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Mönchengladbach: Ein Remis und fünf Verlierer

Mönchengladbach : Ein Remis und fünf Verlierer

Ball paradox: ein 2:2 zwischen Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC - und dennoch gab es nur Verlierer. Die Berliner, die Borussen, deren Trainer Horst Köppel, die Mönchengladbacher Fans und vor allem auch Jeff Strasser.

Verlierer I: Berlin hätte 4:1 oder 5:1 gewinnen können, musste sich aber mit einem Punkt begnügen, der erst drei Minuten vor Schluss durch den Kopfball von Niko Kovac eingetütet wurde. „Das wäre ja ein Hohn gewesen, wenn die Gladbacher gewonnen hätten. Wir waren die klar bessere Mannschaft und haben zwei Punkte verloren”, grämte sich Hertha-Manager Dieter Hoeneß.

Verlierer II: Halbzeit zwei, Borussia ist nicht dabei. Was schon beim Heimerfolg gegen Dortmund zu registrieren war, verschärfte sich auch gegen die Berliner. Offensive, die gabs nicht - von der Heimelf! Eine kleine Abweichung: Der eingewechselte Wesley Sonck wusste entweder nichts vom Nichtangriffspakt oder ignorierte ihn. Er erlaubte sich den ersten Torschuss nach der Pause (81.).

Diese Dreistigkeit steigerte noch mal der ebenfalls eingewechselte Thomas Broich und bugsierte direkt im Anschluss an die kurz ausgeführte Ecke die Flanke von Kluge zur Sensations-Führung ins Netz (82.).

Marcell Jansen, der sich auch in der Analyse immer mehr als Führungspersönlichkeit zeigt, kritisiert: „Das größte Problem in den letzten drei Spielen ist: Von unserer Offensive kommt zu wenig. Wir gewinnen keine 1:1-Situationen, es kommen keine Flanken.” Auch selten Tore aus dem Spiel heraus. Broich nach Eckball, die 1:0-Führung ein Eigentor von Chahed (10.) und obendrein nach einem Freistoß von Oliver Neuville.

Verlierer III: Die Ängstlichkeit und Weinerlichkeit des Trainers überträgt sich immer mehr auf die Mannschaft. Selbst bei zutiefst verunsicherten Gegnern wie Kaiserslautern regiert das Prinzip Sicherheit.

Der kontraproduktiven Einwechslung eines Abwehrspielers statt Stürmers in Leverkusen folgte gegen Berlin ein weiterer Höhepunkt der köppelschen Über-Vorsicht. Für den Debütanten Robert Fleßers, den sein Trainer Gelb-Rot gefährdet sah, schickte Köppel Jeff Strasser auf die Sechser-Position (63.). Ein völlig falsches Signal - auch an die Mannschaft. Aber auch inhaltlich daneben: Der Mann vor der Abwehr hat das Spiel aufzubauen.

Der Luxemburger ist aber ein Hardcore-Verteidiger und kann bei entsprechender Konzentration nur eine Position spielen - die in der Innenverteidigung. „Ich kann mir keinen backen”, ereiferte sich der Borussen-Trainer, „ich hatte keine andere Möglichkeit auf der Bank.” Stimmt, aber auf dem Feld gab es gleich zwei Alternativen. Peer Kluge hat die Position oft und gut gespielt; Bo Svensson noch nicht, aber der Däne ist mit seiner Fähigkeit zum Antizipieren und dem guten, öffnenden Pass eine nahe liegende Wahl.

„Der Punkt ist nicht unverdient”, traute sich Horst Köppel zu sagen. Dieses Urteil kann sich ansatzweise nur auf den späten Zeitpunkt der Glücksführung stützen. Doch der 57-Jährige fühlt sich gemüßigt, seine Arbeit angesichts unübersehbarer Defizite in der Spielanlage zu verteidigen. „Die Saison ist meiner Meinung nach nicht so schlecht gelaufen, wie es in den letzten Wochen dargestellt wurde.” Nur die Darstellung also ist schlecht.

Da passt es, dass er seine eigene Situation als völlig gesichert darstellt: „Das Präsidium hat mir bestätigt, dass ich Trainer bleibe und auch die nächste Saison anfange.” Ein so „anfängerhafter” Persilschein des Borussen-Gremiums wäre aber überraschend. Köppel wird sich auf die allgemein gehaltene Rückendeckung beziehen, die ihm Sportdirektor Peter Pander vor einigen Wochen im Auftrag des Präsidiums öffentlich zukommen ließ - um die Wogen zu glätten.

Vielleicht hat er den Zeitpunkt vergessen. Vergessen wird das Präsidium aber kaum, wie „Retter” Köppel vor der Saison unter Mithilfe des Ex-BVB-Bosses Gerd Niebaum einen Zweijahres-Vertrag aufzwang. Gladbach-Chef Rolf Königs & Co. hatten die Arbeitszeit erst einmal auf ein Jahr beschränken wollen.

Verlierer IV und V: Gellende Pfiffe, als Jeff Strasser - immerhin Kapitän - für Fleßers eingewechselt wurde. „Wir haben die besten Fans der Liga, aber das war eine riesengroße Enttäuschung für mich”, ärgerte sich Torhüter Kasey Keller. „Der Jeff nimmt das ganz persönlich und ist am Boden zerstört.”

Auch Herthas Niko Kovac war verwundert. „Das war schon extrem und hat die Borussia verunsichert.” Strasser auch, der die Vorbehalte prompt mit einem tödlichen Pass auf Herthas Okoronkwo (Keller hielt) und dem verlorenen Kopfballduell beim 2:2 von Kovac bestätigte.

Abneigung paradox: „Wir wolln Euch kämpfen sehn” sangen die Fans in Halbzeit 2. Weit daneben! Gerade für Kampf ist Strasser ein Symbol. Das Problem aber lag im Fußballerischen. Die rochierenden Herthaner hetzten ihre Gegenspieler gnadenlos über den Platz.

Das Kilometer reduzierende Übernehmen ist den Gladbachern nach wie vor ein Rätsel. „Wir rennen immer nur hinterher”, sagt Jansen. Nach der Pause fehlte deshalb die Kraft. Beleg: Der von Krämpfen geschüttelte Peer Kluge musste nach dem Schlusspfiff an den Tropf. An den muss die komplette Mannschaft - an den fußballerischen ...