Aachen: Ein Plädoyer gegen das „Gelaber”

Aachen: Ein Plädoyer gegen das „Gelaber”

Am nächsten Mittwoch wird er 32, das ist ein Fußballer-Alter, „in dem mache ich mir nicht mehr so einen Kopf. Man wird reifer.” Albert Streit lässt Krisen-Situationen wie diese bei Alemannia Aachen nicht allzu nah an sich ran.

Natürlich hat sich der Winter-Zugang das etwas anders vorgestellt, „aber dass es schwer wird, das war mir von Anfang an bewusst”. Nun macht er eine neue Erfahrung: „Ich habe noch nie in der 2. Liga gegen den Abstieg gespielt.”

Mehr oder weniger große Hoffnungen waren mit der Verpflichtung des Ex-Schalkers verbunden, er sollte die Kreativität erhöhen, das Offensivspiel beleben. Das fing auch gut an, schon in seiner 13. Einsatz-Minute holte Streit einen Elfmeter gegen den FC St. Pauli heraus. Seit „zwei, drei Spielen befindet sich Albert allerdings in einem Wellental”, sagt Friedhelm Funkel, was normal sei nach langer Wettkampfpause, wenn die anfängliche Euphorie verflogen sei.

Nun erwartet der Cheftrainer, dass Streit wieder präsenter wird in der „gefährlichen Zone, der gegnerischen Hälfte”, dass er „mehr in die Tiefe geht, um der Mannschaft zu helfen”. Das hat Funkel dem Spieler auch so mitgeteilt, der Mann mit der Rückennummer 13 weiß selbst, „dass ich mich auf jeden Fall verbessern muss”. Seit dem Trainingslager in der Türkei steht die Aussage, man solle das bewerten, was auf dem Platz ist. Und das war bislang überschaubar.

Verbesserungswürdig, das gilt indes für alle Mannschaftsteile: für den Angriff, der nicht trifft, für das Mittelfeld, dem oft die Ideen fehlen, für die Abwehr, die nun auch noch ins Wanken geraten ist. Streit widerspricht diesen objektiven Tatsachen nicht, er weist nur auf den branchenüblichen Mechanismus hin. „Wenn du verlierst, wird gesucht. Und im Moment ist vieles falsch, weil wir nicht gewinnen. Alles Gelaber. Es gibt kein Mittelding, nur Schwarz und Weiß.” Er ahnt es jetzt schon: „Wenn wir beim FSV Frankfurt wieder nicht punkten, war auch diese Taktik falsch. Wenn wir gewinnen, war es die richtige Aufstellung.”

Streit sieht die Mangelerscheinungen. „Bei uns ist vieles sehr oft verkrampft und ängstlich, man merkt die Unsicherheit. Und wir dürfen nicht so naiv sein wie in den letzten zwei Heimspielen mit sechs Gegentoren.” Lösungsvorschlag? Banal, aber wohl der einzige Krückstock, der im Moment greifbar ist: „Wir müssen alle an einem Strang ziehen, damit es besser wird. Es nützt nichts, wenn zwei vorangehen und zwei nicht. Ich hoffe, dass alle den Ernst der Lage erkannt haben.” Es gehe um viel, auch „um Existenzen, um Leute, die für den Verein arbeiten”.

Der Mittelfeldspieler vermutet, dass der Zeitpunkt kommen wird, „da überlegt man nicht mehr, was alles schlecht ist. Wir haben noch genügend Spiele, treffen vier Mal auf direkte Konkurrenz. Da wird sich entscheiden, wohin der Weg geht.” Eine persönliche (Zwischen-)Bilanz will Streit noch nicht ziehen. „Am Saisonende, vorher nicht.” Dieses sagt er aber doch vorab: „Bei Alemannia unterschrieben zu haben, das bereue ich auf gar keinen Fall.” Und außerdem: „Alles wird gut.”

Angebot an Feisthammel

In dieser Hoffnung hat Alemannia erste Gespräche mit möglichen Zugängen aufgenommen. Tobias Feisthammel liegt ein Angebot zur Vertragsverlängerung vor, außerdem will Manager Erik Meijer mit dem Hertha-Kollegen Michael Preetz über einen weiteren Verbleib des ausgeliehenen Shervin Radjabali-Fardi sprechen.

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