens zwei Spieler eine besondere Würdigung verdienen.

Stunden-Rede

Peer Kluge, 26, nämlich, dem Christian Ziege eigentlich trotz des zu diesem Zeitpunkt bereits feststehenden Wechsels zum 1. FC Nürnberg (siehe auch: „Kluge geht für drei Jahre...”) ein 60-minütiges Statement widmen wollte. „Über den Peer könnt´ ich eine Stunde reden”, begeisterte sich der Sportdirektor über seinen ehemaligen Mitspieler, über die Bereitschaft und das Können des dienstältesten Borussen. „Ob im Training, oder im Spiel, der macht das einfach”, sagt Ziege und meint mit das: Einsatz, Laufbereitschaft, Leidenschaft.

Dazu brillierte Kluge gegen eine Hertha, die keinesfalls schlecht agierte, spielerische Klasse demonstrierte und auch kämpferisch Paroli bot, mit zwei blitzsauberen Flanken. Und zweimal flog Nando Rafael in die Bälle und markierte jeweils per Kopf das 1:0 (32.) sowie das zu diesem Zeitpunkt (69.) überraschende 2:1 nach Gim?nez´ Ausgleich (56.). Den Schlusspunkt setzte der ebenfalls stark aufspielende Michael Delura (86.). Drei Tore in einem Spiel! Zuletzt gelang es vor gefühlt sieben Jahren am 14. Oktober 2006 gegen Wolfsburg.

Nando Rafael, 23, seit Januar 2006 und bis Ende Juni 2009 an die Borussia gebunden - und von vielen schon als Fehleinkauf abgeschrieben. Abgeschrieben, weil der immer froh gelaunte Rafael bei seinen Einsätzen zuletzt im rechten oder linken Mittelfeld offensive Akzente setzen sollte - aber nicht konnte. Gegen Bremen, in Wolfsburg und nun gegen seinen alten Klub Hertha BSC durfte er als Mittelstürmer agieren, „hier fühle ich mich am wohlsten”.

Drei Spiele, drei Tore, zwei Fürsprecher. Trainer Jos Luhukay kennt Nando Rafael seitdem der gebürtige Angolaner in Ajax Amsterdams Jugendabteilung die Ausbildung genoss. „Fußball ist ihm in die Wiege gelegt”, findet Luhukay, was Christian Ziege bestätigt.

Erinnerungen

Erinnerungen an den 4. Dezember 2004: „Bei unserer 0:6-Klatsche in Berlin damals konnte ihn keiner halten”, auch Nandos damaliger direkter Gegenspieler nicht - Christian Ziege. „Wichtig für Rafael ist, dass er einmal in mehreren Spielen hintereinander zeigen kann, was er kann”, liegt der Sportdirektor mit dem Trainer auf einer Linie.

Das klingt nach Stammplatzgarantie für die Partie am kommenden Sonntag in Leverkusen. Dort muss die Borussia - ganz banal - dem ersten Schritt den nächsten folgen lassen. Der schöne Samstagnachmittag gibt zumindest zur Hoffnung Anlass. Ein Team, ein Stürmer dazu, und die Mannschaft durfte - endlich - den Lohn für ihr engagiertes Auftreten in den letzten Wochen kassieren.

Und sie hat ja noch Peer Kluge. Dem wäre eine 60-minütige Lobhudelei seines neuen Sportdirektors übrigens nicht Recht gewesen. „Ich kämpfe und laufe doch in jedem Spiel so viel.”